IPL-Magazin 22 | Januar 2013 | Autor: Dipl.Wirtschaftsing. Markus Ehmann

Dirk Haschke ist Geschäftsführer der mad geniuses GmbH, einem international tätigen Softwareunternehmen, das sich auf die Entwicklung von Software für den internetbasierten Versandhandel spezialisiert hat.

 

IPL: Evolution im Lager ist das Thema dieser Ausgabe des IPL-Magazins. Auf welche spannenden Projekte sind Sie dabei schon gestoßen?

Dirk Haschke, Geschäftsführer der mad geniuses GmbHDirk Haschke: In unserem Markt, dem deutschen E-Commerce, sind die Versandzeiten der Ware eines der Topthemen dieses Jahres. Große Online-Händler -allen voran Amazon als Klassenprimus- sehen in ihrer Logistik einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil. Amazon hat beispielsweise in diesem Jahr mit dem Kauf von Kiva Systems auf neue innovative Technologie gesetzt, um seine Kommissionierungsleistung in den USA weiter zu steigern. Auch wenn eine derartige Vollautomatisierung für viele mittelständischen Unternehmen keine Option darstellt, setzen immer mehr Unternehmen auf technische Unterstützung in ihrer Kommissionierung, um die Mann-zu-Ware-Prozesse schneller und effizienter zu gestalten. Dieses reicht vom Einsatz von MDEs zu Tablet-PCs bis zum vollständigen Ausstatten des Lagers mit Pick-by-Light/ by Voice-Systemen. Auch habe ich den Einsatz von iPods, auf denen die Picklisten mit Artikelbildern angezeigt werden, verfolgen können. Damit finden selbst Consumer Products Verwendung in den heutigen Lagerprozessen.

Dipl. Wirtschaftsing. Markus Ehmann

Welche Verbesserungspotentiale werden denn meistens von den Kunden angesprochen? Geht es hier vor allem um die Standardthemen, wie Effizienzsteigerung, Beherrschbarkeit der Prozesse durch IT-Unterstützung und Kostenreduzierung?
Die prinzipiellen Ansätze wie Effizienzsteigerung, Prozesse und Kostenreduzierung beherrschen nach wie vor die Diskussionen und das wird sich wohl auch in Zukunft wenig ändern. Ein Hauptaugenmerk liegt bei unseren Kunden auf der Versandgeschwindigkeit und der Skalierbarkeit in der kompletten Versandabwicklung. Der Endkunde verlangt heute einen Versand innerhalb 24 Stunden nach Auftragseingang. Dieses stellt den Online-Händler vor hohe Herausforderungen. Die Prozesse müssen bei stark schwankendem Auftragseingang schnell skaliert werden können, ohne die Fehlerrate zu erhöhen, die sich direkt auf die Kundenzufriedenheit auswirken würde. Zusätzlich wird das Thema der Transparenz über den Versandprozess immer wichtiger. Der Endkunde möchte genauestens über die Versandzeiten und die einzelnen Versandstatus informiert werden. Entsprechend sind die parallelen Informationsprozesse ebenso zu beherrschen. Wir haben mit unserer Software beispielsweise ein Versandsiegel geschaffen, das die Quote der Sendungen, die innerhalb von 24 Stunden versendet worden sind, im Online-Shop in Echtzeit anzeigt.

Wie evolutionär sind denn dabei die Verbesserungen der Lagerprozesse in den letzten Jahren? Oder müsste man gar von revolutionär sprechen?
Die Lagerprozesse haben sich durch neue Möglichkeiten in der Soft- und Hardwareentwicklung eher evolutionär verändert. Die Gestaltungsmöglichkeiten sind sehr viel umfassender geworden, wenn man beispielsweise über den Einsatz von Augmented Reality nachdenkt. Hier können ganz neue Hilfsmittel für die Lagerplanung oder im Kommissionierungsprozess eingesetzt werden.

Wie offen sind Kunden nach Ihrer Erfahrung, Neues auszuprobieren? Zwingt der Wettbewerb zu einer raschen Optimierung, oder bleibt genug Zeit, um auf ausgereifte und nachgewiesene Verbesserungen zu setzen?
Die Kunden im E-Commerce sind bereit neue Technologien auszuprobieren, denn diese sind einer der Schlüsselfaktoren, um in diesem Markt erfolgreich zu sein. Einem Einsatz von neuen, innovativen Ideen in den Lagerprozessen steht entsprechend kein Bedenken im Weg. Auch lässt das rasante Wachstum und die schnelle Veränderung des Marktes nicht viel Zeit. E-Commerce-Unternehmen durchbrechen in kürzester Zeit viele Wachstumsschwellen und müssen sich damit einhergehenden Herausforderungen stellen. Viele unserer Kunden strukturieren fast im Jahrestakt ihr Lager komplett um, damit neue Versandvolumina durch neue Verkaufskanäle abgebildet werden können.

Wie wird in diesem Kontext der Faktor „Mensch“ gesehen? Wie entscheidend ist das Mitbestimmungsrecht der Endanwender und deren ergonomisches Feedback?
Der Faktor Mensch wird immer wichtiger, denn es wird immer schwerer gutes Personal auch im Lager zu finden. Dieses führt dazu, dass neue Prozesse und neue Hardware immer mehr mit den Mitarbeitern abgestimmt werden. Prozesse müssen einfach und fehlerfrei durchführbar sein. Durch starke saisonale Schwankungen spielt ebenso die Anlernzeit für viele Unternehmen eine entscheidende Rolle. Amazon stellt derzeit wieder hundert Hilfskräfte für das Weihnachtsgeschäft ein. Dazu müssen entsprechende Prozesse verfügbar sein, um schnell neue Kräfte nutzen zu können. Letztendlich entscheidet aber auch die Akzeptanz der Mitarbeiter, ob neue Technologien den erwünschten Erfolg im Lager bringen.

Wo sehen Sie das groste Verbesserungspotential im Lager der Zukunft?
Das groste Verbesserungspotenzial liegt in der Moglichkeit, sich schnell auf Veranderungen einstellen zu konnen. Insbesondere ist die Skalierbarkeit ein wichtiges Thema. Flexible Softwaresysteme sind hierzu ein Grundbaustein. Damit konnen saisonale Schwankungen und Sortimentsanderungen sowie Anderungen bei Bestellparametern beispielsweise Anzahl Picks und Volumen effizient abgewickelt werden.

Herr Haschke, vielen Dank für das Gesprach!

 



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