Kim Häring

IPL-Magazin 52 | Juli 2020 | Autor: Kim Häring

 

Wir müssen das Neue denken

 

Der 27.01.2019 teilt die aktuelle Zeitrechnung in Deutschland in eine Zeit ohne und mit COVID-19. Vor diesem Datum war es ein rein chinesisches (asiatisches) Problem. Nicht das erste Mal, und für uns, durch die Medien reißerisch hübsch aufbereitet, ganz weit weg. Doch dieses Virus hält sich nicht mehr an die „Spielregeln“. Es kommt in unsere Mitte, infiziert uns, wütet, tötet, nimmt uns die Freiheit zu tun und zu lassen, was wir wollen.

Das darf es doch gar nicht, oder? Unser Auftrag ist doch die ökonomische Wohlfahrt. Wir wollen Produkte und Dienstleistungen Entwickeln, Herstellen, Anbieten und Verkaufen/Kaufen. Dafür schaffen wir globale Märkte, die Interaktion von Produzenten und Konsumenten. Das ist das Spielfeld, auf dem wir agieren. Hier haben wir gelernt, den unternehmerischen Gewinn, und auch unseren persönlichen, zu maximieren.

Rückblickend gab es Mitte/Ende März kaum eine andere Wahl, als das öffentliche Leben in Deutschland und damit auch die Wirtschaft auszubremsen. Zu schnell breitete sich das Virus aus. Zu groß die Sorgen der Menschen vor einem unsichtbaren Gegner.

Ja, die aktuelle Corona-Krise lässt unsere Wirtschaft erzittern, stürzt aufgebaute Strukturen um und würfelt sie neu zusammen. Unser Spielbrett wird in Zukunft also anders aussehen. Weniger global? Sicher nicht! Wir müssen das Neue denken und eine Wirtschaft strukturieren, die weniger anfällig, weniger auf Kante genäht ist z.B. durch höhere Sicherheitsbestände, Second Source (regional/national) oder besser abgesicherte Produktionsnetzwerke und -strategien. Video-Konferenzen gehören doch inzwischen auch zum Alltag. Eine höhere Hygiene und den Sicherheitsabstand zu Anderen haben viele, schon aus Selbstschutz, für sich verinnerlicht.

Und eines ist auch klar: es wird ein nach Covid-19 geben. Darauf sollten wir uns vorbereiten. Als Menschen, als soziale Gesellschaft. Es wäre fatal, zu denken, dies sei die letzte Pandemie. Nehmen wir die gewonnenen Erkenntnisse und erhöhen unsere Chancen im Umgang mit zukünftigen Krisen: Besonnenheit, Weitsicht und Entscheidungen auf Faktenbasis werden dann unsere Erfolgsgaranten sein. Packen wir es an!

Und vielleicht überwinden wir es ja auch endlich, von anderen Kontinenten, Zivilisationen, Menschen als „ganz weit weg“ zu denken. Wir sind uns näher, als man meint. Wir brauchen einander. Denn wir sind alle Menschen!