IPL-Magazin 38 | Januar 2017

IPL-Magazin 38 | Januar 2017 | Autor: Prof. Dr. Klaus-Jürgen Meier

Es droht Gefahr für das ungebremste Wachstum der Branche

Industrie 4.0 ist in aller Munde. Doch noch längst ist nicht absehbar, wohin es die Produktion bringen wird. Gedacht als Konjunkturmotor und Jobgarantie in Hochlohnländern wie Deutschland, könnte es die von kontinuierlichem Wachstum verwöhnte Produktions- und Logistikbranche hart treffen.

 


Prof. Dr. Klaus-Jürgen MeierGrund für diese Annahme ist die stetige Verbreitung der additiven Fertigung - auch als 3D-Druck bezeichnet.


Können Produkte vor Ort durch den Kunden selbst hergestellt (=gedruckt) werden, so ist kein aufwändiger Logistikprozess mehr erforderlich. Autobahnen für LKWs können durch Daten-Autobahnen umweltfreundlich ersetzt werden. Der heutige Zulieferer von physischen Bauteilen wird zum Lieferanten eines Datenmodells. Lager und Bestände werden zukünftig virtuell auf dem elektronischen Speichermedium bevorratet.


Damit stellt sich die Frage, wer ist der Kunde, der den Druckvorgang ausführt? Könnte es nicht sogar der Endkunde sein? Vor 40 Jahren noch unvorstellbar, so hat dennoch nahezu jeder Haushalt heute einen PC, Internetzugang und - einen Drucker. Beherrschen die 3D-Drucker heute nur die Verarbeitung eines Materials, so könnten es zukünftig Kombinationen sein. Die Konsequenzen dieses Szenarios wären revolutionierend. Mit der Ausnahme einiger Produkte, wäre der gesamte Produktionsprozess zum Endkunden verlagert. Produktionsunternehmen und Logistik im heutigen Ausmaß werden nicht mehr benötigt. Dieser Umbruch hätte wahrhaft die Dimension einer fünften industriellen Revolution - in der Produktionswelt und der gesamten Gesellschaft.


Sicher, es ist noch ein langer Weg zu dieser Vision. Doch wo sind die Grenzen? Die Entwicklung geht rasant voran. Schon gibt es erste 3D-Drucker, die in der Lage sind, Lebensmittel zu drucken. Zahlreiche Anwendungsbeispiele zeigen, der 3D-Druck ist in der Industrie angekommen. Wann also steht er bei Ihnen zuhause?