IPL-Magazin 21 | Oktober 2012 | Autor: Dipl.Wirtschaftsing. Markus Ehmann

Die Charakteristik des Konjunkturverlaufs ausnutzen

 

Dipl. Wirtschaftsing. Markus Ehmann

Bereits vor drei Ausgaben berichtete das IPL-Magazin über die Schwierigkeiten von Forecasts und den damit verbundenen Unsicherheiten in der Unternehmensführung, sowohl operativ als auch strategisch. Auf einer weit größeren Skala ist der Konjunkturverlauf unserer Wirtschaft zu sehen und entsprechend auch seine Auswirkung.
 

Da die meisten Unternehmen wohl weniger in der Lage sind den Verlauf der Weltwirtschaft auf politischer Ebene zu beeinflussen, stellt sich meist eher die Frage, wie man sich gegenüber einem unbekannten Konjunkturverlauf aufstellt, oder noch viel besser: so gut wie möglich davon entkoppelt.
 

Um bei der Metapher der Konjunktur-„Welle“ zu bleiben, entspricht der Verlauf der schwankenden Nachfrage und damit Auftragslage mehr oder weniger hohen Wellenbergen und –tälern. Dem gegenüber steht die Flexibilität des eigenen Unternehmens, diese Schwankungen zu verkraften und dem Wellenverlauf geschmeidig angepasst zu sein.

In der Flexibilität des Unternehmens sind dabei die wesentlichen Faktoren des Produktionsablaufs vereint: Maschinen- und Mitarbeiterkapazität, Bestände, Engpassorientierung, Gestaltung des Material- und Informationsflusses, um nur die Wichtigsten zu nennen.

Je koordinierte diese Faktoren aufeinander abgestimmt sind, umso schlanker und damit auch schneller kann der Produktionsprozess fließen und dies unabhängig von der aktuellen Auftragssituation!

Die konkrete Bedeutung dieser Aussage wird in Abbildung 1 deutlich. Je besser die Faktoren aufeinander abgestimmt sind, umso „glatter“ läuft der Prozess ab und stehen der Wucht der Welle damit nicht mehr im Wege.

 

Beispielsweise müssen die Maschinen- und Mitarbeiterkapazitäten an Hand des Engpasses und des gewünschten Durchsatzes aufeinander abgestimmt werden. Überkapazitäten an der falschen Stelle verursachen erstens unnötigen Aufwand und können zweitens auch zu ungewollter Übersteuerung in der Auftragsreihenfolge führen. Folgen sind dadurch oft höhere Kosten, stark schwankende Durchlaufzeiten und Unsicherheiten bezüglich der Liefersicherheit gegenüber dem Kunden.

Abbildung 1:  Der Produktionsprozess in der Konjunkturwelle


Ein weiteres Beispiel ist die Koordination zwischen Informations- und Materialfluss. Typischerweise werden diese unter dem Oberbegriff der Produktionssteuerung koordiniert und sorgen dafür, dass das richtige Material zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort ist. In der Praxis sorgen hier aber oft zwei Phänomene für „Verwirbelungen“ beim Abfließen:

Um das Material rechtzeitig fließen zu lassen, muss auch die Information rechtzeitig zur Verfügung stehen. Durch zu viele Schnittstellen über funktionale Abteilungen (vom Marketing, über Einkauf, Produktion bis hin zum Vertrieb) und verschiedene Datenschnittstellen (ERP, Lagerverwaltung, etc.) kommt es allerdings häufig zu langen Durchlaufzeiten der Information und auch deren Verfälschung oder gar Verlust.

Eine weitere Ursache für verzerrte Produktionsabläufe ist die Übersteuerung der Aufträge auf mehreren Ebenen. Typischerweise werden einmal eingelastete Auftragsfolgen von jeder neuen Hierarchieinstanz auf Grund aktueller Umstände neu priorisiert. 

 

Beispielhaft können das sein:

  • Produktionsplanung: bestimmt durch Liefertermine, Gesamtausbringung der Produktionsanlage, Taktung bei unterschiedlichen Schichten nach Produktionsschritten
  • Schichtmeister: Wartung, Mitarbeiterverfügbarkeit
  • Werker an der Maschine: Rüstzeitoptimierung, Maschinenausfall, Akkordlohn


Dies ist vor allem ein Problem in Produktionen, die nach dem Schema der Werkstattfertigung strukturiert sind.


Wie kann man dann mit dieser Problematik umgehen? 

Zahlreiche Methoden dafür sind unter Stichworten wie Kaizen und KVP – kontinuierliche Verbesserungsprozess zusammengefasst. Lange Zeit galt auch Toyota als Beispiel für die kompromisslose Umsetzung dieses Gedankens.
 

Aber wer kann schon die Kosten eines Bandstillstandes beim Auftauchen eines neuen Problems rechtfertigen und verantworten?

Mittels „Echolot“-Taktik setzt deshalb die IPL-Beratung auf eine Vorgehensweise, die nicht nur die Wirkung von Verwirbelungen und Bremsen im Produktionsprozess und deren einzelnen Ursache aufdeckt, bevor Ihre Produktion dort auf Grund läuft. 
 

Wesentlicher Kern der Erkenntnis sind vielmehr die Zusammenhänge der verschiedenen Ursachen für problematische Stellen und dem gesamten Materialfluss. Damit bleibt Unternehmen im wahrsten Sinne des Wortes im Fließen, egal wie Sie die Konjunkturwelle trifft.