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So passen Sie Ihr Schichtmodell an!

IPL-Magazin 39 | April 2017 | Autor: Dr. Matthias Pfeffer

 

Der Druck auf die Produktion steigt

Kurze Durchlaufzeiten sowie eine kurzfristige Lieferfähigkeit müssen sichergestellt werden.

 

Dr. Matthias Pfeffer

Um Kosten zu senken, sollten teure Anlagen im Optimalfall sieben Tage die Woche, rund um die Uhr arbeiten. Eine Ausweitung der Arbeitszeit mit Hilfe von Schichtarbeit bietet eine mögliche Lösung hierfür.

Allerdings ist die Einführung oder die Veränderung eines Schichtmodells eine tiefgreifende Veränderung bei den Mitarbeitern. Dabei ist es ein behutsames Vorgehen und die Integration der Mitarbeiter in den Gestaltungsprozess von großer Bedeutung.

Auswirkungen auf den Mitarbeiter    
Die Schichtarbeit beeinflusst nahezu alle Lebensbereiche des Mitarbeiters. Die Interessen der einzelnen Mitarbeiter gehen stark auseinander und es können sowohl positive als auch negative Meinungen zur Schichtarbeit entstehen.

 


Grundsätzlich kann der Einfluss der Schichtarbeit auf den Mitarbeiter unter drei Aspekten zusammengefasst werden:               

 


Unzufriedenheit und Kritik seitens Mitarbeiter über die Schichtmodelle oder –pläne ist kein seltenes Phänomen. Die Unzufriedenheit kann vor allem bei älteren Mitarbeitern in erhöhter Krankheitsquote resultieren. Zur Bewältigung solcher Konflikte sollte eine offene und direkte Diskussion mit den Mitarbeitern gesucht werden. Gemeinsam können Lösungen generiert werden, die von den Mitarbeitern als positiv empfunden werden.

 

Arbeitswissenschaftliche Empfehlungen    
Das Arbeitsgesetz schreibt vor, dass die Gestaltung der Schichtarbeit nach „arbeitswissenschaftlichen Erkenntnissen über die menschengerechte Gestaltung der Arbeit“ zu erfolgen hat.


Daher sollten bei der Schichtplangestaltung folgende arbeitswissenschaftliche Empfehlungen und Richtlinien berücksichtigt werden:    

 

Vorgehensweise bei Planung oder Änderung des Schichtmodells

Schichtarbeit muss geplant werden. Nicht nur die Arbeit selbst, sondern auch wie man diese am besten im Betrieb einführt. Nur eine entsprechende Planung sorgt dafür, dass die Krankheitsquote und Ausfälle nach Einführung nicht steigt.

 

1. Phase: IST-Analyse und Festlegen der Anforderungen

In der ersten Phase soll festgelegt werden, welches Ziel durch die Schichtarbeit erreicht werden soll. Dabei ermöglicht eine IST-Analyse die Definition der Randbedingungen.                     

Einige der wichtigen Fragestellungen in der ersten Phase sind:

Neben den unternehmerischen Aspekten sollten auch die Wünsche und Interessen der Mitarbeiter in dieser Phase abgefragt werden.


2. Phase: Planung und Gestaltung

Sind die Ziele und Randbedingungen bekannt, kann mit der Planung und Gestaltung des Schichtmodells angefangen werden. In dieser Phase werden unterschiedliche Varianten der betrieblichen, sozialen, gesundheitlichen sowie finanziellen Aspekte gegenübergestellt. In der Feinplanung wird das Modell den physischen und organisatorischen Abläufen des Unternehmens angepasst. Nicht zuletzt sollen die Schnittstellen zwischen Gruppen mit unterschiedlichen Arbeitszeitmodellen berücksichtigt werden.


Wenn ein Schichtmodell erfolgreich ausgearbeitet wurde, sollen die Mitarbeiter in einer Betriebsversammlung über das neue Modell informiert werden. Dabei werden die offenen Fragen beantwortet und Verbesserungsideen der Mitarbeiter eingesammelt. Nach einer eventuell notwendigen Anpassung ist das Schichtmodell für den Testbetrieb bereit.

 

3. Phase: Testbetrieb

In der Testphase wird das neue Schichtmodell an einer ausgewählten Gruppe oder einem Team erprobt und hinsichtlich der Auswirkungen auf den Betrieb und die Mitarbeiter genauer beobachtet. Die Testgruppe sollte von anderen Teams und Bereichen abgekoppelt sein.

Gewöhnlich dauert die Testphase zwischen drei und sechs Monaten. In diesem Zeitraum können und sollen die Mitarbeiter mit Hilfe von Fragebogen und Interviews regelmäßig Feedback über das neue Schichtmodell abgeben. Auf Basis dessen können kontinuierlich kleine Anpassungen vorgenommen werden. Am Ende der Testphase werden nach einer letzten Evaluation die notwendigen Korrekturen und Anpassungen durchgeführt, bevor das Modell für eine breite Einführung bereit ist.

 

4. Phase: Breite Einführung

In der letzten Phase steht das erprobte Modell bereit und kann im gesamten Betrieb eingesetzt werden. Eine Betriebsversammlung ist hier hilfreich, um die Mitarbeiter über den letzten Stand des Modells und die vorgenommenen Verbesserungen in der Testphase zu informieren. Damit können die Kooperationsbereitschaft und die Arbeitsmotivation der Mitarbeiter positiv beeinflusst werden.