IPL-Magazin 33 | Oktober 2015 | Autor: Heiko Schwarz

Sicherheit und Profitabilität durch tool-gestütztes Supply Chain Risk Management

Heiko Schwarz

Unvermeidbare Risiken sind eine ständig lauernde Gefahr in unseren Lieferketten. Rückrufaktionen nicht nur in der Computer- oder Automobil-Industrie verdeutlichen unsere Abhängigkeit vom Funktionieren internationaler Lieferketten und Produktions-Verbände. Störungen oder gar Ausfälle in Supply Chains schaden dem wirtschaftlichen Erfolg und beeinträchtigen die Reputation von Unternehmen.

Moderne Unternehmen müssen sich daher tagtäglich vergewissern, unter welchen Umständen die Lieferanten und deren Vorlieferanten produzieren.

Ob sie von Unwettern, Überfl utungen, von Erdbeben oder Streiks bedroht sind, ob an den Standorten verbindliche -ethische, soziale und umwelttechnische Regeln vorhanden sind, und, und, und...




Wunsch und Wirklichkeit

Die Zurich Versicherung kommt bei den untersuchten Unternehmen in ihrer Studie „Strategic Risk, do not forget your Supply Chain“ zu dem Ergebnis, dass Unterbrechungen der Lieferkette zu gestiegenen Beschaffungskosten von 11 Prozent, zu einem Umsatzrückgang von 9 Prozent und einem gesunkenen Aktienkurs von 25 Prozent (Zweijahreswirkung) führen.


Unternehmen mit einem „Best in Class“ Supply Chain Risk Management(SCRM) zeichnen sich hingegen lt. Aberdeen mit einer verbesserten Lieferfähigkeit von 14 Prozent gegenüber den restlichen Unternehmen aus. Aus einer Störung der Lieferkette würden sie mit gestärkter Marktbedeutung her- vorgehen.


Dennoch werden laut Analysen von Gartner nur 10 Prozent der Unternehmen diesen eigenen Ansprüchen gerecht. Dabei ist es eine Tatsache, dass ein proaktives SCRM Unternehmen nicht nur Handlungsalternativen bietet, sondern sich darüber hinaus durch Optimierungen der Warenströme und Lieferanten mindestens budgetneutral oder sogar ertragssteigernd auswirkt!

Das gilt insbesondere dann, wenn SCRM voll automatisiert und benutzerfreundlich für die Anwender funktioniert, da nur so Akzeptanz und ein hoher Wirkungsgrad sichergestellt werden kann.

Ganzheitliche Risikobetrachtung und Toolunterstützung
Wie jedoch ist dies möglich? Heute gilt es ein umfangreiches Universum an Risiken hinweg über die gesamte, zumeist globale Lieferkette zu überwachen um die Lieferfähigkeit und Versorgung nachhaltig zu sichern. Zu beachten ist hierbei:

  • Betrachtung der gesamten Lieferkettenebenen
  • Überwachung von Lieferanten, Ländern, Standorten und Logistik-Knotenpunkten
  • Einbeziehen des gesamten Risikouniversums, wie z.B. Compliance, Qualität, Preisschwankungen (Lieferantenrisiken), Naturkatastrophen, Streiks (Standortrisiken) oder politische Risiken und Sanktionen (Länderrisiken)

Dies klingt nach einem ambitionierten Unterfangen, zumal Einkäufer und Supply Chain Manager mit ihrem Tagesgeschäft mit Ausschreibungen und Kostensenkungsprojekten bereits beschäftigt sind.

Die gute Nachricht ist jedoch, dass der in der heutigen Zeit von Big Data & Co. Tools existieren, welche die Ermittlung, die Bewertung sowie die Analyse von Risikodaten komplett übernehmen. Bei der Auswahl sind folgende Kriterien relevant:

  • Einbeziehung der 1- bis n-Tier Lieferantendaten
  • Automatisierte Integration der Risikoinformationen über interne und externe Datenquellen
  • Fortlaufende Aktualisierung der Daten
  • Analysemöglichkeiten für Risikoprävention
  • Frühwarnsystematik bei Risikoeintritt oder negativen Indikationen
  • Identifizierung des Schadensausmaßes
  • Benutzerfreundlichkeit und intuitive Nutzung

Mit Hilfe einer prozessgestützten Supply Chain Risk Management Lösung (wie der SaaS Lösung „Supply Risk Network“ von riskmethods) ist es mit all diesen Kriterien möglich, den gesamten Prozess von der Risikoanalyse und Risikobewertung über die Ermittlung des Schadensausmaßes bis hin zur Definition von Maßnahmen und Notfallplänen abzudecken.
 
Frühwarnsystem und latente Risiken
Bei der Risikobewertung und -überwachung kann ein SCRM-Tool auf zwei Arten genutzt werden: Einerseits als Frühwarnsystem welches stets rechtzeitig vor Bedrohungen jeglicher Art warnt und dazu dient mit entsprechenden Maßnahmen auf einen Schadensfall zu reagieren.

Andererseits für „latente Risiken“ wie z.B. Lokationsrisiken (politische oder wirtschaftliche Gegebenheiten oder Exponierung gegenüber Naturgefahren) um beispielsweise Lieferanten oder Lokationen idealerweise schon in der Geschäftsanbahnung zu bewerten, zu analysieren und zu vergleichen – und zugleich bei bestehenden Lieferanten präventive Maßnahmen für den Risikofall festzulegen.

Das Zusammenspiel aus einem Frühwarnsystem zur Verminderung des Schadensmaßes im Eintrittsfall sowie Analysen zur Risiko-Prävention sind Basis eines professionellen Risikomanagements.

Bewertung des Schadens und Maßnahmenplanung
Um im Risikofall gerüstet zu sein, ist es notwendig das Schadensausmaß zu kennen. Ein SCRM-Tool kann im Risikofall direkt Auskunft über das jeweilige Schadensausmaß geben und liefert darüber hinaus umfangreiche Analysemöglichkeiten über die Kritikalität und Abhängigkeit von Lieferanten.

Dies bietet eine Grundlage und Entscheidungshilfe, bei welchen Lieferanten Handlungsbedarf hinsichtlich risikovermeidender oder - vermindernder Maßnahmen besteht – sowie die Möglichkeit im Ernstfall schnell handlungsfähig zu sein.

Strategische Aufgabe
Die Risikobewertung und -überwachung weltweiter Lieferketten, Supply Chain Risk Management (SCRM), sichert nicht nur die Produktions- und Lieferfähigkeit von Unternehmen ab. Sie ist auch ein Garant für die Wirtschaftlichkeit von Unternehmen und erhöht die Stabilität ihrer Börsennotierung. Investitionen in SCRM wirken sich positiv auf die Lieferstrukturen auch jenseits der Tier-1 Lieferantenbeziehungen aus.

Sie bewahren vor Preissteigerungen im Krisenfall durch zeitnahe Informationen, sichern den Umsatz und schützen nicht zuletzt die Reputation des Unternehmens selbst. Außerdem kann SRCM Versicherungskosten (CBI) senken und sich schon nach einem Jahr amortisieren. Einkäufer und Supply Chain Manager haben die Chance, eine Schlüsselrolle im Unternehmen darzustellen und sich als wichtiger strategischer Partner für den gesamten Unternehmenserfolg und die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens zu positionieren.

 riskmethods Supply Risk Network | Bild-Quelle: Heiko Schwarz