IPL-Magazin 16 | Juli 2011 | Autor: von Alexander Ramsperger, Geschäftsführer von Budgetconsult


„Global Excellence steht Lokal Excellence voraus. Die Logistik muss Teil einer globalen Strategie sein, sie ist aber nicht ihr Treiber. Hier dargestellt sind einige Optionen, die aber keinesfalls das mögliche Spektrum abdecken." 

 
Alexander Ramsperger, BudgetconsultWelche Bedeutung und Konsequenz hat eine global ausgerichtete Unternehmensstrategie für die Logistik?

Zunächst kann festgehalten werden, dass die Logistik seit jeher eine globale Disziplin ist. Bei ihr geht es um die Raum-/ Zeitüberwindung von Gütern und auch immer schon um einen begleitenden bzw. vorauseilenden Informationsfluss. Über die Jahre oder besser Jahrhunderte haben sich natürlich die Techniken wesentlich verändert und verfeinert.

Es gibt vielfache Belege dafür, dass sich unsere Lebensräume durch moderne Kommunikationsmöglichkeiten, aber auch durch Liberalisierungstendenzen weiter verdichten und Zeitrestriktionen noch enger gefasst werden. DHL war im Ursprung beispielsweise ein Service der Fracht- und Zolldokumente überseeischer Importe den Schiffen vorausgeflogen hat  - davor kamen diese mit der Ware an und heutzutage werden sie oft schon elektronisch übermittelt. Für eine effizientere Raumüberwindung hat ein anderes Unternehmen, FedEx, das Hub-and- Spoke-System etabliert, Nacht für Nacht zu bestaunen in Memphis/Tennessee.


Heute funktionieren viele Netzwerke nach dieser Logik - eine Logik übrigens, die sich auch Unternehmen selbst für ihre Beschaffungs- und Distributionsstrategien zu eigen machen - Stichwort: Verteilzentren, Crossdocking.

Global Footprint Design

2004 klassifizierten Roland Berger Strategy Consultants in einer Studie 4 grundsätzliche Globalisierungstypen:

  1. Standort Deutschland-Wertschöpfer - fokussiert auf deutsche Entwicklungs- und Forschungssandorte; bedienen aus heimischen Werken westeuropäische und ausgewählte globale Kunden
  2.  

  3. Regionale Kostensenker - verlagern lohnkostenintensive Fertigungs- und Montageschritte in Niedriglohnländer Osteuropas bzw. Ostasiens
  4.  

  5. Globale Markterschließer - bedienen wichtigste Weltmärkte aus lokalen Fertigungs- und Vertriebsstandorten
  6.  

  7. Global Footprint Champions - wählen für jede Unternehmensfunktion den optimalen Standort und bündeln Ressourcen effizient in einem globalen Netzwerk
     
Welche Auswirkungen haben die einzelnen Typen auf die Logistik?

Überraschenderweise sind die Auswirkungen gar nicht so gravierend. Wer genau hinsieht erkennt, dass Logistiker bereits heute auf lokaler, regionaler und globaler Ebene agieren. Zumindest was den Transportteil  angeht stehen flächendeckende Netzwerke auf all diesen Ebenen zur Verfügung. In den meisten Regionen gibt es Anbieter, die Mehrwertdienstleistungen über den Transport hinaus offerieren, z.B. für Qualitätskontrollen, Purchasing Order Management (POM), labeln, kommissionieren, lagern - verpacken, behandeln oder verteilen.

Global Excellence setzt Local Excellence voraus und benötigt zudem ein strategisch und methodisch abgesichertes Vorgehen. Den Unterschied machen die Entscheidungen nach Evaluierungen zwischen Organisation und Planung, Entscheidungen auf Grundlage prognostizierter Leistungsfähigkeit, notwendiger Flexibilität und ausbalancierten Kosten.

Die Entscheidungen sind regelmäßig zu überprüfen und nötigenfalls zu korrigieren. Input hierzu kommt von der Planungsebene bzw. der Exekutive - siehe Abb. 1.
Es handelt sich um einen klassischen Prozess, der sich aufgrund von Datenmengen, sich ändernder Einflussfaktoren aber vor allem wegen der Dynamik hochkomplex sein kann. Im globalen Kontext ist die Dimension ja nicht eine Lieferkette sondern viele, die sich zu einem Netzwerk verbinden.

 

Abb. 1.
 


Methodenkompetenz und Tools müssen unterstützen

Sind sich die Stakeholder über die Szenarien einig, kann die Logistikmit der Planung (dem Supply Chain Planning) beginnen. Vor allem braucht man Daten, Daten, Daten und einen Prognose-Rahmen für alternative Szenarien.

Mittels  dem Supply Chain Operations Reference-Modell (SCOR) kann man auf Level 1 und 2 einfache Modelle im Unternehmen angehen. Im Level 1  werden Umfang und beteiligte Partner bestimmt, im Level 2 die Kernprozesse konfiguriert und visualisiert, auch geographisch. (Abb.:2)

Sprechen wir von globalen und komplexen Themen, werden Tools zur Unterstützung benötigt. Hier empfiehlt sich in der Regel der Einsatz externer Berater und Tooloperator, die diese spezielle Software beherrschen.

Man unterscheidet grundsätzlich zwischen Analyse und Simulationstools (Anwendung im SC Design), die temporär benötigt werden und solche, die im laufenden Betrieb anzuwenden sind, angesiedelt im SC Planning und SC Execution, meist Bestandteil von ERP-Systemen oder Applikationen.

Chancen nutzen

Logistiker denken heute schon in Wertschöpfungsketten, in unternehmensübergreifenden Dimensionen. Sie haben somit bereits viele Voraussetzung ihr Unternehmen auf dem Weg zum erfolgreichen Global Footprint Champion zu unterstützen. Logistiker rechnen realistisch und seriös, sind kundenorientiert nach innen wie nach außen. Wenn eine Unternehmensstrategie diskutiert, festgelegt oder geändert wird gehören die Logistiker an den Tisch.

Grenzen der Logistik in Fragen der Unternehmensstrategie, dem Global Footprint


Nach heutiger Lehre richten sich ein Unternehmen am Absatzmarkt, an den Kunden aus.  Die Logistik unterstützt die Beschaffung, Produktion und Distribution in Industrie und Handel bei diesem Bestreben - das  ist ihre Aufgabe. Sie ist also Teil der Strategie nicht aber Strategie selbst.

 
Abb. 2.
 


Kontakt zum Autor:

Alexander Ramsperger
Geschäftsführer von Budgetconsult

Ein auf Einkauf und Logistik spezialisiertes Beratungsunternehmen

Kooperationspartner der I-P-L Beratung

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