Wolfgang Kloke

IPL-Magazin 45 | Oktober 2018 | Autor: Wolfgang Kloke

 

Zugegeben, Logistik ist ein weites und teilweise sehr schwierig zu beherrschendes Themenfeld.

Es reicht tief in die Zulieferkette von Unternehmen zurück und endet nicht einmal bei den Endkunden. Auch rückwärtig-gerichtete Logistikkanäle gewinnen zunehmend an Relevanz, da es hier nicht mehr nur Servicefälle abzuwickeln gilt, sondern insbesondere Retouren, die aufgrund von Test- oder Fehlkäufen entstehen.

Besonders schwer haben es die Logistiker, wenn die Variantenvielfalt im Produktportfolio oder die Anzahl der Partner in der Wertschöpfungskette steigt. Die so entstehende Komplexität bringt dann das Denkvermögen der Spezialisten an seine Grenzen. Um die Leistungsfähigkeit der Logistik dennoch auf einem gewohnt hohen Niveau zu halten, greifen Unternehmen auf immer aufwändigere Werkzeuge zurück. Gerade in Zeiten zunehmender Digitalisierung ist der Glaube an die Fähigkeiten moderner Simulations-, Planungs- und Steuerungssysteme grenzenlos. Und auch die mächtigen Softwarehäuser versprechen ihren Kunden viel: Bedarfsprognosen mittels „Big Data“, Materialflussrechnungen auf Knopfdruck oder hochautomatisierte Lagerverwaltungssysteme.

Ohne Zweifel erlauben viele der heute am Markt existierenden Logistik-Lösungen beeindruckende Ergebnisse, doch geht dies in den seltensten Fällen ohne umfangreiche Vorbereitungen, Investitionen (für Mittelständler oft ein beachtlicher Betrag) und Veränderungen bei Mensch und Technik.

Bevor sich Unternehmen also voreilig – von großen Versprechungen, Bequemlichkeit oder Ängstlichkeit geleitet – teure Software anschaffen, empfiehlt sich meines Erachtens zunächst ein Schritt zurück. Hilfreich ist zumeist, mit einer umfassenden Bestandsaufnahme der Logistik zu starten. Wo liegen die heutigen Stärken, wo gibt es Defizite, was sind die zukünftigen Bedarfe? Auf Basis dieser soliden Grundlage können tatsächliche Handlungsbedarfe identifiziert und die Notwendigkeit neuer Werkzeuge ermittelt werden. Auch vorbereitende Maßnahmen, wie etwa die Etablierung eines modernen Datenmanagements, werden auf diese Weise nicht vergessen.

Ich behaupte, viele logistische Herausforderungen erfordern zunächst einfach nur Sachverstand und logisches Denken. Aber genau das kommt vielen Menschen im teilweise sehr hektischen Arbeitsleben abhanden. Lieber wird auf vorgefertigte Methoden und Werkzeuge zurückgegriffen, anstatt von Symptomen auf Ursachen zu schließen und diese mit präzisen Eingriffen abzustellen.

Ich bin überzeugt davon, dass besonnenes Abwägen und rationales Handeln am Ende den Geldbeutel des Unternehmens schont, die Qualifikation und Zufriedenheit der Mitarbeiter fördert und die betriebliche Wettbewerbsfähigkeit voranbringt.