IPL-Magazin 27 | April 2014 | Autor: Prof. Dr. Klaus-Jürgen Meier


Die Auswahl an Schulungen, Tagungen und Kongressen ist überwältigend.

Täglich landen auf den Schreibtischen und in den Maileingangsordnern eine große Anzahl an Angeboten von unzähligen Anbietern.

Prof. Dr. Klaus-Jürgen Meier

Unstrittig ist zwar, dass nur die Unternehmen sich kontinuierlich weiterentwickeln und ihre Wettbewerbsfähigkeit steigern können, deren Mitarbeiter kontinuierlich auf dem aktuellen Stand der methodischen und fachlichen Erkenntnisse sind. Unternehmen, deren Mitarbeiter über einen langen Zeitraum keine Weiterbildung besucht haben, lassen deswegen häufig auch jede Dynamik vermissen. Sie beharren teilweise selbstzufrieden in einem Status Quo bis das Unternehmen spürbar ins Hintertreffen gegenüber seinen Wettbewerbern gerät. Doch ist der Umkehrschluss zutreffend? D.h., jeder Mitarbeiter kommt aus einer Weiterbildung mit zahlreichen neuen Impulsen zurück und setzt diese erfolgreich im Unternehmen um? Offensichtlich stimmt auch dieser Umkehrschluss nicht. Hierbei ist kein Unterschied erkennbar zwischen hochpreisigen Managementseminaren oder günstigen Standardschulungen.

Was macht also den Erfolg einer Weiterbildungsmaßnahme aus? Erfolgreich ist eine Weiterbildung aus Sicht eines Unternehmens dann, wenn sie in der Folge zu einer Verbesserung im Unternehmen führt. Die Verbesserung kann dabei unterschiedlicher Natur sein.

So kann eine Maßnahme beispielsweise fachliche, technische oder methodische Inhalte vermitteln. Oder es stehen andere Belange im Vordergrund, wie z.B. das Networking zum Aufbau von Kooperationen oder zur Akquise Letzteres erklärt, weswegen auch Kongresse durchaus als erfolgreich zu bewerten sind, die erkennbar zweitklassige Fachbeiträge präsentieren.

Ob der Besuch einer Weiterbildung Aussicht auf Erfolg hat, bestimmen mehrere Faktoren. Maßgeblich ist die Klarheit über die Zielsetzung, den passenden Inhalten einer Veranstaltung, die Form der Weiterbildung und den Umsetzungsprozess nach Durchführung der Maßnahme.


Abbildung 1: Unternehmen und Anbieter müssen bei der Gestaltung einer Weiterbildungsmaßnahme eng zusammenarbeiten, um diese zu einem nachhaltigen Erfolg zu führen.

Damit wird offensichtlich: Ob eine Weiterbildung überhaupt erfolgreich sein kann, bestimmen das entsendende Unternehmen und der Weiterbildungsanbieter zu gleichen Teilen – s. Abb. 1. Angebote, welche eher willkürlich ausgewählt werden, weisen daher nur eine geringe Erfolgsaussicht auf. Dies ist zum Beispiel dann der Fall, wenn die Maßnahme spontan und pflichtgemäß im Rahmen des jährlichen Mitarbeitergesprächs eingesetzt wird oder einen ‚Incentive-Charakter‘ hat.

Auch der häufig nicht definierte Umsetzungsprozess nach Durchführung einer Maßnahme kann als maßgebliche Ursache für einen ausbleibenden Erfolg angesehen werden. Mitarbeiter werden nach Rückkehr an ihren Arbeitsplatz vom Tagesgeschäft eingenommen und fallen zurück in die althergebrachten Arbeitsweisen, ohne die neue Erfahrungen einzubringen. Die Inhalte einer Weiterbildung geraten damit schon nach kurzer Zeit in Vergessenheit. Es bleiben die Kosten für das Unternehmen, während der Nutzen infrage zu stellen ist.

Die 4 Dimensionen einer Weiterbildung:
Zielsetzung – Inhalt - Form - Umsetzungsprozess


Die Grundlage für eine später erfolgreiche Umsetzung des erlernten Wissens wird bereits mit der Zielsetzung gelegt. Ist den teilnehmenden Mitarbeitern die Zielsetzung vorab nicht bekannt, so kann die Anwendung der Schulungsinhalte von den Teilnehmern nicht erwartet werden. Dabei bedeutet Zielsetzung mehr, als nur Neues zu lernen.

Die Zielsetzung muss klar für den Mitarbeiter erkennbar machen, was er mit den Schulungsinhalten nach Abschluss der Weiterbildung bewirken soll und welche Rahmenbedingungen (z.B. Zeit und Ressourcen) er dafür erhält.
 
Damit bekommt die Durchführung einer Weiterbildung den Charakter eines Projekts mit definiertem Ziel, Start, Realisierung und Ende. Ein begleitendes Projektcontrolling überprüft während des gesamten Prozesses konsequent die Zielerreichung. Je besser die Inhalte einer Schulung sich mit den Zielsetzungen des Unternehmens decken, umso leichter kann der Teilnehmer die Umsetzung im Anschluss vornehmen. Insbesondere Standardseminare aus Weiterbildungskatalogen und Flyern liefern eine inhaltliche Beschreibung, die deswegen von großer Bedeutung bei der Auswahl eines Seminars sind.

Zumeist sind gerade diese Beschreibungen aus Platzgründen jedoch sehr kurz gehalten und lassen einen großen Spielraum bei der Interpretation der angebotenen Schulungsinhalte. Da Standardseminare zudem die Bedürfnisse aller Teilnehmer befriedigen müssen, ist die Deckung zwischen Inhalt und Bedarf eines einzelnen Teilnehmers oft nur eingeschränkt gegeben. Spezifische gestaltete Weiterbildungen für ein Unternehmen bieten eine deutlich verbesserte Ausgangssituation. Hier lassen sich Inhalte und Bedarf zu vollständiger Deckung bringen.

Neben den Inhalten ist auch die Form der Weiterbildung der Zielsetzung anzupassen. Weist beispielsweise das Networking die höchste Priorität auf, so sind möglichst hohe Zeitanteile zum Austausch mit anderen Teilnehmern erforderlich. Fachliche und methodische Schulungen sollten zahlreiche Beispiele und Übungen aufweisen.

Je näher sich diese an der Zielsetzung orientieren, desto leichter fällt den Teilnehmern die Anwendung im Tagesgeschäft. Im Idealfall werden die Inhalte an Beispielen trainiert, die unmittelbar aus dem Tagesgeschäft entnommen sind. Die Weiterbildung erhält dann den Charakter eines Workshops bzw. Projekt-Kick-off und bietet die Chance, die Ergebnisse nach Abschluss der Maßnahme nahtlos weiterzuführen.

Der Umsetzungsprozess schließt an die eigentliche Weiterbildung an. In dieser Phase muss der Teilnehmer von dem Unternehmen unterstützt und gefördert werden, die erlernten Inhalte anzuwenden. Dies fällt umso leichter, je größer auch jetzt noch der Austausch mit den Trainern oder anderen Teilnehmern ist.

Ist der Trainer also noch verfügbar oder haben weitere Kollegen an der Schulung teilgenommen, so besteht eine Plattform, in der Probleme bei der Umsetzung diskutiert und schnell überwunden werden können.

Abbildung 2: Nicht nur Inhalt und Form einer Weiterbildung sollten zwischen Unternehmen und Anbieter von Weiterbildungsmaßnahmen abgestimmt werden. Je enger die Verzahnung in allen Dimensionen ist, desto größer ist die Erfolgsaussicht.

Verzahnung in allen Dimensionen erhöht die Erfolgsaussicht


Anhand der vorstehenden Erläuterungen wird deutlich, dass alle beteiligten Parteien an einer Weiterbildungsveranstaltung auch eine Mitverantwortung bei der Erfolgsaussicht tragen. So ist das entsendende Unternehmen nicht nur für die Auswahl des Weiterbildungsanbieters zuständig, sondern mindestens auch für die Zielsetzung und für die Schaffung eines geeigneten Umfelds im Rahmen der anschließenden Umsetzung.

Liegen dem Weiterbildungsanbieter Informationen über die Zielsetzung vor, so hat er die Aufgabe, Inhalte und Form der Schulung aktiv mitzugestalten. Unternehmensspezifische Weiterbildungen bieten dazu mehr Flexibilität als Standardseminare und geben darüber hinaus die Möglichkeit, die Zusammenarbeit auf alle Dimensionen auszuweiten (s. Bild 2). Erfahrungsgemäß liegen auch die Kosten unternehmensspezifischer Weiterbildungen nicht über den Kosten von Standardseminaren. Damit stellen spezifische Weiterbildungen eine Option nicht nur für Konzerne, sondern auch für KMUs dar.

Es erhöht sich die Erfolgsaussicht einer Weiterbildung deutlich. Insbesondere in Zeiten des demografischen Wandels, gewinnt eine kontinuierliche Anpassung des individuellen Wissens an Bedeutung. So sind gerade ältere Mitarbeiter gezwungen, ihre Kenntnisse laufend an den aktuellen Stand der Technik anzupassen und das neu erworbene Wissen anzuwenden.

Um erfolgreich zu sein, müssen sie von den Unternehmen und Weiterbildungsanbietern gemeinsam und intensiv unterstützt werden. Im Vermögen, das in den vier dargestellten Dimensionen zu gewährleisten, unterscheiden sich die zahlreichen Weiterbildungsanbieter erheblich und die Vielfalt an Angeboten sinkt auf ein überschaubares Maß.