IPL-Magazin 20 | Juli 2012 | Autor: Thomas Theiler


Über steigende Kraftstoffpreise wird vielerorts diskutiert. In den Medien ist es derzeit ein Dauerthema. Natürlich haben schwankende Kraftstoffpreise Auswirkungen auf unsere Kalkulationen. 

 
M. Sc. Thomas TheilerÜber steigende Kraftstoffpreise  wird vielerorts diskutiert. In den Medien ist es derzeit ein Dauerthema. Natürlich haben schwankende Kraftstoffpreise Auswirkungen auf unsere Kalkulationen. Dies betrifft den privaten Haushalt aber noch viel mehr die Unternehmen der  Logistikbranche. Letztgenannte haben unter der starken Volatilität besonders zu kämpfen. Logistikpreise zu kalkulieren und wohlmöglich noch langfristige Rahmenverträge abzuschließen, ist schier unmöglich. Welche Dimensionen das angenommen hat, soll dieser Bericht aufzeigen.

Der Kraftstoffkostenanteil in Logistikunternehmen liegt nicht selten bei 30% und mehr. Die extremen Preisschwankungen an der Zapfsäule sind oftmals entscheidend, ob der Auftrag gewinnbringend war oder nicht. Der Kostenanteil des Kraftstoffs an den Logistikkosten wird in Zukunft ein immer erstzunehmender Faktor, wenn es um Kalkulationen der Gesamtlogistikkosten geht. Nach der EWG Studie haben die größeren ölproduzierenden Länder ihren "Peak-Öl" bereits erreicht. Das heißt, der Kraftstoff wird künftig zum hochpreisigen Handelsgut und damit zu einer fast unkalkulierbaren Größe in der Kostenplanung.

Steigt der Kraftstoffpreis, wird in aller Regel die Erhöhung, soweit einforderbar, an den Kunden weitergegeben. Das klingt logisch und ist sicher auch die einfachste Art im Umgang mit den Preiserhöhungen. Jüngste Meldungen berichten aber von einer Stagnation bzw. einem leichten Rückgang der Transportpreise. Das bedeutet, dass die hohen Kraftstoffkosten die Unternehmen stark belasten. Es wird dringend nach Lösungen gesucht, um Kraftstoffkosten einzusparen. Es gibt eine Vielzahl an Möglichkeiten, wie sich die Kosten für den Kraftstoff verringern lassen. Hierzu zählen Telematik, effizientere LKW-Flotte, verbrauchsmindernde Reifen und vieles mehr.
Ein Punkt, der meist am Schluss aller Überlegungen zur Kostensenkung steht, ist das Logistiknetzwerk. Entscheidungen zum Logistiknetzwerk und Investitionen in neue Umschlagstellen sind langfristig und schlecht rückgängig zu machen. Für eine kostenoptimale Logistik ist die Optimierung des Logistiknetzwerks mit entscheidend. Auf der einen Seite stehen die Transportkosten, auf der anderen Seite sind die Kosten für Hubs und Zwischenlager gegenüberzustellen. Dies sind zwei Parameter, die neben anderen Faktoren, wie Lieferzeit, Lieferbereitschaft oder der Kundenstruktur, in die Planung des Logistiknetzwerks einfließen. Diese zwei Parameter, sind jedoch maßgebend für die Kostenstruktur.

Die  Lagerkosten bleiben weitgehend von den steigenden Umweltkosten unberührt. Die Transportkosten werden sicher zulegen, was eine Veränderung des Optimums zwischen Lager- und Transportkosten zur Folge hat. Durch steigende Kilometerkosten wird das neue kostenoptimale Netzwerk mehr Standorte haben müssen. Dies veranschaulicht die nachstehende Grafik Abb.1:

Abb. 1: Steigende Energiekosten zwingen zur Distanzverkürzung

Eine Steigerung des Kraftstoffpreises um ca. 40 Prozent hat nach Berechnungen der BearingPoint GmbH zur Folge, dass ein Logistiknetzwerk mit vorher 5 Standorten nun 8 Standorte benötigt, um kostenoptimal Beliefern zu können.


Abb. 2: Green SCM – Von der lokalen Einzelmaßnahme bis zur globalen ökologisch optimierten Lieferkette
Das Beispiel zeigt, dass Strukturen und Netzwerke in kürzeren Intervallen auf den Prüfstand gehören. Es sind eben nicht nur Parameter wie Produktbeschaffenheit und Kundenstruktur, welche die Ausformung der Netzwerke beeinflussen. In einem modernen Netzwerk gilt es Faktoren wie Umweltkosten oder ein anderes Verkehrsträgermix mit zu berücksichtigen. Sich ständig verändernde Gesetze und Vorgaben vergrößern die Komplexität und Dynamik zusätzlich. Die Standortpolitik und die richtige Struktur der Verkehrsträger ist, neben den sonstigen Maßnahmen in Verbindung mit der grünen Logistik, zu einer wichtigen Managementaufgabe geworden.

Das Beispiel zeigt, dass die Auswahl der Standorte einen erheblichen Teil zur Verringerung der Umweltbelastung beitragen kann. Dezentralisierung kann eine Maßnahme sein, um den Herausforderungen der steigenden Kraftstoffpreisen zu begegnen. Verbunden mit einem aktualisierten Verkehrsträgermix lässt sich nebenbei noch der CO2- Ausstoß verringern und so einen Beitrag zur Verringerung der Umweltbelastung leisten.


Abb. 1 und 2 - Quelle:Bearingpoint2010