IPL-Magazin 11 | April 2010 | Autor: Moritz Brandstetter (IPL Beratung)

Lean Management (zu Deutsch: Schlanke Unternehmensführung) ist nicht mehr nur das Schlagwort für eine schlanke Produktion im industriellen Sektor.
 


Lean Management (zu Deutsch: Schlanke Unternehmensführung) ist nicht mehr nur das Schlagwort für eine schlanke Produktion im industriellen Sektor. Unter Lean Management versteht man die Gesamtheit von Denkprinzipien, Methoden und Verfahrensweisen zur effizienten Gestaltung der gesamten Wertschöpfungskette von Gütern, um dem Kunden nur das zu geben, was er wirklich haben will.

Wie viele andere Ansätze entstammt auch dieser ursprünglich aus der Automobilindustrie. Wissenschaftler des MIT hatten in den 90iger Jahren die Werke und Prozesse verschiedenster Automobilhersteller fünf Jahre lang untersucht und so den Begriff des Lean Management definiert. Als Benchmark stellte sich das Toyota Produktionssystem heraus.

Tatsächlich sind die Methoden des Lean Management wesentlich älter: Bereits Mitte der 50iger Jahre entstanden die Methoden und Ansätze in den Werken von Toyota. Maßgeblich daran beteiligt waren die Japaner Taiichii Ohno und Shigeo Shingo. Zusammen entwickelten sie Methoden, die sich heute in fast jedem Industriebetrieb wiederfinden lassen. Interessanterweise sind dies Methoden, die teilweise aus dem alltäglichen Leben der japanischen Gesellschaft und der japanischen Philosophie stammen.

Die bekanntesten sind:

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ポカヨ 
 Poka Yoke         (Fehlervermeidung)
 
 
                 
 Kaizen               (ständige Verbesserung)
 
 
  
Kanban              (Produktion auf Anforderung)
 


Doch nicht nur japanische Philosophien sind im Lean Management verankert. Eine Produktion zu systematisieren, begann tatsächlich wesentlich früher. Der US-Amerikaner Frederick W. Taylor (1856-1915) führte als erster die Prinzipien einer Prozesssteuerung von Arbeitsabläufen ein. Kernpunkte waren detailliert beschriebene und extrem in Einzelschritte zerlegte Arbeitsaufgaben sowie genaue Zielvorgaben für die Arbeiter.

Eine weitere Optimierung hin zum Lean Management stellte die von Henry Ford 1914 eingeführte Fließfertigung dar. Mit dieser Methode war Ford in der Lage, wesentlich günstiger als die Konkurrenz zu produzieren.

Eine weitere Methode hin zum Lean Management ist die Just-in-Time Produktion, die ebenfalls bei Toyota kurz nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelt wurde. Der Kernansatz des Lean Management richtet sich weniger an technische Abläufe, sondern hat vielmehr zum Ziel, eine schlanke und flexible Organisation hinter den technischen Abläufen aufzubauen und bestehende Strukturen, Tätigkeiten, Abläufe und Verhaltensweisen bzgl. ihres Wertbeitrages für den Kunden permanent zu hinterfragen und zu verbessern.

Diese Denkweise ermöglichte es Toyota, stabile, zuverlässige Prozesse aufzubauen und so den Kunden - zumindest bis vor Kurzem - mit bester Qualität zu beliefern. So gelang es Toyota, innerhalb von nur 60 Jahren zum größten Automobilhersteller der Welt zu wachsen.

Mittlerweile haben sich Prinzipien und Methoden, die sich unter dem Begriff Lean Management vereinen, in vielen anderen Bereichen etabliert: Bei Geschäftsprozessen (Lean Administration), in der Instandhaltung (Lean Maintenance), in der Logistik (Lean Supply Chain Management) und sogar in Krankenhäusern (Lean Hospital). Das Lean-Management ist noch lange nicht am Ende seines Erfolges angekommen.

Die Methoden und Ansätze lassen sich auch im privaten Leben einsetzen; die Frage ist nur, ob der Mensch dazu schon bereit ist!