IPL-Magazin 21 | Oktober 2012 | Autor:  Prof. Dr. Klaus-Jürgen Meier

Das Echolot-Verfahren ortet die Ursachen für Überbestände in Unternehmen!
 

Prof. Dr. Klaus-Jürgen Meier

Mit Hilfe eines Echolots gelingt es der Wissenschaft, das Relief selbst tief gelegener Meeresboden zu erforschen. Ähnlich verhält es sich beim Echolot, welches die IPL-Beratung zur Erforschung von Klippen in Geschäftsprozessen einsetzt – vgl. dazu auch den vorausgehenden SCM-Fachbericht „Reiten auf der Welle„ von Markus Ehmann. 

Obwohl vollständig durch überhöhten Bestand verdeckt, kommen die Probleme zum Vorschein, die es verhindern, dass Geschäftsprozesse einfacher, schneller und mit mehr Flexibilität ablaufen. Flexibilität, die benötigt wird, um schnell auf Veränderungen in der Auftragslage reagieren zu können. Dies gilt unabhängig davon, ob der Kunde seine Bestellungen erhöht, verändert oder sogar reduziert.

Flexibel und erfolgreich – trotz geringem Bestand?

Richtig ist, kein produzierendes oder Handelsunternehmen kann ohne Bestände existieren. Aber, überhöhte Bestände sind ein Symptom für Defizite in den Geschäftsprozessen, welche flexibles Handeln sogar blockieren.

Gravierende Folgen hat dies, wenn sich die Konjunktur verändert. Das Unternehmen ist entweder nicht lieferfähig oder gefährdet seine Liquidität durch eine hohe Kapitalbindung. Die individuell zu beantwortende Frage lautet, ab welchem Pegelstand spricht man von einem überhöhten Bestand? Welcher Bestandspegel ist noch als normal zu bezeichnen? 

Eine Studie des IPL unter rund 450 produzierenden Unternehmen zeigt, dass erfolgreiche Unternehmen weniger als 20% des Geschäftsvermögens im gesamten Logistikkreislauf binden. Das Schlusslicht stellen Unternehmen mit einer Rate von ca. 80% und mehr dar. Dabei besteht eine erhebliche statistische Korrelation zwischen der Kapitalbindung und dem Unternehmenserfolg. Je geringer die Kapitalbindung, desto größer der Erfolg. 

Das Echolot-Verfahren durchdringt jede Bestandshöhe

Zur Identifikation der überzähligen Bestände, setzt das Echolot-Verfahren der IPL-Beratung bei den Prozessen an (vgl. Abb. 1). Informations- und Materialflüsse werden in ihrer Wechselwirkung analysiert. Stellen, an denen es zu reduzierten Flussgeschwindigkeiten kommt, stauen Bestände. Erschwerend erweist sich dabei, dass Prozessprobleme und Bestandsbildung örtlich selten zusammenfallen. Erst ein spezielles Ursachen-Wirkungsdiagramm deckt die Zusammenhänge auf und liefert erste Erkenntnisse, welche Klippen im Fluss die Strömungsgeschwindigkeit entscheidend abbremsen.


Abb. 1: Um ein Abbild des Meeresbodens zu erhalten, sind dreidimensionale Aufnahmen erforderlich. In der Logistik bilden der Materialfluss, der Informationsfluss und der Finanzfluss diese drei Dimensionen. Erst durch die Überlagerung der Perspektiven ergibt sich ein ganzheitliches Bild.
Die Auswirkungen auf den resultierenden Finanzfluss können quantifiziert werden. Es entstehen exakt quantifizierbare Szenarien, welche Veränderungen sich durch die Beseitigung der Behinderungen und Überbestände ergeben. Damit ist sichergestellt, dass der Aufwand zur Beseitigung der Prozessprobleme nicht an falscher Stelle investiert wird. Bereits vor der Realisierung der Maßnahmen liegen sämtliche Aufwendungen und Ergebniswirkungen zur Priorisierung durch das Management transparent vor. 

An die Analyse schließt eine Umsetzungsphase an. Diese zeigt zumeist schon nach sehr kurzer Zeit erste Wirkungseffekte. Je nach Umfang der erforderlichen Maßnahmen kann es – in Ausnahmefällen - bis zu einem Jahr dauern, bis alle Ziele erreicht sind. Auch hier leistet das Echolot-Verfahren weiterhin wertvolle Unterstützung. 

Eingesetzt als eine Art Projektcontrolling verschafft es Transparenz,wie sich die Strömungsgeschwindigkeiten verändern und in welchem Umfang ggf. noch nachjustiert werden muss. Die Termineinhaltung und die Realisierung der Erfolgswirkung werden unterstützt. Es entsteht eine durchgängige Dokumentation, welche selbst nach dem Projektabschluss weitergeführt werden kann. Eine kontinuierliche Anwendung verhindert dann, dass sich – verdeckt durch Bestand - erneut störende Klippen im Tagesgeschäft bilden.

Bestand als Symptom vieler Ursachen

Die vordergründigen Ursachen für einen Bestandsaufbau sind vielfältig. Bild 2 zeigt eine Zusammenstellung häufig anzutreffender Argumente. Das Echolot-Verfahren bewertet objektiv und schnell die Sinnhaftigkeit in einem konkreten Anwendungsfall. Der Nutzen für Unternehmen ist immens. Geschwindigkeit in den Geschäftsprozessen anstelle augenscheinlicher Absicherung durch Bestand bietet den Unternehmen die notwendige Flexibilität, um sich schnell auf Veränderung des Marktumfelds einzustellen. Angesichts steigender Volatilität der Märkte wird dies immer mehr zu einem überlebenswichtigen Faktor.

 

 Abb. 2: Bestandsaufbau kennt viele Argumente – doch die echten  Ursachen bleiben oft unerkannt.