IPL-Magazin 10 | Januar 2010 | Autor: Dirk Rimkus (IPL)

Wofür brauchen wir eigentlich ein Lager, Speicher, Supermarkt oder manchmal freundlicher auch Puffer genannt. Wir merken, die Funktion bleibt, jedoch ist das Lager unlängst negativ behaftet, deshalb haben sich schon mal freundlichere Namen etabliert.

Aber was ist eigentlich die Funktion eines Lagers?


Dirk Rimkus (IPL)Lager dienen der Zeitüberbrückung/Synchronisation und dem Mengenausgleich in der gesamten getakteten oder zufälligen Wertschöpfungskette, vom Lieferanten bis zum Kunden (source, make, deliver). Mögliche weitere Funktionen sind u. a. die Sicherung der Materialversorgung und damit Schutz vor Produktionsstörungen und -unterbrechungen, manchmal auch die Spekulation um erwartete Preiserhöhungen abzufangen, die Veredelung durch Reifungsprozesse (z. B. Wein, Käse) bzw. Trocknungsprozesse (z. B. nach einer Lackierung) oder die Sortimentsbildung, wo unterschiedliche Artikel zusammen in einem Set verkauft werden. Mit dem Begriff Lager bezeichnet man die Gesamtheit und den Ort der Vorratshaltung einer Unternehmung.

Aus einer Vielzahl von Lagerstrategien und Lagertypen kann man aus nahezu unerschöpflichen Kombinationen auswählen, die zu einem Lagergut die effizienteste Alternative darstellen. Ebenso ist die Lagerbestandsführung und Lagerorganisation vom einfachen Karteikasten bis hin zu integrierten Lösungen mit ausgefeilter Technik, wie z. B. Barcode / Scanner und Logiksteuerung über Sprachausgabe möglich.

Aber dient dies nicht alles nur um das Chaos zu verwalten?

Wenn man die einfache Aufgabe eines Lagers, die kontinuierliche und störungsfreie Aufrechterhaltung des Güterkreislaufes unterstellt, würde das nicht im Umkehrschluss bedeuten, dass eine Lagerhaltung überflüssig wäre, wenn die Phasen des Güterkreislaufes zueinander synchron verlaufen würden?

Betrachtet man die Lagerstufen wie Beschaffungslager (Roh-, Hilfs-, Betriebsstoffe), Zwischenlager (Unfertige Erzeugnisse) und Fertigwaren, und die Bezüge zueinander, werden die Verantwortungen und eventuellen Notwendigkeiten deutlicher.

Durch ein Beschaffungslager muss der auftretende Bedarf an Produktionsfaktoren in jedem Augenblick gedeckt werden können. Ein Beschaffungslager ist erforderlich, da zwischen Eingang der Ware und dem Bedarf der ersten Produktionsstufe eine zeitliche Synchronisierung nicht immer möglich ist. Damit ist das Beschaffungslager ein Produkt zwischen dem Lieferant und dem eigenen Betrieb. Das heißt, mit klaren Strategien und Kommunikationen, evtl. Verträgen und Anbindungen lassen sich deutliche Verbesserungen erzielen. Dies ist aber nur möglich, wenn beide Parteien die gleichen Ziele verfolgen, also nicht nur der Lieferant seine Produkte in die Wertschöpfungskette "drücken" will. Letzten Endes ist diese Partie erst beendet, wenn die bestimmten Endprodukte vom Markt absorbiert werden. Sonst führt dies zwangläufig zu einer Weiterschiebung der Bestände auf die nächst höhere Wertschöpfungsstufe.

Mit Hilfe eines Zwischenlagers (ohne Veredelung und Trocknung) lassen sich Outputs von aufeinander folgenden Produktionsstufen zu den vorhergehenden Produktionsstufen zu unterschiedlichen Zeiten und in unterschiedlichen Mengen ausgleichen. Anders ausgedrückt ist dies nur ein Produkt von chaotischen, nicht synchronisierten Prozessen, wofür das Unternehmen allein verantwortlich ist. Über ein Fertigwarenlager werden Absatzschwankungen zwischen der unsynchronen Produktion und dem Absatz ausgeglichen. Wichtig ist hierbei besonders der Zusammenhang zwischen der Unternehmensstrategie und der Produktionsphilosophie. Also, ob ein Massenprodukt (make to stock) für einen unplanbaren Verkauf vorproduziert wurde oder ein bestimmter Auftrag (make to order, built to oder auftragsbezogene Produktion) termingerecht ausgeführt werden soll. Damit soll eine kontinuierliche Deckung der Nachfrage erreicht werden; in Abhängigkeit der Liefertreue und Lieferfähigkeit. Die Mengen und Werte hängen vielfach von einer mehr- oder minderguten Marketing- und Vertriebsplanung ab; aber ist das wirklich planbar?

Zusammenfassend lässt sich feststellen, eine Lagerhaltung wäre überflüssig, wenn die Phasen des Güterkreislaufes zueinander synchron verlaufen würden. Häufig werden sogar die Ziele der Bestandsführung durch die eigene interne funktionale Organisation und/oder durch suboptimale Zielvorgaben torpediert. Folglich darf ein Lager nur eine unternehmerische Steuerungsgröße sein. Soll heißen, man nimmt einen Artikel nur auf Lager, wenn man weiß, um wie viel man damit den Unternehmenswert (EVA) steigern kann - und nicht, weil man muss! Deshalb muss die Entscheidung vorausgehen, nicht wie plant oder erweitert man einen Lagerbetrieb, sondern wie kann man die Prozesse synchronisieren! Hierfür gibt es zahlreiche Messgrößen und Steuerungsmöglichkeiten.