IPL-Magazin 02 | Januar 2008 | Autor: Prof. Dr. Klaus-Jürgen Meier (IPL) & Alexander Bäck (IPL)  


Derzeit findet sich kaum ein Unternehmen, dass in Zeiten zunehmenden Kostendrucks und steigenden Erwartungen der Kunden hinsichtlich Flexibilität und kürzeren Lieferzeiten nicht über zu hohe Bestände und zu lange Durchlaufzeiten entlang ihrer Wertschöpfungskette klagt. Ähnlich erging es einem mittelständischen Unternehmen mit insgesamt drei Produktionsstand­orten im oberbayerischen Raum. Gemäß eigener Einschätzung vermutete man, dass die relative Höhe der Bestände und die Kosten für die Logistik weit über dem Durchschnitt lagen – gleichzeitig hatte das Unternehmen damit zu kämpfen, dass es fortwährend Marktanteile an die leistungsfähigeren Wettbewerber verlor. Der dringende Handlungsbedarf war somit offensichtlich.
 

Doch wie gelingt es, von einem subjektiv gefühltem Verbesserungspotenzial zu konkreten und objektiven Zielvorgaben zu kommen?
 

Auf der Suche nach Unterstützung wurde das Unternehmen auf die Online-Benchmarking Plattform des Instituts für Produktionsmanagement und Logistik (IPL) aufmerksam. Da das Unternehmen über drei Standorte mit unterschiedlicher Ausrichtung und Leistungsniveaus verfügte, entschied man sich für einen Premium-Account zur Nutzung der Plattform. Dieser bietet nicht nur die Möglichkeit zur individuellen Zieldefinition für einen Produktionsstandort, sondern gestattet auch den direkten Vergleich zwischen den einzelnen Produktionsstandorten sowie den Zugriff auf den Expertenrat von IPL.
 

Die Erfassung der Ist-Situation sollte schnell, aber doch mit einer aussagefähigen Detaillierung erfolgen. Hier stand bereits das IPL mit Rat und Tat zur Seite. Die erste Auswertung stellte zunächst den Zusammenhang zwischen dem finanziellen Ergebnis und der Effizienz der eigenen Wertschöpfungskette her. An dieser Stelle wurde bereits offensichtlich, wie stark die Ineffizienz der wertschöpfenden Prozesse die Wirtschaftlichkeit belastete. Gemäß den Charakteristiken der verwendeten Produktionsstrategie wurde schließlich ein branchen­fremder Benchmark-Partner gefunden. Die Ergebnisse waren mehr als deutlich: das anonymisiert dar­gestellte Vergleichsunternehmen war erheblich wirtschaftlicher, konnte seinen Kunden eine weitaus höhere Leistungsfähigkeit zur Verfügung stellen – und das mit über 50% geringerem Bestand und niedrigeren Kosten für die Logistik. Die detaillierten Ergebnisse waren bereits spezifisch für die Größe der einzelnen Standorte kalkuliert. Damit lagen bereits nach wenigen Tagen die realistischen und im Unternehmen akzeptierten Zielwerte vor (Siehe Abbildung). In einem anschließenden Logistikprojekt wurden Handlungsfelder und Maßnahmen zur Erreichung der Potenziale ausgearbeitet.
 

Schließlich entschied sich das mittelständische Unternehmen für eine weitreichende Veränderung und Optimierung der eigenen Wertschöpfungsprozesse, da damit nicht nur die Leistung, sondern auch die verbundenen wirtschaftlichen Potenziale deutlich gesteigert werden konnten. Weil das bis dato anonyme Vergleichsunternehmen in einer anderen Branche tätig war, konnte zusätzlich über das IPL der Kontakt und somit ein Erfahrungsaustausch hergestellt werden. Die Realisierung des Logistikprojektes ist heute abgeschlossen. Für die Potenziale aus dem Benchmarking konnte bewiesen werden, sie waren mehr als gerechtfertigt. Das mittel­ständische Unternehmen nutzt die Benchmark-Plattform jetzt als Frühwarnsystem.
 

So wird stetig die Veränderung der eigenen Leistung und Kosten im Verhältnis zu den anderen am Benchmark beteiligten Unternehmen überprüft. Das Zustandekommen eines so gravierenden Handlungsbedarfs, wie in dem geschilderten Beispiel, sollte es damit zukünftig nicht mehr geben. Die in dem Bericht erwähnte Benchmarking-Plattform wie auch den Kontakt zum Institut für Produktionsmanagement und Logistik finden Sie online unter www.i-p-l.de.

 

Abb.: Beispiel für eine Quantifizierung der Potentiale durch Verkürzung der Durchlaufzeit im Abwicklungsprozess