IPL-Magazin 05 | Oktober 2008 | Autor: Tobias Kaiser (IPL)












Tobias Kaiser (IPL)Als Nahtstelle zwischen der Lagerfunktion und der Distribution ist die Kommissionierung ein zentraler Baustein der innerbetrieblichen Logistik.
Unter Kommissionierung versteht man laut Schuler das Zusammenstellen bestimmter Teilmengen (Artikel) aus einer bereitgestellten Gesamtmenge(Sortiment) aufgrund von Bedarfsinformationen [1]. Der Kommissionierprozess setzt sich aus den Teilsystemen Informationsfluss, Materialfluss und Organisation zusammen [2].  
 
Da 60 bis 65 % der Gesamtkosten und 50 bis 60 % des Personaleinsatzes [3] in einem Lager auf die Kommissionierung entfallen, ist die Auswahl des optimalen Kommissioniersystems von entscheidender Rolle. Bei der Auswahl geeigneter Kommissioniersysteme muss mit größter Sorgfalt vorgegangen werden, da es kaum allgemeingültige Lösungsansätze oder branchenübergreifende „Patentlösungen“ gibt. Bei einem Handelsunternehmen mit europaweiten Lägern werden sicherlich andere Anforderungen an ein Kommissioniersystem gestellt, als bei einem Produktionsunternehmen mit nur einem Standort.
 

Schon seit Jahren hält die Automatisierung zur Optimierung von Prozessschritten in der Kommissionierung Einzug. Auf der diesjährigen CeMAT in Hannover konnte man eine Vielzahl von Lösungen für die automatisierte Materialzuführung an die Kommissionierplätze bis hin zu autarken Kommissionierrobotern bewundern. Die Anschaffung von automatisierten Lösungen ist aber aufgrund der hohen Investments nur wirtschaftlich, wenn die Anlage mit einem hohen Durchsatz und einer möglichst konstanten Auslastung betrieben wird.
 

Für Unternehmen mit starken saisonalen Schwankungen in den Bedarfen ist es wesentlich wirtschaftlicher auf konventionelle Kommissioniersysteme mit einem geringen Automatisierungsgrad zu setzen, da diese wesentlich flexibler und auch schon bei niedrigeren Auslastungen rentabel sind.
 

Abb. Graphik: Prozentualer Anteil der Tätigkeiten in einem Warenverteilzentrum (Beispiel) [4]]

 

Die individuelle Analyse der Kommissionieraufgaben bestimmt somit die Auslegung der Teilsysteme (Informationsfluss, Materialfluss, Organisation) des Kommissionierprozesses und den sinnvollen Automatisierungsgrad. Dabei müssen alle relevanten Parameter (Produkt- und Verpackungseigenschaften, Auftragsstruktur, räumliche Gegebenheiten, etc.) mit berücksichtigt werden.
 

Noch heute setzen die Hälfte der Anwender auf manuelle Kommissionierlösungen. Dies hängt vor allem mit den sensomotorischen Fähigkeiten des Menschen, seiner Flexibilität und seiner Lernfähigkeit zusammen. Auch die Faktorkosten gegenüber Kommissionierautomaten spielen eine Rolle. Dabei kann der Mensch durch technische Hilfsmittel bei seinen Tätigkeiten entlastet werden.
 

Neben dem Materialfluss spielt vor allem die Gestaltung des Informationsflusses eine immer wichtigere Rolle. Der Informationsfluss wird in die Teilprozesse Auftragserfassung, Auftragsbearbeitung, Weitergabe des Auftrags und Quittierung unterteilt. Die Weitergabe der Informationen erfolgt grundsätzlich papierbehaftet oder beleglos. Vor allem zur Vermeidung von Kommissionierfehlern und zur Erhöhung der Kommissionierleistung und –flexibilität setzen die Unternehmen verstärkt auf die beleglose Kommissionierung. Dabei kann auf verschiedene Technologien zurückgegriffen werden, von denen die Wichtigsten im Folgenden kurz vorgestellt werden. [5]
 

Pick-by-Light, Pick-by-Voice
Anhand von akustischen oder visuellen Signalen werden dem Kommissionierer angezeigt, welche Artikel in welchem Umfang zu einem Kommissionierauftrag zusammengefasst werden sollen. Bei Pick-by-light sind die Anzeigegeräte meistens fest an dem jeweiligen Lagerfach installiert, wohingegen der Kommissionierer bei Pick-by-Voice die Informationen über ein mobiles Headset erhält.
 

    
                               Abb.2 : Pick-by-Light                                         Abb. 3: Pick-by-Voice     

 

Pick-by-Vision
Abb. 4: Pick-by-VisionEine Weiterentwicklung der oben genannten Kommissionierhilfen stellt Pick-by-Vision dar, das erst in ein paar Jahren die Marktreife erreichen wird. Bei diesem Verfahren können in eine Datenbrille alle benötigten Informationen für den Kommissioniervorgang eingeblendet werden. Damit wird es möglich sein, dass sich ein Lagermitarbeiter auch ohne die Kenntnisse der räumlichen Gegebenheit in einem Lager zurechtfindet.
 

Eine immer wichtigere Rolle bei der beleglosen Kommissionierung spielt auch die korrekte Identifikation der Güter. Dabei sind schon seit ein paar Jahren Identtechnologien wie verschiedene 1D- und 2D-Barcodes im Einsatz. Der Einsatz von RFID-Technologie konnte sich bis heute noch nicht durchsetzen, da noch nicht alle technischen Probleme gelöst sind.
 



 

Quellen:
[1] Schulte C. (2004); Logistik 4. Auflage; München (Vahlen) 2004 [2] o. V. (1994); VDI Richtlinie 3590 Blatt 1 u. 2; Berlin (Beuth) 1994—[3] o. V. (9/2008); Automatisierte Kommissionierung für Leseratten, in: Food Technologie Magazin, Nürnberg—[4] Fachschaftsrat Wirtschaft (9/2008); http://www.asta.fh-hildesheim.de/fsr/w/Ihme%20-%20Distributions-1.ppt—[5] Gliesche M., Haag J. (9/2008), Kommissionierung par excellence, in: Elogistics Journal,
http://www.elogistics-journal.de/archiv/2007/8/1120/Gliesche.pdf