IPL-Magazin 03 | April 2008 | Autor: Tobias Kaiser (IPL)   


Der Einkauf hat sicherlich eine der schwierigsten Aufgaben in einem Unternehmen. Verursacht er doch in den Augen der Geschäftsführung nur Kosten. Deshalb ist in vielen Unternehmen das primäre Ziel, im Einkauf die Kosten drastisch zu reduzieren. Gebunden an diese Vorgabe, erfolgt die Lieferantenauswahl nur nach den günstigsten Einstandspreisen.
 

Diese Kostenersparnis ist aber meistens teuer erkauft. Niedrige Einstandpreise können meistens nur über Skaleneffekte erreicht werden oder bedeuten oftmals eine schlechtere Lieferperformance seitens der Lieferanten. Das bedeutet, dass durch hohe Bestelllosgrößen übermäßig viel Kapital im Unternehmen gebunden wird und oder die Materialversorgung der Produktion nur unzureichend gewährleistet ist. Eine mangelhafte Materialversorgung führt zu Lieferverzügen und im schlimmsten Fall zu Umsatzeinbußen.
 

Stellt man die „eingekauften“ Kosten den Kostenersparnissen durch niedrige Einstandpreise gegenüber, würde man sehr leicht erkennen können, welche Einkaufspolitik die beste wäre. Doch leider werden die entstehenden indirekten Kosten durch den Einkauf nur in den wenigsten Unternehmen erfasst.
 

Bei meist mehreren tausend von aktiven Sachnummern in einem Unternehmen wäre es sicher zu viel verlangt, wenn man für jeden einzelnen Artikel die optimale Beschaffungsstrategie ermitteln würde. Noch dazu, da sich der Bedarf der Artikel dynamisch verändert. Deshalb sollen im Folgenden ein paar Verfahren vorgestellt werden, mit denen man ganz einfach Artikelgruppen bilden kann, für die die gleichen Beschaffungsstrategien abgeleitet werden können.
 

ABC-Analyse

Bei der ABC-Analyse wird eine Menge-Wert-Relation hergestellt. Im Gegensatz zur meist verbreiteten Darstellung der Jahresverbrauchswerte je Artikel im Bezug zur Gesamtanzahl an Artikelposition, ist eine aussagekräftigere Darstellung, der Bezug zwischen dem monetären Jahresverbrauchswerten und dem Jahresverbrauchswert je Artikel. Durch die ABC-Analyse lässt sich erkennen, durch welche Artikel das meiste Kapital gebunden wird. Typischerweise erfolgt die Einteilung in drei Wertigkeitsklassen. In der Praxis haben sich dabei einige Anhaltswerte für die Abgrenzung der Bereiche herauskristallisiert. In der nachfolgenden Tabelle sind die Werte zusammen gefasst.

 

 

Abb. 1



Die Zusammenhänge können mit Hilfe von Konzentrationskurven graphisch dargestellt werden:

 

Abb . 2 

 
 

XYZ-Analyse

Mit Hilfe der XYZ-Analyse kann der zeitliche Verlauf der Bedarfe von Artikeln dargestellt werden. Dafür werden zwei Kenngrößen ermittelt. Der Variationskoeffizient (V) gibt die Schwankungsbreite um den Mittelwert wieder. Durch den Korrelationskoeffizienten (K) wird der Bedarfsverlauf zweier gleich langen Zeiträume verglichen. Daraus ergeben sich drei charakteristische Bedarfsverläufe, die in nachstehender Abbildung aufgeführt sind.

 

 

Abb . 3

 

Neben der Kennzeichnung XYZ können die Bereiche auch nach ihrem Bedarfsverhalten in regelmäßig (R), saisonal/trendförmig (S) und unregelmäßig (U) eingeteilt werden. Ein unregelmäßiges Bedarfsverhalten lässt ist nicht vorhersehen, wobei ein regelmäßiger Bedarfsverlauf ziemlich genau vorhersehbar ist.
 

ABC-XYZ-Analyse

Durch die Kombination der ABC- und XYZ-Analyse lässt sich nun für die einzelnen Artikelgruppen die jeweilige optimale Beschaffungsstrategie ableiten. In nachstehender Tabelle sind die Ergebnisse zusammen gefasst (siebe Abb.4).


 

Abb. 4 — Quelle: In Anlehnung an H.-P. Wiendahl (2005) [3]

 

Da in den A-Teilen das meiste Kapital gebunden ist, sollte man sich im Einkauf primär um die Beschaffung dieser Artikel kümmern. Für den Einkauf der C-Teile dagegen, sollte möglichst kein Aufwand betrieben werden. Die Bestellungen können automatisiert werden.

Bei den BX- und BY-Teilen erfolgt die Bestellung unter Berücksichtigung der kostenoptimalen Bestellmenge.
 

Zusammenfassung

Durch eine ABC-XYZ Analyse wird es möglich, die Artikel anhand ihrer monetären Wertigkeiten und Verbrauchsverläufe zu clustern und sinnvolle Beschaffungsstrategien entsprechend der Vorgehensweise abzuleiten, wie sie in dem Praxisbeitrag von Freudenberg dargestellt sind. [*]

 

Quellen:
[1] Härdler H. (1999), Material-Management, München (Carl Hanser) 1999
[2] Inderfurth (6/2007), Lernplattform LogEduGate, hrsg. v. Lehrstuhl für BWL, Otto von Guericke Universität Magdeburg
[3] Wiendahl H.-P. (2005), Betriebsorganisation für Ingenieure, 5. Auflage, München (Carl Hanser Verlag) 2005
[4] Weissenberger-Eibl M. (2002), Beschaffungsmanagement, in: Vorlesungsskript „Grundlagen der BWL für Ingenieure im Grundstudium“, hrsg. v. Wildemann, H., München (TU München) 2002