Drucken
Matthias Miesbeck

IPL-Magazin 50 | Januar 2020 | Autor: Matthias Miesbeck

 

Der Umgang mit dem Hype?

Nach Jahren hoher Zuwachsraten und mit guten Geschäftsergebnissen und teilweise überproportionalen Gewinnen für die Unternehmen, scheint sich die Weltkonjunktur ein wenig einzutrüben, sofern man den Stimmen der Manager glauben schenken mag. Doch müssen wir immer gleich von Krise sprechen, wenn die Wachstumszahlen nicht mehr im hohen einstelligen oder sogar zweistelligen Bereich liegen? Müssen wir diesen negativen Hype durch unsere pessimistische Einstellung wirklich wieder einmal befeuern und unterstützen?

Eine neutrale Sichtweise auf die Tatsachen und das Vertrauen auf unsere Stärken eignet sich doch viel besser in diesen Zeiten. Wirtschaftskrisen sind fester Bestandteil unserer Geschichte und haben auch schon die Generationen vor uns beschäftigt und sie vor neue Herausforderungen gestellt. Der Unterschied zu früheren Zeiten liegt darin, dass unsere Gesellschaft zum einen viel konsum- und wachstumsorientierter geworden ist und dies auch durch die modernen Medien vollumfänglich verbreitet und gefördert wird. Wenn ein Unternehmen, aber auch jeder einzelne Mitarbeiter, keinen durchschlagenden Erfolg in kurzer Zeit erzielen kann, dann wird dies von der Gesellschaft als Misserfolg wahrgenommen und der Person bzw. dem Unternehmen umgehend eine schlechte Perspektive für die Zukunft zugesprochen. Bestehendes zu bewahren, sich von Zeit zu Zeit zu konsolidieren und sich auch nach großen Anstrengungen einmal ein wenig „auszuruhen“ und inne zu halten, wird gleichgestellt mit Stillstand.

Und Stillstand heißt im Umkehrschluss Rückschritt. Um jedoch langfristig erfolgreich zu sein und dabei alle Beteiligten mitzunehmen, bedarf es genau dieser Pause. Denn nur wer auch mal rastet, kann auch in Zukunft wieder gute Leistungen bringen. Wir haben uns vor allem in den letzten Jahren an hohe Wachstums- und Zuwachsraten gewöhnt. Der Mensch als Gewohnheitstier adaptiert daher sogleich diesen Zustand als gesetzt. Der drohende Verlust des Gewöhnlichen bringt uns dazu, einen Hype in negativer Form anstoßen, den es aber gar nicht bräuchte. Statt für einen Augenblick zu ruhen und das Positive an der stressfreieren Zeit zu sehen, verfallen wir in diesen negativen Aktionismus. In diesem Zusammenhang ist es wichtig, sich bewusst zu machen, dass es nicht immer höher, schneller, weiter gehen kann. Eine „schwarze Null“ am Ende des Tages ist nämlich auch ein Erfolg, den man darstellen sollte. Niedrigere Auftragseingänge bieten einem Unternehmen auch Chancen für die Zukunft: In Zeiten des stetig hohen Wachstums mit engen Terminen bleibt in der Regel keine Zeit, sich Abläufe und Prozesse anzusehen und die Mitarbeiter für die kommenden Veränderungen und geplante Innovationen abzuholen. Alle laufen am Anschlag und langfriste Themen werden auf die lange Bank geschoben.