IPL-Magazin 24 | Juli 2013 | Autor: Thomas Theiler


Die ISO (International Organization for Standardization) pflegt derzeit ca. 17000 Normen.
 

Thomas Theiler  (IPL Beratung) Die Bekannteste ist sicher die ISO 9001, von welcher es weltweit mehr als 1 Million ausgestellter Zertifikate gibt. Seit 20 Jahren wird vom TÜV Rheinland eine Umfrage durchgeführt, um die Anzahl der ausgestellten und noch gültigen Zertifikate zu ermitteln. 2011 stagnierte die Zahl der ausgestellten Zertifikate zum ersten Mal seit langem. So ergab die Umfrage, dass es zum Jahresende 2011 etwa 1.111.698 ausgestellte Zertifikate gab. Das ist ca. 1 Prozent weniger als das Jahr zuvor.

Abbildung 1: Anzahl ausgestellter Zertifikate verschiedener Normen. Quelle: TÜV Rheinland

Ist die ISO 9001 nun ein Auslaufmodell?

Die Veränderungen sind regional stark unterschiedlich. So tritt die Stagnation in den meisten Fällen dort auf, wo schon sehr früh mit Zertifizierungen begonnen wurde. Dies sind hauptsächlich Länder aus Europa, da hier bereits in den 80er Jahren an Normen und Standards gearbeitet wurde. Dabei sträubte sich Deutschland lange Zeit gegen die Einführung. Anfänglich wurde befürchtet, dass der Ruf von „Made in Germany“ in Gefahr ist, weshalb man sich in der Entwicklungsphase der Norm verweigerte. Mit der Einführung der Norm änderte sich das Verhalten Deutschlands und die Norm verbreitete sich doch verhältnismäßig schnell.

Nach einiger Zeit nahm Deutschland sogar eine Vorreiterrolle ein. Um die Jahrtausendwende wurde die Norm grundlegend überarbeitet und ist seither noch erfolgreicher. Für die nun wieder einsetzende Stagnation sind mehrere Faktoren verantwortlich. Zum einen tritt, zumindest in Europa, ein gewisser Sättigungsgrad ein und zum anderen gibt es immer mehr branchenspezifische Normen. Das bedeutet, dass die ISO 9001 in manchen Unternehmen durch andere Zertifikate ersetzt wird.

Dies ist beispielsweise in der Automobilindustrie durch die TS 16949 der Fall. Diese Normen beinhalten weitgehend die Forderungen der ISO 9001 und sind durch branchenspezifische Anforderungen erweitert worden. Auch andere Normen sind weltweit auf dem Vormarsch.

Verschiedene Normen mit Verbreitungsgrad und Veränderung zu 2010

ISO/TS 16949:2009 (Automobilindustrie):
47.512 Zertifikate in 86 Ländern entsprechen einem Wachstum von 8 %.

ISO 13485:2003 (Medizinprodukte):
20.034 Zertifikate in 95 Ländern entsprechen einem Zuwachs von 6 %.

ISO/IEC 27001:2005 (Informationssicherheitsmanagementsystem):

17.509 Zertifikate in 100 Ländern – ein Plus von 12 %. Die Top-Drei-Länder sind hier Japan, Indien und Großbritannien.

ISO 22000:2005 (Managementsysteme für Lebensmittelsicherheit):
19.980 Zertifikate in 140 Ländern bedeuten ein Wachstum von 8 %.

ISO 50001:2011 (Anforderungen an Energiemanagementsysteme):
461 Zertifikate in 32 Ländern. Diese Norm gibt es erst seit Juni 2011.

Heute liegt China in der Anzahl der ausgestellten Zertifikate vor Italien und Japan an der Spitze. Auch beim Wachstum nimmt China eine Spitzenrolle ein und unterstreicht zum einen, dass China ein bedeutender Wachstumsmarkt ist und zum anderen kann man daraus ableiten, dass China aus globalen Wertschöpfungsketten nicht mehr wegzudenken ist.

Es sind aber nicht nur produzierende Unternehmen, welche Qualitätsmanagement-Systeme unterhalten. Das folgende Schaubild zeigt die Branchenverteilung der im Jahr 2010 von der DGQ (Deutsche Gesellschaft für Qualität) ausgestellten Zertifikate nach ISO 9001:


Abbildung 2: Quelle: QZ Jahrgang 57 (2012)


Ob sich nun branchenspezifische Lösungen oder allgemeine Normen in Zukunft durchsetzen werden bleibt abzuwarten. Sicher findet sich für jede Lösung Pro und Contra.

Für die ISO 9001 spricht der Verbreitungsgrad und die Tatsache, dass sich die anderen Normen die ISO 9001 als Vorbild nehmen. Dagegen spricht, dass eine allgemeine Norm, welche branchenübergreifend wirksam sein soll, in einigen Teilen aus Kompromissen bestehen muss. Entscheidend wird auch sein, wie anpassungsfähig die Norm an neue Herausforderungen gestaltet wird. So ist zum Beispiel bei der ISO 9001 die Rede davon, dass Themen wie Mitarbeiterorientierung und Risikomanagement in einer neuen Revision aufgegriffen werden.

Datenquellen: TÜV Rheinland;DGQ;QZ