IPL-Magazin 27 | April 2014 | Autor: Stefan Treiber

Zusammenspiel von Unternehmensberatung und Akademie

Stefan TreiberDas Anforderungsprofil an Unternehmensberatungen hat sich in den letzten Jahren erweitert: auf dem Weg zur erfolgreichen Umsetzung eines Projektes verlangen Unternehmen nicht mehr alleine die Bereitstellung von Fach- und Methodenkompetenz. Zur Sicherung der Nachhaltigkeit ihres Tuns während der Implementierung gilt es, den Wissens- und Know-How-Transfer auf operativer Ebene aufzusetzen und zu steuern.
Die Idee ist, Konzepte und Methoden in der Organisation zu verankern und die dauerhafte Zielerreichung auch nach Projektabschluss zu gewährleisten. Während große Konzerne die Möglichkeit haben, fachlich und ressourcenseitig zentrale Inhouse-Bildungs- und Fortbildungsprogramme anzubieten, sind kleinere Unternehmen gezwungen, auf externe Dienstleister zurückzugreifen. Diesen Markttrend haben einige Beratungen erkannt und erweitern ihr Geschäftsfeld entsprechend. Durch angegliederte Akademien oder enge Kooperationen mit geeigneten externen Schulungsunternehmen bzw. Lehrstühlen können Kunden fachspezifische Schulungen angeboten werden. Somit können gezielt Schulungen durchgeführt werden, die projektspezifisch abgestimmt und gegebenenfalls unternehmensspezifisch individuell aufgesetzt werden.

Grundsätzlich geht es bei den Schulungen um operative Inhalte, die oftmals auf Basis einer der folgenden drei Szenarien entstehen:

Erstens werden bei Einführung bzw. Anpassung von Prozessen häufig auch aufbauorganisatorische Änderungen notwendig. Diese resultieren dann gegebenenfalls in veränderten oder gar neuen Stellenbeschreibungen, die entweder durch neue oder bestehende Mitarbeiter besetzt werden müssen. Unternehmensberatungen nutzen hier ihre direkte Beteiligung am Projekt und den Zugang zu den Entscheidern, um effiziente und zeitlich optimierte Lösungen anzubieten: direkte, operative Schulungen, die inhaltlich sowie fachlich auf die unternehmens- oder projektspezifischen Anforderungen abgestimmt sind.

Zweitens können im Rahmen der Projektarbeit oftmals Defizite in der Umsetzung des Tagesgeschäfts nachgewiesen werden. Ob Dispositionsmethodik zur Erreichung von Bestandszielen, oder die Anwendung von Projektmanagement-Tools zum Controlling im OTC-Prozess: historisch gewachsene Organisationen kleinerer und mittlerer Unternehmen haben oftmals das Thema Weiterbildung vernachlässigt.
In der Konsequenz tun sich Mitarbeiter schwer, neue Methoden zu erlernen und systematisch anzuwenden. Auch der Nutzungsgrad von ERP System ist in vielen Unternehmen unterentwickelt: hier lassen sich schnelle, effiziente und nachhaltige Erfolge erzielen, wenn die richtigen Mitarbeiter kompakt in den entsprechenden Themen geschult werden.

Drittens wird bei der Einführung neuer Philosophien und Ansätze zusätzliches Spezial-Know-How notwendig. Neben Fachkräften richten sich diese Schulungen auch an Führungskräfte. Hierbei geht es in erster Linie darum, ganzheitliche Ansätze auch in spezialisierten Ausprägungen zu verstehen und zur Anwendung zu bringen. Gerade bei Schlagwort behafteten Themenfeldern wie Lean Management und Supply Chain Management kann die Umsetzung im Unternehmen nur dann gelingen, wenn das Verständnis auch in die Breite getragen wird.

Neben fachspezifischen Best-Practice-Ansätzen werden aber auch Methoden wie die Erstellung und der Umgang mit Wertstromanalysen oder Lagerstrukturanalysen vermittelt. Komplementär zu Frontalschulungen ganzer Abteilungen erfreuen sich zunehmend sogenannte Train-the-Trainer Konzepte steigender Beliebtheit: dabei werden ausgewählte Fach- und Führungskräfte befähigt, organisationsintern Inhalte zu vermitteln und strukturiert zu verbreiten.

Durch ihren tiefen Einblick in die individuellen Schwachstellen ihrer Kunden und die Ausrichtung der Schulungen an die unternehmensspezifischen Bedürfnisse erschließen Beratungen einerseits neue Geschäftsfelder. Andererseits helfen sie Unternehmen, Ergebnisse auch nachhaltig zu sichern.

Von einer systematischen Integration unternehmensspezifischer Fortbildungen in das Beratungsprojekt profitiert damit nicht nur jeder einzelne Mitarbeiter, sondern auch das gesamte Unternehmen.