IPL-Magazin 48 | Juli 2019 | Autor: Prof. Dr. Klaus-Jürgen Meier


…oder lernen, was das Beste ist

Prof. Dr. Klaus-Jürgen MeierSeit Charles Darwin seine Evolutionstheorie aufgestellt hat, ist es wissenschaftlich anerkannt. Die Natur und alle existierenden Lebensformen haben sich weiterentwickelt und damit ihr Überleben gesichert.

Nur solche, die sich nicht angepasst haben an die veränderten Lebensbedingungen, sind untergegangen. Diese Erkenntnisse lassen sich problemlos auf die heutige Geschäftswelt übertragen. Unternehmen werden gegründet und manche sind extrem erfolgreich. Andere Unternehmen existieren schon lange und gehen insolvent. Glaubt man der Vielzahl der aktuellen Veröffentlichungen, so gibt es heutzutage aber nur eine Garantie zum Überleben: Industrie 4.0 - sind die Geschäftsfelder und Produkte auch noch so unterschiedlich. Doch die Evolutionstheorie ist deutlich differenzierter. So gibt es eine große Zahl unterschiedlicher Ausprägungen in Fauna und Flora, welche die Existenz der Arten sichergestellt haben. Gleiches dürfte auch für Unternehmen gelten.

Die interessante Frage ist, wie der richtige unternehmensspezifische Evolutionspfad aussieht? Denn eines ist sicher, nichts zu tun, ist mit Sicherheit die falsche Alternative.

Die Entwicklung der Produktionsstrategie der Jahre 1990 bis 2010 war geprägt durch die Philosophie des Lean Production. Mit Hilfe der Standardisierung und der Vermeidung jeder Art von Verschwendung sollte die Produktion besser beherrscht und zudem qualitativ verbessert werden. Eine geringere Varianz im Unternehmen führte zu einer erhöhten Wirtschaftlichkeit. Die Massenproduktion hat darauf aufbauend die Standardisierung zur Perfektion getrieben. Kundenneutral und in hoher Stückzahl gelang es, durch den Einsatz der Automatisierung die Produkte kostengünstig und in reproduzierbarer Qualität zu fertigen.

Und doch gab es weiterhin Unternehmen, welche durch Kundenorientierung und mit der Kundenspezifikation ihrer Produkte erfolgreich waren. Diese Unternehmen haben Varianz als Wettbewerbsfaktor verstanden. Dabei darf eine strategisch genutzte Varianz nicht als Ausrede verstanden werden, Standardisierung zu unterlassen. Die Philosophie des Quick Response Manufacturing (QRM) zeigt sehr gut, dass sich beide Ansätze wechselseitig bedingen.

Erst durch Standardisierung und Vermeidung von Verschwendung kann eine hohe Reaktionsgeschwindigkeit auf individuelle Kundenwünsche wirtschaftlich erzielt werden. Der Digitalisierungsgrad in der Produktion ist bei QRM begrenzt. Damit haben sich die Evolutionspfade verzweigt. Wesentliches Unterscheidungsmerkmal ist die Varianz – vgl. Abb. 1.

 

 

Abb. 1: Evolution in der Unternehmensentwicklung. Jedes Unternehmen muss entscheiden, welcher Reifegrad der Digitalisierung zum Überleben benötigt wird.
Abb. 1: Evolution in der Unternehmensentwicklung. Jedes Unternehmen muss entscheiden, welcher Reifegrad der Digitalisierung zum Überleben benötigt wird.

 

 

Mit der Einführung von Industrie 4.0 ist es nun erstmals möglich, mit Hilfe der Digitalisierung beide Pfade weiter zu beschreiten – aber stets basierend auf den Grundwerten von Lean Production. Wesentlicher Unterschied der Pfade ist der zur Anwendung kommende Reifegrad der Digitalisierung.

Während die klassische Automatisierung zur Massenproduktion weiterhin mit einem geringen Reifegrad auskommt, ist für die variantenreiche Produktion bis hinab zur Losgröße ‚1‘ eine intelligente Form der Digitalisierung notwendig. Sie hat Einfluss auf das Geschäftsmodell, auf das Produkt bzw. die Dienstleistung und damit auch auf die Organisation im Unternehmen.

Das Management muss entscheiden, worin der Mehrwert einer solchen Digitalisierungsvariante und damit Varianz für das Unternehmen besteht. Nur wenn darüber Klarheit besteht, kann eine richtungsweisende Unternehmensstrategie abgeleitet werden. Die Unternehmensevolution muss also bewusst geplant sein.

Basierend auf diesen Zusammenhängen bietet das IPL dem Management von Unternehmen auf vielfältige Weise Unterstützung an bei der Entscheidungsfindung über den anzustrebenden Reifegrad, dem Aufbau einer digitalen Unternehmenskultur sowie bei der tatsächlichen Umsetzung. Eine strukturierte Methodik hilft bei der Orientierung zwischen Massenproduktion und Industrie 4.0. IPL-Workshops erklären die Begriffe und verbreiten das Gedankengut im Unternehmen.

Eine differenzierte Evolution wird verständlich und gelebt – und sichert damit vielleicht auch das Überleben Ihres Unternehmens.