IPL-Magazin 51 | April 2020 | Autor: Vincent Furtwängler

Jeder kennt die Probleme, welche die heutigen Supply Chains (SC), an denen meistens eine Vielzahl an Unternehmen beteiligt sind, mit sich führen.

 

Vincent Furtwängler
Vincent Furtwängler

Jeder kennt die Probleme, welche die heutigen Supply Chains (SC), an denen meistens eine Vielzahl an Unternehmen beteiligt sind, mit sich führen. Manuelle Arbeitsschritte mit viel Papierarbeit, begrenzte Informationen über Lebenszyklen oder fehlende Daten über die Transporthistorie sowie den Lebenszyklus der Produkte. Dies sind nur ein paar Punkte der Probleme einer Supply Chain. Doch genau jene Problematiken wirken sich oft negativ auf Kosten, Qualität, Schnelligkeit und Kundenvertrauen aus. Für diese Problemstellung kann die Blockchain (BC) Technologie zur Hilfe kommen. Doch wie genau soll das funktionieren? Ein Blockchain-Netzwerk ist eine dezentral organisierte Datenbank, deren Dateninhalt kryptographisch gesichert ist. Dies bedeutet, dass Daten in einem unveränderlichen Format gespeichert sind und nachträglich nicht manipuliert werden können. Dadurch ist ein rechtssicherer Austausch zwischen einer beliebigen Anzahl an SC-Teilnehmern möglich. Somit können die Supply Chains der Unternehmen z.B. transparenter gestaltet werden, um einen Mehrwert für den Kunden zu schaffen.

Fallbeispiel: Frischeprodukt

Anhand von dem Produkt Dry Aged Beef können die Einsatzmöglichkeiten und Vorteile der Blockchain in der Supply Chain sehr anschaulich erklärt werden. Vor allem bei Fleischprodukten wollen Verbraucher in der heutigen Zeit immer mehr über die Herkunft erfahren. Anhand einer Blockchain-Datenbank können sie das z.B. über einen QRCode auf der Verpackung über ihr Smartphone erfahren und zusätzlich noch jeden einzelnen Abschnitt der Supply Chain nachvollziehen. In Echtzeit liegen alle Informationen über das Produkt in einer einzigen, fest zusammenhängenden Version vor. Diese Informationen können aufgrund der Eigenschaften einer Blockchain nicht manipuliert werden und sind somit zu 100% die Originaldaten. Zu den Informationen zählen bei diesem Beispiel die Herkunft des Fleisches, zeitliche Abläufe (z.B. Reifezeit, Mindesthaltbarkeit oder Transportdauer) und Standort des Produkts entlang der gesamten Supply Chain.

Somit wird durch diese höhere Transparenz und die Tatsache, dass die Daten sämtlicher Beteiligter in der Lieferkette absolut revisionssicher sind, die Glaubwürdigkeit gegenüber traditionellem Track & Trace (T&T)-Systemen erhöht. Blockchain-basierte Systeme sind im Vergleich zu traditionellen T&T-Systemen automatisch und vollständig revisions- und rechtssicher. Komplexe Prozesse, welche heute noch manuelle Arbeit verlangen (z.B. Rechnungsabwicklung bei der Bestätigung von Liefereingängen), können daher in Zukunft automatisiert werden. Voll digitalisierte Frachtpapiere oder auch automatisierte Zollabfertigungen können bspw. mit Hilfe von Blockchain Anwendungen in der Logistik ermöglicht werden.

 

Abb.1: Beispielhafte Darstellung eines Use Cases
Abb.1: Beispielhafte Darstellung eines Use Cases

 

 

Fallbeispiel: Smart Contracts

Ein weiteres Einsatzgebiet für die BC-Technologie sind sogenannte Smart Contracts. Hierbei handelt es sich um automatisch ausführbare Programme, welche auf einer Blockchain-Plattform dezentralisiert ausgeführt werden. Das bedeutet, sie führen eine Folge von Aktivitäten aus, wenn ein bestimmtes Ereignis eintritt. Smart Contracts automatisieren demnach Wenn-Dann Abfolgen. Während heutzutage in der Produktion und Logistik die Optimierung schon fast am Limit ist, sind Finanzprozesse in der SC immer noch zu langsam und teilweise langsamer als der eigentliche Herstellungsprozess. Gründe dafür sind meistens manuelle und somit fehleranfällige Prozesse. Mehr als 60% der B2B-Transaktionen werden heute noch mit Papierrechnungen durchgeführt. Doch mit Hilfe der Blockchain-Technologie kann dieser Prozess vereinfacht werden.

Mit sogenannten Smart Contracts können diese Prozesse stark beschleunigt werden, indem sie so programmiert werden, dass sie bei der Erfüllung von vorgegebenen Kriterien automatisch einen Befehl auslösen. Somit können Unternehmen, die in einem BC Netzwerk vertreten sind, mit den verschiedenen Parteien ohne eine dritte Instanz (wie z.B. einer Bank) in einer nachvollziehbaren Art und Weise miteinander interagieren. Sobald eine vertrauensvolle Plattform zur Verfügung steht, können die Beteiligten ohne einen Zwischenhändler Daten austauschen und Transaktionen genehmigen (siehe Abbildung 2). Dies beschleunigt den Prozess der Ausführung und vor allem den Prozess der Bezahlung, da bspw. eine Überweisung nicht mehr manuell ausgeführt werden muss. So wird z.B. bei Erfassung der Ware im Wareneingang automatisch die Zahlung an den Lieferanten vollzogen.

 

 

Abb.2: Traditionelle Transaktionsmodelle vs. Blockchain-Transaktionsmodelle
Abb.2: Traditionelle Transaktionsmodelle vs. Blockchain-Transaktionsmodelle

 

 

Die Vorteile einer Blockchain-Datenbank im Vergleich zu einer herkömmlichen IT-Infrastruktur:

  • Beliebige Skalierbarkeit• Systemunabhängigkeit --> schnelle Implementierung

  • Revisionssicherheit der Daten

  • Besserer Schutz gegen Cyberattacken aufgrund der dezentralen Datenspeicherung

  • Hohes Potenzial für Machine-Learning-Analysen, wie z.B. Absatzund Nachfrageprognosen

  • Weniger Verwaltungsaufwand durch gemeinsame Datenbank
    --> geringere Transaktionskosten bei gleichzeitig höherer Effizienz

  • Zugang zu allen Dateien entlang der Lieferkette für jeden Teilnehmer

 

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass diese beiden Fallbeispiele für den Einsatz der Blockchain Technologie in der Supply Chain zum einen „Track & Trace“ und zum anderen die „Bezahlung per Smart Contracts“ sind. Der Use Case „T&T“ dient vor allem der Nachverfolgbarkeit von Gütern entlang der gesamten SC und schafft somit auch eine hohe Transparenz entlang der Lieferkette.

Der Use Case „Bezahlung per Smart Contracts“ sieht die Automatisierung des Bezahlvorgangs über die Blockchain vor. Durch die Smart Contracts ist es möglich, auf bestimmte Ereignisse automatisiert mit einer Aktivität zu reagieren.

Wird bspw. die ankommende Ware im Wareneingang per RFID Technologie identifiziert und als „angekommen“ im System verbucht, führt der Smart Contract automatisch die Bezahlung an den Lieferanten durch. Die Blockchain wird die Arbeit in der gesamten Lieferkette somit massiv beeinflussen.