IPL-Magazin 33 | Oktober 2015 | Autor: Andy Helming

So sichern Sie Ihre Materialversorgung trotz Risiken

Andy HelmingUnternehmerische Risiken bestehen seit Menschen gedenken. Nicht zuletzt ist mit der DIN ISO 9001:2015 explizit dem Risikomanagement eine stärkere Beachtung geschenkt worden.

Das Risiko, durch eine klimawandelinduzierte Störung den Materialfluss zu unterbrechen und dadurch Versorgungssicherheit und Produktionsausfälle zu riskieren, ist eine junge Disziplin im unternehmerischen Handeln. Mit dem Tool „Climate Risk Identification” (CRI) reagiert das Institut für Produktionsmanagement und Logistik (IPL) auf die fehlende Transparenz in der Supply Chain hinsichtlich des Gefahrenpotenzials durch Störungen, die durch Ereignisse auf Basis des Klimawandels ausgelöst werden.

Und nach neuesten Prognosen werden sich die Naturkatastrophen im Klimawandel bis 2050 verdoppeln! Das CRI-Tool von IPL gliedert sich in ein 3-Phasen-Modell zur Bestimmung und Optimierung der Supply-Chain-Robustheit im Klimawandel. Als Ergebnis liegt sowohl eine Risikoanalyse des Beschaffungs- und Distributionsnetzwerkes vor, als auch priorisierte Handlungsfelder für eine robuste Supply Chain. In Phase 1 wird die aktuelle Supply-Chain-Konfiguration für ausgewählte Produkte hinsichtlich ihrer Prozessstabilität und ihrer geographischen Struktur im Klimawandel analysiert.

Die Prozessstabilität betrachtet dabei die internen und externen Abläufe in den Handlungsfeldern:
 

  • Managementprozesse
  • Lieferanten- und Lagerstrategie
  • Kommunikation
  • Distributionskonzepte
  • Produktionsstrategien


Die geographische Struktur wird definiert durch die Standorte von Produktion, Lieferanten und Logistikzentren sowie die dazugehörigen Transportrouten. Die Auswertung der Informationen in der Phase 2 lässt die Supply Chain (SC) in ein Bewertungsschema, zwischen strukturellen Daten und Fakten zum Klimawandel, sowie betriebswirtschaftlichen Daten und Erhebungen mittels Interviews und standardisierten Fragebögen einordnen. Ermittelt werden die kritischen Risikotreiber der Prozesskette. Die Supply-Chain wird in einem Schadenspotential-Portfolio zwischen SCProzessinstabilität und SC-Exposition positioniert.

Abb. 1: Auswertung mittels Schadenspotential- Portfolio


Durch die Entwicklung von Störungsszenarien auf Basis der zuvor identifizierten kritischen Risikotreiber startet die Phase 3. Dadurch kann der Flexibilitätsbedarf und das Flexibilitätsangebot für die zu entwickelnden Szenarien in den Subhandlungsfeldern Strategie, Organisation, Systeme, Kultur, Ressourcen und Management definiert werden. Aufgedeckt werden damit Flexibilitätslücken, Konkrete Handlungsempfehlungen werden abgeleitet und Kosten-Nutzen-Vergleiche ermöglicht. Mit Abschluss der 3. Phase liegt ein priorisierter Maßnahmenkatalog zur Steigerung der Supply-Chain-Robustheit vor.

Abb. 2: Vorgehensweise in Phase 3 - Handlungsfelder und Maßnahmen

Als Ergebnis des 3-Phasen Modells liegt eine Aussage über die allgemeine Systemstabilität des Wertschöpfungsnetzwerkes vor, die Ausgesetztheit des Wertschöpfungsnetzwerkes gegenüber dem Klimawandel und priorisierte Handlungsfelder für eine robustere Supply Chain.