IPL-Magazin 48 | Juli 2019
 

IPL-Magazin 48 | Juli 2019 | Autor: Dr. Matthias Pfeffer 


Teamwork mit neuen Vorzeichen

 

 
Dr. Matthias PfefferDie Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine ist schon so alt wie die Industrialisierung selbst. Warum also macht man sich plötzlich wieder solche Gedanken, wie diese beiden Ressourcen miteinander arbeiten können. Genau darin liegt der neue, große Unterschied: im miteinander arbeiten! Wo früher der Mensch die Maschine bediente, bedient heute die Maschine den Menschen. Beide Systeme kooperieren – unterstützend und gleichzeitig lernend.

Klassische Industrieroboter sind Kraftmaschinen, die in der Regel schwere oder für den Menschen unzumutbare Arbeiten übernehmen. Dabei sind oft aufwendige Programmierarbeiten erforderlich. Dadurch wird der Roboter nur wirtschaftlich einsetzbar, wenn er eine Wiederholfolge der Aufgaben bei hohen Stückzahlen machen kann.

Bei modernen Mensch-Maschine-Teams geht es nicht mehr alleine um Kraft, Ausdauer und Wiederholtätigkeiten bei hohen Stückzahlen, sondern um Flexibilität und filigrane Fähigkeiten. Der Roboter wird zur „dritten (oder sogar vierten) Hand“ des Menschen. Hierbei geht es primär um Genauigkeit beim Zusammenspiel. Die sogenannten Cobots (Collaborative Robots) erkennen die Aktionen des Menschen und reagieren auf diese. Intelligente Systeme lernen sogar von den Bewegungsabläufen und können so auch Fehlverhalten des Menschen wahrnehmen und bei Bedarf korrigieren. Das macht die Arbeiten sicherer und entlastet bei gefährlichen Tätigkeiten, da das System nicht nur die kritischen Prozesse, sondern auch den Menschen und die Umgebung überwachen kann.

Ein weiterer Vorteil ist die meist einfache Programmierung. Hierzu sind oftmals keine Programmierkenntnisse mehr nötig, sondern der Bediener kann intuitiv den Cobot führen und somit anlernen. Den Rest korrigiert das System über seine Sensorik und die intelligente Software selbst. Aufgrund der stetig fallenden Preise (derzeit gibt es Systeme unter 10.000 Euro) wird es in naher Zukunft bald keine Fertigung mehr geben, in der nicht mindestens ein Mensch-Maschine-Team kollaborativ Hand in Hand zusammen arbeiten.