IPL-Magazin 52 | Juli 2020 | Autor: Matthias Miesbeck

Interview mit Alexander Konz, Niederlassungsleiter und Prokurist bei Bauer MAT.

 

Alexander Konz
Alexander Konz

BAUER MAT ist ein deutscher Hersteller und Anbieter von Misch- und Separationstechnik mit Sitz in Immenstadt-Seifen am Fuße der Alpen. Seit 1990 entwickelt und fertigt das Mitglied der BAUER Gruppe Maschinen und Anlagen zum Mischen, Pumpen und Trennen von Suspensionen in den Bereichen Spezialtiefbau, Tunnelbau, Baustoffproduktion und Umwelttechnik. Mit innovativer Technik, detailgetreuer Wertarbeit und praxisorientiertem Fachwissen bestimmt BAUER MAT den Verlauf der technischen Entwicklungen in der Misch- und Trenntechnik bis heute maßgeblich mit. Durch individuelle Beratung, leistungsfähige Fertigung, kompetentes und sorgfältiges Ausführungsmanagement und effiziente Serviceleistungen sichert das Unternehmen seinen Kunden die erwartete Qualität und Zuverlässigkeit seiner Produkte. Namhafte Auftraggeber im In- und Ausland sind vom umfangreichen Angebot überzeugt und schenken BAUER MAT ihr Vertrauen. Wie ging BAUER MAT mit der Corona Krise um? – Maßnahmen, Erkenntnisse und Zukunftsszenarien


IPL Magazin:
Herr Konz, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen Ihre Aktivitäten rund um Corona zu schildern und einen Ausblick für die Zukunft in Ihrem Unternehmen zu geben. Wie gehen Sie aktuell mit der Krise um? Welche konkreten Maßnahmen haben Sie ergriffen?

Alexander Konz:
Guten Tag Herr Miesbeck, ich freue mich sehr, Ihnen unsere Vorgehensweise und Maßnahmen aus Sicht eines produzierenden Unternehmens näher bringen zu dürfen. Ich denke, mein Team und ich haben in den letzten Wochen einen wirklich guten Job zum Wohle aller Mitarbeiter gemacht. Für uns war und ist klar, dass der Schutz der Mitarbeiter an oberster Stelle steht und damit auch die Leistungsfähigkeit unserer Firma sichergestellt ist. Unsere Mitarbeiter sind unser höchstes Gut und das sage ich nicht, weil es eine verbreitete Phrase ist, sondern aus voller Überzeugung. Daher ist es uns als Entscheider sehr wichtig das Ansteckungsrisiko bestmöglich zu reduzieren. So haben wir, neben den „normalen Hygienemaßnahmen“, unter anderem die Anzahl der Mitarbeiter in den Büros auf ein Minimum reduziert und die Kollegen auf andere Räume verteilt und ins Home-Office geschickt, wodurch sich natürlich der Personenverkehr auf den Fluren und zwischen den Hallen deutlich reduziert hat. Des Weiteren haben wir die Mitarbeiter gebeten sich auch kritisch mit dem Thema „Fahrgemeinschaften“ auseinanderzusetzen, die Nutzung der Gemeinschaftsräume ausgesetzt und die Kantine zunächst eingestellt und dann auf „Liefer- und Abholservice“ umgestellt. Darüber hinaus haben wir bereits direkt nach Bekanntwerden erster Fälle im Landkreis entschieden, Masken in Bereichen zu tragen, wo sich der Sicherheitsabstand nicht einhalten lässt und sich zeitgleich mehrere Menschen aufhalten. Ich möchte mich auf diesem Weg auch nochmals bei meinem gesamten Team bedanken, denn nur gemeinsam können wir die aktuelle Situation bestmöglich meistern.


IPL Magazin:
Gibt es in Ihrem Unternehmen feste Vorgaben und Richtlinien im Umgang mit einer solchen Pandemie?

Alexander Konz:
Ja, die gibt es. Als Teil der Bauer Gruppe orientieren wir uns natürlich an den Konzernvorgaben, welche durch die eigens eingerichtete Task Force erarbeitet und kommuniziert werden. Jedoch haben wir diese um individuelle Maßnahmen und Regelungen ergänzt. Die gemeinsame Diskussion der Maßnahmen und vor allem auch die Nachvollziehbarkeit der Entscheidungen auf erarbeiteten Fakten und Wünschen aus der Belegschaft kommt hier bei uns wirklich gut an. Die Kollegen halten sich alle an die gemeinsamen Richtlinien.


IPL Magazin:
Welchen Einfluss hat die Corona Krise konkret auf Ihre Produktion, auf Ihr Unternehmen?

Alexander Konz:
Natürlich beeinflusst die Corona-Krise unsere Abläufe und unser Vorhaben für dieses Jahr sehr. Unsere Planung für das erste Halbjahr haben wir bereits entsprechend angepasst und nun hoffen wir, dass sich die Situation im zweiten Halbjahr wieder normalisiert. Da wir aufgrund des globalen Sourcing sehr früh mit Lieferverzögerungen konfrontiert waren, mussten wir hier auch rasch Maßnahmen ergreifen. Gemeinsam haben wir Alternativen erarbeitet und natürlich in diesem Zusammenhang ganz engen Kontakt mit unseren Kunden- und Lieferanten gehalten.

 

IPL Magazin:
Wie genau gehen Sie mit diesen Herausforderungen im Produktionsbereich und auf Unternehmensebene um?

Alexander Konz:
Wir verfolgen hier diverse Ansätze. Ein paar dieser möchte ich Ihnen gerne erläutern:
Zum einen stellen wir geplante Investitionen für das laufende Jahr auf den Prüfstand. Wir entscheiden gemeinsam, welche Anschaffungen und Maßnahmen wirklich für den Betrieb absolut notwendig sind und welche eben auch noch ein wenig warten können. Des Weiteren haben wir den Umlaufbestand/WIP in den letzten Wochen mit gesundem Menschenverstand und durch kluge Vorgehensweisen gesenkt. Das stellte schon eine gewisse Herausforderung dar, da wir ja auch schnell wieder unsere gewohnte Performance gegenüber unseren Kunden zeigen wollen. Wichtig aus meiner Sicht hier waren die Umsicht und die Erfahrung der Verantwortlichen in den einzelnen Bereichen, die uns meiner Meinung nach zu einer guten Lösung geführt haben. Auch wenn ich wirklich nur ungern von Chancen einer solchen Krise sprechen möchte, konnten wir die Zeit trotzdem sehr sinnvoll uns zunutze machen, denn wir haben seit Januar 2020 SAP bei uns im Haus als ERP System eingeführt und wie das eben mit solchen Systemwechseln so ist, sind auch wir mit einer Reihe von daraus resultierenden Herausforderungen konfrontiert worden. Unter Normallast wäre das mit Sicherheit eine noch viel größere Aufgabe gewesen, jetzt nutzten wir aber die Zeit, um uns sehr intensiv mit den neuen Prozessen zu beschäftigen, das Systemhandling zu schulen und offene Punkte zu klären. Des Weiteren haben wir nicht nur intern unsere Mitarbeiter weiterentwickelt und geschult, sondern auch für unsere Kunden- und Vertriebspartner zahlreiche Webinare und Schulungen veranstaltet.


IPL Magazin:
Häufig wird diese Zeit auch genutzt umgrößere Wartungen an Maschinen und Anlagen durchzuführen. Waren Sie hier auch vermehrt aktiv?

Alexander Konz:
Nein, da wir unsere Wartungs- und Instandhaltungsmaßnahmen „on going“ durchführen, um so die Sicherheit und Effizienz unserer Anlagen kontinuierlich hoch zu halten.

 

IPL Magazin:
Werden Sie im Nachgang die Krise und deren Auswirkungen kritisch analysieren und sich vermehrt mit Risikoszenarien beschäftigen, um auf künftige Krisen vorbereitet zu sein?

Alexander Konz:
Sicherlich. Wir haben bei uns im Unternehmen ein fortlaufendes Risikomanagement. Dies werden wir mit Sicherheit um die gewonnenen Erkenntnisse rund um den Lockdown erweitern und daraus Szenarien für die Zukunft ableiten. Neben den üblichen Betrachtungswinkeln wie Lieferkette, Finanzen oder auch Marktentwicklung, müssen wir Bereiche wie Hygiene- und Gesundheitsmaßnahmen, als auch Digitale Zusammenarbeit intensiver betrachten.


IPL Magazin:
Herr Konz, Sie hatten vorhin von Chancen gesprochen. Können Sie Ihren positiven Gedanken noch etwas näher ausführen?

Alexander Konz:
Die größte Chance der Krise sehe ich in der rasanten Entwicklung der Digitalisierung. Auch wenn es viele Möglichkeiten schon vorher gab, wurden sie sowohl Mitarbeiter- als auch kundenseitig nicht sofort angenommen, sondern die Dienstreise bzw. das persönliche Treffen, wie beispielsweise der Servicetechniker vor Ort, häufig doch bevorzugt. Die Situation hat uns jedoch zu neuen Wegen der Zusammenarbeit gezwungen und so auch eine gewisse Vertrautheit geweckt, die sicherlich auch nach der Pandemie Bestand haben wird. Viele Jahre des klassischen Change Prozesses wurden in kurzer Zeit vollzogen und bringen uns eine noch „digitalere und vernetztere Zukunft“.


IPL Magazin:
Wenn Sie sich etwas wünschen könnten Herr Konz, was wäre das aktuell?

Alexander Konz:
Ich wünsche mir, dass meine Mitarbeiter gesund bleiben und dass es mit weiser Umsicht und auf Basis von validen Daten zu Lockerungen kommt, um den Wohlstand und das Gesundheitssystem in diesem Land auch für künftige Generationen zu sichern.

IPL Magazin:
Herr Konz, ich bedanke mich für das Interview und die offene Kommunikation. Ich wünsche Ihnen und Ihrem Unternehmen alles Gute und freue mich auf ein Wiedersehen mit Ihnen.