Dipl.-Ing. Markus Schwarte

IPL-Magazin 41 | Oktober 2017 |

 

Im Interview mit Dipl.-Ing. Markus Schwarte, Geschäftsführer der ITT Bornemann GmbH

 

Herr Schwarte, ITT Bornemann ist Hersteller von hochwertigen Pumpensysteme am Standort Obernkirchen. Was sind die besonderen Herausforderungen im Unternehmen?

M. Schwarte: Wir bauen Pumpen und Pumpensysteme für den Oil- und Food-Sektor, die besonderen Anforderungen genügen müssen. Hohe Variantenzahl bei geringen Stückzahlen sind bei uns an der Tagesordnung. Ein Großteil unserer Pumpen sind kundenspezifisch und unter hohem Zeitdruck gefertigt. Das hat wiederrum zur Folge, dass wir an die Fertigung, Montage und insbesondere an die Logistik extreme Herausforderungen haben.


Ist das der Grund, warum Sie externe Berater einsetzen?

M. Schwarte:: Auch. Wir haben eine sehr gute Mannschaft, das Tagesgeschäft macht einen aber oftmals betriebsblind. Hier hilft uns die IPL Beratung, nicht nur Schwachstellen aufzudecken, sondern auch bei der Umsetzung zu unterstützen.


Also nicht nur Folien malen?

M. Schwarte: Im Gegenteil! Wir haben Projekte, die über Wochen und Monate laufen, in denen keine einzige Folie erstellt wird. Hier geht es um  schnelle Analysen und anschließende Umsetzung. Mit dem IPL haben wir einen Partner gefunden, der genau das macht.


Was heißt das konkret?

M. Schwarte: Die Einführung einer Fließmontage in meinem letzten Betrieb war so ein schönes Beispiel. Produktanalyse, Arbeitsplatzgestaltung und Montagestart – alles innerhalb kürzester Zeit. Das IPL hat den kompletten Prozess und die Einführung betreut. Es wurden Schulungen für Mitarbeiter durchgeführt, der Montageprozess aufgenommen, Zeiten ermittelt, die Montagelinie ausgetaktet und die gesamte Logistik dimensioniert und aufgebaut (sogar beim Aufbau der Regale hat uns das IPL mit Studierenden geholfen!). Bei der Einführung haben wir gemeinsam ein Shopfloor-System entwickelt, welches uns permanent auf einfachste Weise visualisiert hat, welche Anlage gerade in welchem Prozessschritt steht und wo es klemmt im gesamten Produktionsablauf – einschließlich der zu beschaffenden Teile! Die Kunst war es, das Ganze innerhalb weniger Wochen komplett umzustellen in einem Betrieb, in dem jahrelang in der Produktion nur das Nötigste verändert wurde. Moderne Produktionsabläufe und Lean Management waren damals nicht einmal in den Kinderschuhen!


Klingt nach viel Überzeugung der Mitarbeiter?

M. Schwarte: Anfangs ja, aber das bewältigt man nicht, in dem man im Besprechungszimmer sitzt und Folien anschaut! Mitarbeiter müssen verstehen, warum die Veränderung gemacht wird, sie müssen entsprechend geschult werden. Hier bietet das IPL mit den Schulungsmaßnahmen und Planspielen hervorragende Möglichkeiten, jeden mit ins Boot zu holen. Das ist was zum Anfassen, nicht nur zum Anschauen! Sowas überzeugt die Mitarbeiter! Das Produktionsleben spielt sich ja nicht in oder auf Powerpoint ab, sondern in der Fabrik. Und die hat im Sondermaschinenbau nicht gerade Reinraumbedingungen. Es darf sich niemand zu fein sein, auch mal dreckig zu machen.


Ist das nicht teuer, wenn der Berater auch viel operative Begleitung und sogar eigene Umsetzung macht?

M. Schwarte:: Natürlich! Aber ein Vorhaben auf Folien zu malen und dann nicht umzusetzen ist noch teurer. Sowas frustriert eigene Mitarbeiter auf Dauer viel mehr. Dinge anzufangen und dann nicht konsequent durchzuziehen.


Also teuer, aber es lohnt sich?

M. Schwarte: Klingt zwar flapsig, aber im Grundsatz ja, sofern wir bzw. ich die Projekte sorgsam auswähle(n). Es lässt sich aber nicht immer eine Amortisation in Euro berechnen. Soundsoviele Personentage des Beraters sparen mir soundsoviele Euro im Betrieb.


Das wäre doch aber das Ziel?

M. Schwarte: Es gibt viele Projekte, die sind nachhaltiger ausgelegt. Da geht es um Senkung der Durchlaufzeit, Verbesserung der Qualität, Erhöhung der Flexibilität, Optimierung der Schnittstellen zu Kunden usw. Das lässt sich nicht zwingend immer 1:1 in Euro umrechnen.


Können Sie hier ein konkretes Beispiel nennen?

M. Schwarte: Wir haben ein internes Projekt im Bereich der Administration gestartet, Prozessabläufe zu verbessern. Das beinhaltete Fehlerrate zu senken und Aufwand für Mitarbeiter zu reduzieren. Hierzu haben wir gemeinsam mit dem IPL die Prozesse analysiert, optimiert und ein Tool entwickelt, was die Prozesse nachhaltig unterstützt – das kam alles aus einer Hand. Gleichzeitig wurden die Schnittstellen zum Kunden dadurch verbessert und zukünftige Großprojekte, also große Pumpensysteme, können nun effizienter abgewickelt werden. Wir kennen zwar den externen und internen Aufwand, aber wie viel Euro wir dadurch besser werden, lässt sich sicher nicht einfach ausrechnen. Hier gab es kein riesen großes Konzept, sondern man hat gestartet, Mitarbeiter abgeholt und innerhalb von 8 Wochen das Ganze umgesetzt, inklusive der Softwareentwicklung.


Geht das Ganze wirklich ohne Planung oder hat hier auch der zeitliche Druck des Kunden geholfen?

M. Schwarte: Die Produktion steht immer unter einem besonderen Zeitdruck. Das macht ja auch gerade den Reiz aus. Heute wird vieles ‚überplant’: monatelange Analyse, dann nochmal ein Konzept, was mindestens genauso lange dauert und bis es dann zur Umsetzung kommt, vergeht oftmals 1 Jahr und mehr. Das ist für große Vorhaben, Planungen und Restrukturierungen absolut sinnvoll und das machen wir genauso. Bei Optimierungen in Teilbereichen – egal ob Produktivbereiche oder Administration – reichen häufig viel pragmatischere Lösungen.


Jetzt arbeiten Sie schon längere Zeit mit einem Berater bzw. mit einem Beratungsunternehmen zusammen. Würden Sie sagen, dass eine gewisse Kontinuität auch in Sachen externer Berater sinnvoll ist?

M. Schwarte: Die Mannschaft der IPL Beratung begleitet mich mittlerweile schon seit mehreren Jahren sehr erfolgreich und das auch über mehrere Unternehmen, in denen ich in den letzten Jahren als Produktionsleiter oder Geschäftsführer tätig war. Beratung ist ein Nasenfaktor. Natürlich muss eine fachliche Expertise vorhanden sein, aber wichtiger sind die Menschen, die das Ganze dann bei uns im Unternehmen vorantreiben.


Sie sprachen von einem Partner? Was ist das wichtigste bei so einem Partner?

M. Schwarte: Vertrauen - Ohne das geht es nicht. Hier spreche ich auch gar nicht mal von Geheimhaltungsvereinbarungen, die selbstverständlich sind. Sondern eher von dem Vertrauen, dass unsere Mitarbeiter und meine Kollegen den Beratern entgegenbringen. Hier war ich schon öfters erstaunt, wie auch sehr beratungsresistente Personen und langjährige Kollege sich plötzlich öffnen und sich in die Projekte einbringen.


Bringen Berater immer was?

M. Schwarte: Nein, ganz sicher nicht! Viele Dinge stoßen wir zwar gemeinsam an, aber machen wir dann doch selbst. Ich finde hier muss ich als Geschäftsführer oder als Verantwortlicher für die Produktion und Logistik klar differenzieren. Sonst ist auch der Berater irgendwann verheizt und hat auch die rosarote Unternehmensbrille auf! Bei manchen Projekten nutzen wir dann aber die Expertise in Form eines Coachings oder auch nur als Plausibilitätsprüfung.


Ein letzter Satz: Was sind wichtigsten Punkte für erfolgreiche Umsetzungsprojekte?

M. Schwarte: Dinge, die man anfängt, konsequent umzusetzen, frühzeitig die Mitarbeiter ins Boot holen und begeistern für die Projekte und Vertrauen in die Personen, die in dem Projekt mitwirken!


Vielen Dank für die Offenheit!

 



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Dipl.-Ing. Markus Schwarte,
Geschäftsführer,
ITT Bornemann GmbH

Industriestr. 2
31683 Obernkirchen