IPL-Magazin 43 | April 2018 | Autor: Prof. Dr. Markus Däubel


Dass Shopfloor-Management auch in Logistikunternehmen funktioniert, hat die Bestandsaufnahme und das Training am Standort Regensburg bei der Albert Craiss GmbH & Co. KG gezeigt.

Prof. Dr. Markus Däubel
Prof. Dr. Markus Däubel

Mit dem Shopfloor-Management verbindet man normalerweise den Shopfloor, also den Produktionsbereich. In der (Lager-)Logistik ist die Forderung nach „Führung vor Ort“ aber auch umsetzbar.

In der Logistikbranche ist es gebräuchlich, von der Produktion eines „Picks“ zu sprechen und in der Automobilbranche werden zum Beispiel „gering“ wertschöpfende Tätigkeiten von den Logistikunternehmen übernommen. Der Ansatz des Shopfloor-Managements - Arbeit in kleinen und effektiven Teams mit Zielen am Ort der Wertschöpfung zur ständigen Weiterentwicklung - ist deswegen für Logistikunternehmen genauso anwendbar wie für Produktionsunternehmen.

 

Abbildung 1: Beispiel Shopfloor-Tafel
Abbildung 1: Beispiel Shopfloor-Tafel

 

Rahmenbedingungen
CRAISS hat an die IPL Beratung GmbH in 2017 den Auftrag vergeben, zum Shopfloor-Management jeweils einen Tag eine Bestandsaufnahme am Standort Regensburg und ein Training durchzuführen. CRAISS ist ein Logistikunternehmen mit umfangreichen Leistungen in den Bereichen Trans-portmanagement und Kontraktlogistik. Das Unternehmen wurde 1931 im schwäbischen Mühlacker gegründet und verfügt heute über 15 Standorte in 6 Ländern. Mit 750 Mitarbeitern, 500 Fahrzeugeinheiten und 150.000 m² Lagerfläche zählt CRAISS zu den bedeutendsten mittelständischen Logistikunternehmen Deutschlands.

(nach Quelle: www.craiss.com, zuletzt geprüft am: 07.03.2018)


1. Bestandsaufnahme

Für die Bestandsaufnahme war ein Tag eingeplant. Zur Abstimmung der Trainingsinhalte und gezielten Auswahl von Fallbeispielen erfolgte die Bestandsaufnahme gemeinsam mit dem Management und den Mitarbeitern am Standort Regensburg.

Zielführend und wichtig war, dass die Schichtvertreter bis zum strategischen Management anwesend waren. Dadurch konnte ein gemeinsames Verständnis für den Ablauf des Shopfloor-Managements geschaffen werden. Erster Baustein der Bestandsaufnahme war die Information zu den theoretischen Grundlagen des Shopfloor-Managements. Die Erkenntnis für alle Teilnehmer war, dass die theoretischen Grundlagen lediglich eine Empfehlung darstellen und die gelebte Praxis davon abweichen darf und muss. Spannend waren die Diskussionen der Teilnehmer, wie der Bogen vom strategisch theoretischen Ansatz zu der praxisbezogenen Umsetzung auf dem Shopfloor gestaltet werden kann.

Die tägliche Kommunikationsrunde zum Beispiel muss stattfinden, die Dauer und die Themen sind natürlich vollkommen variabel. Wichtig war auch die Erkenntnis, dass die Shopfloor-Tafel stetigen Veränderungen unterworfen sein wird und dass der Start deswegen logischerweise kein 100 % Start sein wird und kann.

Während der Bestandsaufnahme wurden alle Themen kritisch hinterfragt, die bereits auf der Shopfloor-Tafel visualisiert wurden. Auch hier zeigte sich, dass einige Themen für die Mitarbeiter keine Relevanz hatten und damit entfernt wurden:

Zu viel Information überfordert oder führt zu Desinteresse! Zusammenfassend kann gesagt werden, dass es überschaubar wenige zwingend erforderliche Standardelemente beim Shopfloor-Management gibt, um die täglich wechselnden Probleme und Prioritäten strukturiert abarbeiten zu können.

 

Standardelemente


• Termin

• Shopfloor-Tafel

• Visualisierung der KPIs oder Trendverfolgungen (zum Beispiel Anwesenheitsquote,

• 5S, Fehlerquote…)

• A3 Problemlösungsblatt oder 8D-Report

• …

Der wichtigste Aspekt ist sicher die Kontinuität der Regelkommunikation und die Motivation und Akzeptanz der Vorgehensweise durch die Mitarbeiter.


2. Training

Auf der Grundlage der Bestandsaufnahme erfolgte eine gezielte Zusammenstellung von methodischen Inhalten. Es resultierte ein Maßnahmenplan, der die Mitarbeiter von CRAISS un-mittelbar nach Abschluss des Trainings zur Umsetzung befähigte. Damit verfügt das Unternehmen über ein pilothaftes Vorgehen, welches einfach auf andere Problemstellungen oder Bereiche übertragen werden kann.

Das Training wurde mit allen produktiven Mitarbeitern durchgeführt. Um den Blick auf Verbesserungen zu schärfen, wurde in der Halle eine kurze Potenzialaufnahme durchgeführt, daraus resultierte eine LOP (List of Open Points), die an die Führungskräfte zu Umsetzung übergeben wurde.

 

Abbildung 2: Beispiel „lebende“ Shopfloor-Tafel bei CRAISS
Abbildung 2: Beispiel „lebende“ Shopfloor-Tafel bei CRAISS

 

 

Schlussbetrachtung

Shopfloor-Management ist in Logistikunternehmen genauso anwendbar wie in Produktionsunternehmen. Shopfloor-Management steht und fällt mit der Disziplin zur Einhaltung der Regelkommunikation durch die Führungskräfte vor Ort. Nicht außer Betracht gelassen darf auch die kaskadierte Weiterleitung der Informationen / Aufgaben / Probleme an die nächsthöhere Führungsebene im Unternehmen, sei es zur Bestätigung, dass alles läuft oder dass Handlungs- / Unterstützungsbedarf besteht.

Die Erfahrungen, die bei dem Pilotprojekt gemacht wurden, finden nun Einzug bei der Ausweitung des Shopfloor-Managements auf weitere Standorte bei CRAISS.