IPL-Magazin 28 | Juli 2014 | Autor: Dr. Roland Scherb

Die vierte industrielle Revolution bringt das Internet der Dinge bis in die Logistik.

Dr. Roland Scherb, MBAVor allem aber verlangt sie, dass die Industrie die Entwicklung multidisziplinärer, Cyber-Physischer-Systeme (CPS) beherrscht. Geänderte Prozesse und Geschäftsmodelle sind die Folge, sowie die Fähigkeit, die eigene Ausrichtung kontinuierlich zu verbessern. Die Versorgungslogistik wird sich ändern unter der zunehmenden Anzahl von Einwohnern und Megastädte zur Folge haben. Die Veränderung der Innenstadtlogistik wird in Mega Cities praktische Veränderungen nach sich ziehen. Alltägliche Arbeitsabläufe werden beeinflusst werden – wie beispielsweise das EINKAUFEN. Unter der Woche beruflich gebunden bleibt der Samstag für den Großeinkauf im Mega-Supermarkt für eine sehr große Anzahl von Kunden. Am Samstag schwere Taschen mit Waschmittel und Flaschen nach Hause schleppen, lässt das Wochenende ungemütlich starten. Stattdessen wünscht sich doch jeder, das Wochenende bei einem gemütlichen Kaffee und einem leckeren Croissant zu beginnen. Dieses Szenario erscheint doch schon wesentlich entspannter. Das mühevolle Schleppen der Einkäufe wird Online erledigt - via Smartphone und Tablet.

Heutzutage ist der Onlineeinkauf von Lebensmitteln noch Zukunftsmusik. In Mega Cities wird dies eine wichtige, logistische Größe sein, um die Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen. Derzeit gibt es schon einige spezialisierte Online-Lebensmittelversender, wie beispielsweise den Luxusfl eischlieferanten Otto-Gourmet, den Weinversender Hawesco oder der Gründerchampion My Muesli. Auch Amazon ist in dieser Sparte bereits aktiv: das Family Angebot. In unseren Städten sind die klassischen Lebensmittelhändler, auch wegen der hohen Filialdichte, weitere Trotzburgen gegen den Internethandel und zumeist von jedem Einwohner in einer angemessenen Zeitspanne zu erreichen. Der Onlinehandel wird trotzdem weiter zunehmen. Der britische Lebensmittelhändler Tesco hat im letzten Weihnachtsgeschäft bereits 8 % seines Umsatzes online erwirtschaftet. Diese Tendenz wird sich im Zeichen von Mega Cities noch wesentlich verstärken, das Filialnetz nicht mehr ausreichend verfügbar sein wird und das Angebot die Nachfrage nicht mehr fl ächendeckend befriedigen kann, wenn die Versorgungslogistik keine anderen Lösungen in Betracht zieht.

Die großen Lebensmittelmarktführer Edeka, Rewe und Tengelmann, sowie die Discounter Lidl, Aldi und andere bereiten ihren eigenen Onlinehandel strategisch vor. Aldi testet bereits die neuen Wege im Rahmen eines Blumenlieferanten.

Blumen können bei Aldi online bestellt und kostenfrei geliefert werden. Bei Rewe ist es in heutigen Ballungsgebieten möglich, Lebensmittel online zu bestellen und sich liefern zu lassen. Rewe bietet derzeit ca. 8500 Artikel online an, welche fast einen durchschnittlichen Supermarkt abbilden; natürlich mit Frischlebensmitteln wie Fleisch, Wurst und Käse.

Eine große Herausforderung zur Umsetzung, welche heute bereits getestet wird, sind die hierfür notwendigen IT-Systeme und die logistischen Strukturen. Derzeit werden eingehende Online-Bestellungen in nahegelegenen Supermärkten manuell zusammengestellt. Die einzelnen Artikel werden aus dem Regal von einem Mitarbeiter herausgenommen, oder gepickt und dann verpackt. In England wird diese Zusammenstellung bereits in hierfür vorbereiteten Lagerhäusern, sog. „Dark Stores“, Läden ohne Fenster und Regale durchgeführt. Für Frischware zeigt sich derzeit der Einsatz von großen Zentrallägern, wie z.B. durch Amazon verwendet, als nicht praktikabel ab.

In diesem Szenario spielen dann auch Fragen nach Bonussystemen eine Rolle. Welcher Pudding soll gekauft werden, wenn es bei einer bestimmten Abnahme einen Rabatt gibt? Welche Entscheidung soll getroffen werden, wenn der bestellte Joghurt nicht vorhanden ist? Darf es dann – ohne Rücksprache - die Eigenmarke des Händlers sein, oder ein Konkurrenzprodukt? Kennt der Händler seinen Stammkunden und besteht der Zugriff auf die logistischen Daten, lässt sich der Kunde genauer analysieren und das Angebot zielgerichtet optimieren. Logistisch wird sich die Zunahme des Lieferverkehrs auswirken, denn diese Art der Versorgung wird eine deutliche Zunahme im Transportbereich bedeuten und die bereits belasteten Verkehrswege in Mega Cities beeinflussen.

Welche konkreten Lösungsansätze können verwendet werden?

Die Auswirkungen der Klimaveränderung können zum jetzigen Zeitpunkt nicht adäquat beantwortet werden. Jedoch kann ein wesentlicher Schritt zur Lösung dieser Problematik durch das IPL zur Verfügung gestellt werden. IPL arbeitet zurzeit an einer Studie, welche Veränderungen durch den Klimawandel im Bereich der Logistik erforscht und mit welchen Methoden die Auswirkungen reduziert bzw. vermieden werden.

Ein Lösungsansatz für das zweite Problemfeld, der Versorgung von Gütern, die Organisation der Supply Chain und der veränderte Bedarf an Informationen, kann durch neue Technologien im Umfeld von Industrie 4.0 erfolgen. Intelligente Medien, vernetzt mit anderen Technologien und einer Mensch / Maschine Schnittstelle können in diesem Bereich die Lösung für zukünftige SCM Szenarien bieten. Die Konzepte sind vorhanden und die Technologie, je nach benötigter Ausbaustufe, ebenso.

Wenn Sie Interesse am Stand der Studienforschung, oder detaillierte Informationen über die intelligenten Anzeigen zur Veränderung der SCM haben, wenden Sie sich gerne an uns.