IPL-Magazin 08 | Juli 2009 | Autor: Dr. Tilo Bobel (Assistent des Vorstands, LOXXESS AG) und Markus Ehmann (IPL)

In Zusammenarbeit mit dem Institut für Produktionsmanagement und Logistik (IPL) führten Master-Studenten an der Hochschule München die Visualisierung, Simulation und Optimierung einer Kommissionieranlage der LOXXESS AG durch. 
 

Dr. Tilo BobelIm Rahmen der Vorlesung "Digitale Fabrikplanung" wurde den Gruppen eine konkrete Herausforderung aus der Praxis der LOXXESS AG an ihrem Standort in Bor, Tschechien gestellt.

Die LOXXESS AG ist ein familiengeführtes und unabhängiges, mittelständisches Unternehmen mit Hauptsitz am Tegernsee. Der Fokus der Dienstleistungen liegt auf lagerlogistischen Kontraktlogistik-Projekten, insbesondere der Planung, dem Betrieb und der Optimierung wie auch der Bauplanung, -durchführung und - finanzierung von Logistik-Zentren in Deutschland, Tschechien und Polen. Das Selbstverständnis der Gruppe ist es, ein netzunabhängiger Kontraktlogistiker zu sein,  welcher individuelle Lösungen gemeinsam mit seinen Kunden erarbeitet und auf eine dauerhafte Zusammenarbeit ausrichtet. Das Leistungsspektrum der LOXXESS AG beinhaltet dabei die Optimierung, Koordination und Steuerung der Logistik-Prozesskette, Added-Values (Mehrwertdienstleistungen) durch Funktionen wie bspw. Verpackung, Beilagen, Labeling und Branding, Set Bildung, Montagen, etc., sowie die Erbringung von Fulfillmentlösungen in Verbindung mit der Erstellung von e-Business-Lösungen zur Verbesserung von Beschaffungs-, Vertriebs-, Marketing- und Serviceprozessen.


Am Standort in Bor, Tschechien, erbringt die LOXXESS Medienlogistik GmbH - als Tochter der LOXXESS AG - komplexe Logistikdienstleistungen für namhafte Kunden aus dem Bereich Media Products and Consumer Electronics, wie bspw. Sky (vormals Premiere), Telecolumbus oder Samsung. Kern der kontraktlogistischen Aktivitäten ist dabei die ganzheitliche Beschaffungs- und Distributionslogistik von Medienprodukten. Die Palette der Versandware reicht von Receivern über Smartcards und Common-Interface-Modulen bis hin zu Zubehör und POS-Werbemitteln.


LOXXESS kümmert sich dabei beispielsweise um die komplette Smartcard- und Receiverlogistik der Premiere AG, von A wie Angebot bis Z wie Zustellung. Dies bedeutet konkret, dass in Bor für Kunden aus dem B2B-Bereich (z.B. elektronische Großhändler wie Media Markt oder Saturn) wie auch aus dem B2C-Bereich (Direktkunden, Hotels etc.) spezielle Media-Pakete mit Receivern und dem dazugehörigen Material (Smart-Cards, Anschlusskabel, Werbematerial, Bedienungsanleitung, Fernbedienungen, Zeitschriften etc.) gelagert, kommissioniert, konfektioniert und europaweit distributiert werden (siehe Abb. 1).
 

 

 

Abb. 1: Media-Paket als Kontraktlogistik-"Objekt" | Bildquelle: Dr. Tilo Bobell, LOXXESS AG.
 

Markus EhmannDie Herausforderung in der Kontraktlogistik im Medienbereich liegt insbesondere in der Kommissionierung und Konfektionierung der oben beschriebenen Einzelteile in einem Media-Paket. Mit über 2.000.000 kommissionierten und konfektionierten Paketen im Jahr ist eine logistische Fabrikplanung basierend auf effizienten und schlanken Prozessen Grundstein für den unternehmerischen Erfolg der LOXXESS AG. Dabei bedient sich LOXXESS unterschiedlicher Kommissionierstrategien am Standort Bor, abhängig vom jeweiligen Teilespektrum und Auftragsfluss (Siehe Abb. 2).

Die konkrete Aufgabenstellung an die Master-Studenten bestand in der Visualisierung der bestehenden Kommissionierung und Konfektionierung, der Darstellung und Überprüfung des logistischen "Flusses", der Identifizierung von Schwachstellen und "Bottlenecks", der Ableitung von Handlungsempfehlungen und Verbesserungsvorschlägen sowie in der Simulation von Worstcase und Bestcase-Szenarien für die LOXXESS AG.
 

 

Abb. 2: Layout Konfektionierung LOXXESS Bor | Bildquelle: Dr. Tilo Bobell, LOXXESS AG.
 

Zur Darstellung und Simulation der Abläufe wurde dabei AutoMod verwendet, wie es vom IPL auch für ähnliche Projekte eingesetzt wird. Damit können die Abläufe und Prozesse in der geplanten Fabrik nicht nur dargestellt und veranschaulicht werden, sondern auch konkrete Schwachstellen identifiziert und vor der Realisierung optimiert werden.

Ansätze für potentielle Bottlenecks in der bereits vorhandenen Anlage in Bor wurden identifiziert und Empfehlungen zur optimalen Ausnutzung der Ressourcen unter Auswertung der Zieldaten, wie zum Beispiel Auslastung, Durchlauf- und Wartezeiten, konnten gegeben werden. Problemstellen wurden dabei sowohl anhand grafischer Beobachtung, als auch durch Auswertung der Zielgrößen identifiziert.

Durch verschiedene Experimente mit veränderten Parametern in den erstellten Modellen konnten anschließend die Lösungsansätze getestet und iterativ validiert werden. Ohne die technischen und wirtschaftlichen Konsequenzen von Versuchen an der realen Anlage war somit der Kreativität bei der Optimierung keine Grenze gesetzt. Die daraus resultierenden Empfehlungen reichen von einer verbesserten Auslastung der Mitarbeiter und der Anlage, über die Bestimmung der maximalen Kapazität bis hin zur Simulation des wöchentlichen Mitarbeiterbedarfes mit dem fertiggestellten Modell.

Die Ergebnisse der gemeinsamen Zusammenarbeit von Hochschule und Praxis nutzt die LOXXESS AG, um Prozesse und Abläufe an ihrem Standort in Bor zu überprüfen und zu hinterfragen, um im Interesse seiner Kunden permanent für Optimierungen und Innovationen in den wachsenden Strukturen zu sorgen.

Grenzen der Simulation sieht LOXXESS insbesondere in der tatsächlichen Praxis-Tauglichkeit: Eine Optimierung nur auf Grundlage von quantitativen Daten und Simulationen, die wiederum nur beispielhaft als Ausschnitt aus einem kleinen Zeitfenster stammen, ist nach Ansicht von LOXXESS nicht zielführend. Für das tatsächliche Verständnis der logistischen Abläufe ist es immanent wichtig und unabdingbar, die Prozesse vor Ort qualitativ zu untersuchen, die Modelle dementsprechend anzupassen und laufend aktuelle Daten zu erheben und ins Simulations-Tool einzuspeisen.

Daher ist es gemeinsames Ziel von LOXXESS und dem IPL die Zusammenarbeit fortzusetzen und auszuweiten, um in weiteren Projekten die Logistik-Zentren zu untersuchen und den logistischen Fluss weiterhin zu verbessern. Dadurch können beide Seiten voneinander lernen und sich gegenseitig inhaltlich befruchten: LOXXESS profitiert vom Know-how der Hochschule und die Hochschule wiederum kann anhand von Praxisdaten das spannende Feld der digitalen Fabrikplanung anwendungsorientiert erforschen.

 

Abb. 3: Simulationsmodell der Kommissionieranlage | Bildquelle: Dr. Tilo Bobell, LOXXESS AG.

 



Kontakt zum Autor:

Dr. Tilo Bobel
Loxxess AG

Wasserburger Landstraße 133
81827  München

Telefon geschäftlich: +49 (89) 255476 - 14

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