IPL-Magazin 43 | April 2018 | Autor: Dr. Matthias Pfeffer

So gelingt die Einführung einer Fließmontage


Dr. Matthias Pfeffer
Dr. Matthias Pfeffer
Bei der Umsetzung eines neuen Vorhabens in der Produktion ist es eine Herausforderung, ständig den Überblick zu behalten. Mithilfe von einfachen Regeln und organisatorischen Abläufen lassen sich solche Shopfloor-Projekte schnell und erfolgreich managen. Mit diesen 3 Schritten bauen Sie schnell Strukturen auf.

Gerade in der Startphase von Umsetzungsprojekten sind viele Vorgänge zeitkritisch, ob Materialversorgung, struktureller Aufbau, Prozesseinführung oder Kapazitätsmanagement – viele parallel laufende Aktivitäten müssen synchronisiert werden. Ein zentraler Ort und ein Fixtermin mit visueller Unterstützung durch ein Managementboard – direkt auf dem Shopfloor - helfen, die Maßnahmen im Blick zu behalten.

Wann sollten Sie über ein Management Board nachdenken?

• Sie wollen einen oder mehrere Fertigungsbereiche restrukturieren.

• Sie führen eine neue Produktreihe / Produktvarianten ein.

• Sie führen eine neue Technologie ein.

• Sie stellen ein Fertigungsverfahren oder Montageverfahren um.
 

Grundsätzlich kann das Management Board immer dort eingesetzt werden,wenn Ihr Vorhaben eine gewisse Komplexität überschreitet, mehrere Abteilungen betroffen sind und / oder ein Umsetzungsprojekt über längeren Zeitraum geht. Die folgenden Schritte helfen bei einem strukturierten Vorgehen zur Einführung eines Shopfloor-Managementboards zur effizienteren Projekteinführung. Das Beispiel zeigt ein Projekt, bei dem eine Montage auf eine Fließmontage umgestellt wurde.

Schritt 1: So müssen das Management Board vorbereiten
Das Management Board hat seinen Namen nicht nur davon, dass es dem Management dienen soll, in erster Linie soll es das Vorhaben „managen“ bzw. einen Überblick über das definierte Projekt geben.
 
 
Abbildung 1: Typische Elemente eines Managementboards in der Produktion
Abbildung 1: Typische Elemente eines Managementboards in der Produktion
 
 
 
Im Idealfall sind folgende Elemente auf dem Board vorhanden:

  • Prozess (Spalten): Darstellung der wesentlichen Prozessschritte, entweder als Bild oder in tabellarischer Form.

  • Termine (Zeilen): Die wichtigsten Ecktermine sollten dargestellt werden.

  • Ziele (Kreuzungen): Die Ziele (z. B. die zu fertigenden Stückzahlen) sollten den Terminen zugeordnet werden, nur so können Sie täglich den Ist-Soll-Vergleich machen.

  • Ansprechpartner: Sofern es mehrere Ansprechpartner gibt, sollten diese auch im Prozess hinterlegt sein.

  • Sonstiges: Lassen Sie einen Bereich auf dem Board frei, wo Sie Ideen oder auch Probleme gesondert erfassen, die ggfs. nicht einzelnen Prozessschritten zugeordnet werden können.
     

In erster Linie kommt es dabei nicht auf die perfekte Darstellung an. Wichtig ist es, dass ein zentrales Board – für jeden zugänglich – installiert wird.

Bevor oder auch in der ersten Besprechung muss die Struktur und Funktion des Boards erklärt werden. Nur dann ist eine effektive Nutzung garantiert!

Schritt 2: Führen Sie regelmäßige Besprechungen durch
Um in dieser Phase einen Überblick zu behalten, macht es Sinn, Besprechungen direkt auf dem Shopfloor zu organisieren. Ideal ist eine tägliche Stehung (keine Sitzung!) direkt am Board von ca. 15 bis maximal 30 Minuten mit allen Prozessbeteiligten. Dies sichert Ihnen die Aufmerksamkeit der Teilnehmer und den direkten Bezug zum Projekt. Darüber hinaus müssen die Mitarbeiter stets vorbereitet erscheinen – keiner kann sich hinter seinem Laptop verstecken. Ein Regeltermin wird eingerichtet. Ist das Projekt gut angelaufen, so kann der Regeltermin auf alle 2 Tage oder auch 1 bis 2 mal pro Woche verkürzt werden. Im gezeigten Projektbeispiel wurden in den ersten 2 Wochen sogar 2 Termine täglich abgehalten, die dann auf 1 Termin gekürzt wurden.

 

Abbildung 2 : Mit einem Management Board haben Sie das gesamte Projekt im Blick
Abbildung 2 : Mit einem Management Board haben Sie das gesamte Projekt im Blick

 

Schritt 3: Erfassen Sie Probleme auf speziellen Karten
Es bietet sich an, zeitliche Abläufe und Aufgaben mithilfe des Management Boards transparent für alle darzustellen. Auf diese Weise ist jeder Teilnehmer auf dem gleichen Informationsstand. Außerdem ergibt sich die Möglichkeit, auch außerhalb eines Termins, Status und Aufgaben zu aktualisieren oder nicht regelmäßig teilnehmenden Mitarbeitern einen Überblick zu geben.

Im vorliegenden Beispiel kann der Montageprozess für Maschinen Stück für Stück nachvollzogen werden, während alle Prozesspartner transparent über Ihren Status informieren können. Entstehende Aufgaben können auf der rechten Seite in einem abgegrenzten Bereich erfasst und mit Status versehen werden. In dem regelmäßig stattfindenden Termin wird das Management Board aktiv genutzt.

 

Abbildung 3: Problemkarten zur Erfassung von Störungen sind direkt am Board zu platzieren und bei Bedarf
Abbildung 3: Problemkarten zur Erfassung von Störungen sind direkt am Board zu platzieren und bei Bedarf

 

Schritt 4: Stellen Sie Regeln für Mitarbeiter und Board-Bedienung auf
Ein wesentlicher Erfolgsfaktor ist das Aufstellen und Einhalten von Regeln. Dies sollte durch einen Moderator kontrolliert werden.

Die wichtigsten Regeln sind:

  • Von der Terminstruktur wird nicht abgewichen.

  • Jeder Mitarbeiter muss sich vorbereiten.

  • Themen werden nicht im Detail diskutiert.

  • Es werden immer Vertreter einer Abteilung bzw. einer Prozessstufe entsendet.

 

Der Moderator hat gleichzeitig die Struktur im Blick und erfasst Aufgaben und fragt den Status für bereits erfasste Aufgaben ab. Dabei macht es Sinn, wenn der Moderator nicht selbst eine Funktion im Team erfüllt, er sollte den Termin objektiv leiten können.

Die Gestaltung des Management Boards richtet sich nach den Projektanforderungen und sollte ein zentrales Element im Regeltermin sein.

 

Projektbeispiel

Im hier gezeigten Beispiel wurde eine klassische Standplatzmontage innerhalb von 2 Wochen auf eine Linienmontage umgestellt. Dabei half das Managementboard nicht nur den Anlauf des Projektes zu sichern, sondern half auch beim kulturellen Wechsel und Verständinsaufbau der Mitarbeiter zu der neuen Montageart.

Folgende Herausforderungen galt es dabei zu bewältigen: Es mussten extern beschaffte, große Gussteile, Teile aus eigener Fertigung sowie komplexe Lohnfertigungsteile beschafft werden. Diese wurden in einen (vorher) klar heruntergebrochenen Montageprozess eingesteuert. Das Layout und die Logistikstruktur wurde in einem Vorprojekt festgelegt. Um den Überblick zu behalten, wurde das Management Board genutzt, auf dem die einzelnen Maschinen der Serie und deren derzeitiger Stand im Prozess abgebildet waren (siehe Bilder).

Im 2-mal täglich stattfindenden Steuerungstermin wurden zunächst Probleme aufgenommen, die seit dem letzten Termin auftraten, dann der Status bereits aufgenommener Probleme abgefragt, Aufgaben gemeinsam definiert und zum Schluss der Status jeder sich im Prozess befindlichen Maschine abgefragt. Diese Vorgehensweise ist einfach und ermöglichte einen erfolgreichen Projektverlauf.