IPL-Magazin 52 | Juli 2020 | Autor: Dr. Matthias Pfeffer

Für viele Unternehmen besteht die Betrachtung des unternehmerischen Risikos darin, dass die Aufträge zurück gehen oder die Ressourcen Mensch und Maschine ausfallen.

Dr. Matthias Pfeffer
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Für viele dieser Szenarien lassen sich jedoch Vorkehrungen treffen, damit dieses Risiko kalkulierbar bleibt. Hier werden bekannte Methoden wie die SWOT- und die FMEA-Analyse in abgewandelter Form vorgestellt.


SWOT – Stärken und Schwächen einmal anders definieren

Die SWOT Analyse dient primär zur strategischen Ausrichtung des gesamten Unternehmens. Sie ist eine hilfreiche Methodik, um eigene Stärken und Schwächen zu verstehen sowie neue Chancen und bestehende Risiken zu erkennen. Die Stärken von SWOT liegen darin, dass sie neue Wege und Möglichkeiten aufdecken, die Sie voranbringen.

Durch die Erkenntnis, welche Schwachstellen Ihr Unternehmen aufweist, sind Gefahren rechtzeitig einzudämmen. Indem Sie sich und Ihre Konkurrenz unter den Gesichtspunkten einer SWOT-Analyse betrachten, entsteht eine Strategie, die den entscheidenden Unterschied zum Wettbewerb ausmacht.

Die klassische SWOT Analyse betrachtet dabei die Aspekte:

  • Strengths = Stärken,
  • Weaknesses = Schwächen,
  • Opportunities = Chancen und
  • Threats = Bedrohungen.


Die typischen Fragen lassen sich der Abbildung 1 entnehmen.

 

Abb. 1: SWOT
Abb. 1: SWOT

 

 

In Anlehnung an eine Standard-SWOT-Analyse reicht hier der Fokus auf die Schwächen, Chancen und insbesondere die Risiken. Sind die oben genannten Punkte ausgearbeitet, werden die die Bereiche gegenübergestellt und unterschiedliche Strategien erarbeitet.

 

  • S-O-Strategie: Weitere ausbauen im Unternehmen
  • W-O-Strategie: Aufholen zu der Konkurrenz
  • S-T-Strategie: Absicherung des Unternehmens
  • W-T-Strategie: Vermeidung als oberstes Ziel


Für die Vorbereitung auf eine potenzielle 2. CORONA-Welle sollten Sie insbesondere die Strategien S-T und W-T- im Fokus haben.
Die wichtigsten Fragen, für die es dann gilt eine Antwort zu finden:

  1. Welche Risiken lassen sich mit den eigenen Stärken kompensieren?

  2. Welche Risiken bestehen aufgrund der eigenen Schwächen?

 

 

Erarbeiten Sie hier die entsprechenden Antworten und Maßnahmen, damit
Sie mögliche Risiken früher erkennen und Möglichkeiten der Gegensteuerung
kennen.


RMEA – Risiko-Möglichkeits-Einfluss-Analyse

In Anlehnung an eine FMEA (Fehler-Möglichkeits-Einfluss-Analyse) werden nicht die Fehler an Produkt oder Prozess ausgearbeitet, sondern eventuelle Risiken, die auftreten können. Diese werden systematisch erfasst und bewertet und können in Kosten umgelegt werden. Die Fehlermöglichkeits- und Einflussanalyse ist eine Methode zur Analyse von Fehlerrisiken. Sie dient der systematischen Risikoanalyse bei komplexen Systemen oder Prozessen.

Möglicher Einsatzbereich der Methode ist die Risikoanalyse der Abläufe, der Produktion oder der ganzen Organisation selbst und vor allem die Analyse der Risiken von Prozessen. Die Methode kann allein oder als Gruppenarbeit durchgeführt werden, wobei die Vorteile gruppendynamischer Prozesse auch hier genutzt werden sollten.

Schritt 1. Beschreibung des Prozesses bzw. der Organisationsbereiche

Die Eingrenzung und Dokumentation des Prozesses ist Voraussetzung für die spätere Analyse. Zu diesem Zweck werden die betroffenen Prozesse dargestellt, dokumentiert und die betroffenen Teilprozesse identifiziert.


Schritt 2. Analyse potenzieller Risiken, Folgen und Ursachen

Im nächsten Schritt werden systematisch alle potenziellen Risiken, deren Folgen und die verantwortlichen Ursachen untersucht.

Dabei sollte anhand der folgenden Fragen vorgegangen werden:

  • Welche Risiken können auftreten?
  • Welche potenziellen Risiken können in den identifizierten Teilprozessen auftreten?
  • Welche Folgen hätte der Eintritt eines beschriebenen Risikos?
  • Zu jedem potenziellen Risiko wird anschließend geprüft, zu welchen Auswirkungen es führen könnte und welche potentiellen Folgen es haben könnte.
  • Wodurch können die Risiken entstehen?

 

Schritt 3. Bewertung von Risiken und Folgen

In diesem bewertenden Teil der FMEA wird das Risiko beurteilt. Es werden für jedes Risiko folgende Daten ermittelt:

  • Auftrittswahrscheinlichkeit (A) – Wie wahrscheinlich ist es, dass dieses Risiko eintritt?
  • Bedeutung (B) – Welche Wirkung entsteht durch das Auftreten das Eintreten des Risikos?
  • Entdeckungswahrscheinlichkeit (E) – Wie wahrscheinlich ist es, dass der Eintritt des Risikos bemerkt wird?

 

 

Um das potentielle Risiko auszudrücken und bewerten zu können, wird jetzt eine Risikoprioritätszahl (RPZ) gebildet.

Dabei gilt:

RPZ = A x B x E

Es können so Risikoprioritätszahlen zwischen 1 und 1.000 entstehen. Je höher die RPZ dabei ist, desto inakzeptabler ist das Risiko. Bei einer RPZ >100 müssen Sie unbedingt Maßnahmen zur Vorbeugung ergreifen. Liegt die RPZ zwischen 50 und 100 besteht ein mittleres Risiko, gibt es Handlungsbedarf und es sollten Maßnahmen definiert werden.

Darunter ist das Risiko akzeptabel.