IPL-Magazin 50 | Jan 2020
 

IPL-Magazin 50 | Jan 2020 | Autor: Prof. Dr. Klaus-Jürgen Meier

 

Wohl den Unternehmen, welche die Phase einer schwachen Konjunktur nutzen können

 

 
Prof. Dr. Klaus-Jürgen MeierFahren Sie ein Auto, mit welchem man nur Linkskurven, aber keine Rechtskurven fahren kann? Sind Sie in einem Unternehmen, welches nur in Konjunkturspitzen wirtschaftlich arbeitet, aber nicht in Zeiten mit geringerer Nachfrage?

Während die erste Frage von allen Managern mit Erstaunen und einem klaren ‚Nein‘ beantwortet wird, ist die Antwort auf die zweite Frage längst nicht mehr so klar. Dabei sollte uns allen doch bewusst sein, dass es nicht immer nur nach oben gehen kann. Nach jedem Aufschwung gab es in der Vergangenheit wiederholt Phasen, in denen eine Abkühlung erfolgte. Gut aufgestellte Unternehmer wissen das und nutzen diese Phase zur Vorbereitung. Jetzt lassen sich Abläufe und Layouts neu strukturieren. Produktideen können ausgetestet und schneller auf dem Markt gebracht werden.

Das kann ohne Panik und in Ruhe erfolgen. Voraussetzung ist allerdings, dass die Kostenstruktur im Unternehmen stimmt. Nur wenn ausreichend Rücklagen gebildet sind für die schlechten Zeiten oder – noch besser - eine Volllast nicht die Voraussetzung darstellt für die Kostendeckung, dann können Konjunkturflauten wirklich genutzt werden. Dann stellen sie sogar eine willkommene Gelegenheit dar, die eigene Wettbewerbsfähigkeit deutlich auszubauen. Müssen Konjunkturdellen aber in Überlebensangst und mit der Umsetzung spontaner Abbauprogramme verbracht werden, dann verstreicht nutzlos wertvolle Zeit. Wertvolle Mitarbeiter und damit Wissen verlassen das Unternehmen und fehlen in der Zukunft. Der Start in den nächsten Aufschwung ist erschwert und gelingt nur mit Verzögerung. An der prinzipiellen Problematik wird übrigens auch die Digitalisierung nichts ändern. Denn auch die digitalen Kollegen sind teuer und möchten ausgelastet sein. Die einzigen Lösungsansätze, die heute und morgen weiterhelfen, sind Verständnis für die Zusammenhänge und Flexibilität. Letztere soll nicht nur dazu dienen, unterschiedliche Varianten in Stückzahl ‚1‘ zu produzieren, sondern auch eine schwankende Nachfrage wirtschaftlich zu beherrschen.

Wohl den Unternehmen also, welche die Phase einer schwachen Konjunktur nutzen können. Sie werden es spätestens bei der nächsten Konjunkturspitze wissen, zu welcher Kategorie von Unternehmen Ihr Unternehmen gehört.