IPL-Magazin 18 | Januar 2012 | Autor:  Moritz Brandstetter (IPL) 

Die derzeitige wirtschaftliche Situation verunsichert nicht nur viele Privatleute sondern auch mehr und mehr Unternehmen. Aus diesem Grund stellt das IPL vier marktübliche Indikatoren vor, die Unternehmen helfen können, um Anzeichen für einen Abschwung oder auch Aufschwung schneller und präziser deuten zu können.
 

Moritz Brandstetter (IPL)Baltic Dry Index (BDI)

Der BDI ist ein wichtiger Preisindex für das weltweite Verschiffen von Hauptfrachtgütern, meist Rohstoffen (Kohle, Erze, Erdöle) auf den wichtigsten Schifffahrtsrouten. Ermittelt wird er aus den Angaben der verschiedenen Marktteilnehmer [1]. Er wird seit 1985 täglich um 14:00 (MEZ) von der Baltic Exchange (1744 in London gegründet) veröffentlicht (Basiswert 1985: 1000 Punkte).

Der Baltic Dry Index ist ein sogenannter Frühindikator, weil er direkt mit der Nachfrage nach Rohstoffen im Zusammenhang steht und somit sehr "früh" auf die Lage der Weltwirtschaft hinweist. Die restlichen Indizes spiegeln erst die "spätere" wirtschaftliche Lage, wenn aus den Rohstoffen Waren hergestellt worden sind. Zwischen August 2005 und Oktober 2007 steigt er auf über 10.000 Punkte, um dann bis in den Januar 2008 auf etwa 5.000 abzustürzen und dann wieder auf über 11.500 Punkte im Mai 2008 (Allzeithoch) zu steigen.

Dann spitzte sich die Finanzkrise zu, sodass der Index bis Dezember 2008 auf 663 Punkte sank [2].  Im Jahr 2010 schloss der BDI dann bei 1.773 Punkten. Mit einem Minus von 41% war das Jahr 2010 das viert schlechteste in der Geschichte des BDI. Die Ursache hierfür war vor allem der Nachfragerückgang an Rohstoffen in China. Der Abwärtstrend hielt auch 2011 an. Im Februar fiel der BDI auf 1.043 Punkte der tiefste Stand seit Januar 2009. Der Jahreshöchststand im Oktober 2011 von 2.173 Punkten kann hauptsächlich auf eine Nachfragebelebung von China nach Erz und Kohle zurückgeführt werden [3]. 

Der Index scheint nach wie vor volatil zu sein. Jedoch hat er sich in den vergangenen 6 Monaten stabilisiert auf einem Wert um die 1.800 Punkte. Der BDI spiegelt das erwartete Handelsaufkommen auf den Weltmärkten durch die Wiedergabe der Frachtpreise von Rohstoffen.
 

Abb. 1:  Baltic Dry Index  (www.bloomberg.com)
 

IFO-Index - Geschäftsklima

Der IFO-Index ist der am stärksten beachtete Geschäftsklimaindex in Deutschland. Das IFO-Institut befragt monatlich insgesamt 7.000 Unternehmen aus verschiedenen wirtschaftlichen Bereichen nach ihrer Einschätzung der Geschäftslage sowie nach ihren Erwartungen für die nächsten sechs Monate. Zur Berechnung des Indexwerts wird das Geschäftsklima auf den Durchschnitt des Jahres 2005 normiert. Der Geschäftsklimaindex ist der geometrische Mittelwert aus den Salden der Geschäftslage und den Erwartungen. Das IFO-Klima für die gewerbliche Wirtschaft in Deutschland hat sich im November 2011 erstmals seit vier Monaten wieder verbessert. Das IFO-Institut schließt daraus, dass die Geschäftserwartungen von Unternehmen als weniger skeptisch beurteilt werden [4].  Man kann am IFO-Geschäftsklimaindex erkennen, dass die deutsche Wirtschaft sich im internationalen Vergleich besser schlägt. Aus dem IFO-Geschäftsklimaindex können die Erwartungen der Unternehmen an das wirtschaftliche Umfeld abgeleitet werden.



Abb. 2:  IFO Geschäftsklimaindex (www.cesifo-group.de)


Deutscher Aktienindex (DAX)

Der DAX spiegelt das wirtschaftliche Klima an den Finanzmärkten wider. In ihm sind Unternehmen aus fast allen Industriesegmenten vertreten. Der DAX bildet die 30 größten Aktienunternehmen in Deutschland ab. Kauf- und Verkaufsentscheidungen von Aktien aus diesem Index basieren auf verschiedenen Faktoren: Von Bauchentscheidungen bis hin zu wissenschaftlichen Überlegungen, wie sich Unternehmen entwickeln werden. In diese Entscheidungen spielen die Erwartungen der Anleger über die Entwicklung der Weltwirtschaft hinein. Deshalb ist der DAX ein guter Indikator, wie Investoren die Wirtschaftsentwicklung einschätzen: Derzeit ist der Markt von einer extremen Volatilität bestimmt. Gewinne und Verluste bei Einzelwerten von bis zu 10% sind keine Seltenheit. Deswegen pendelt der DAX in den letzten Wochen in einem Bereich zwischen 5.200 und 6.200 Punkten. Bis die Euro-Finanzkrise ausgestanden ist, wird sich dies wahrscheinlich auch nicht ändern. Der DAX wird als dritter Indikator verwendet, um die Anlegererwartungen an das wirtschaftliche Umfeld abzubilden.


Abb. 3:  DAX30 (boersen.manager-magazin.de)


Deutsches Bruttoinlandsprodukt (BIP)

Das Bruttoinlandsprodukt gibt den Wert aller innerhalb Deutschlands produzierten Güter und Dienstleistungen an, die innerhalb eines Jahres erstellt und angeboten werden. Die Veränderungsrate des realen BIP dient als Messgröße für das Wirtschaftswachstum der Volkswirtschaft. Das BIP gilt damit als die wichtigste Größe der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung.

Wächst das BIP, basierend auf dem Vorjahreswert, liegt Wachstum vor, schrumpft das BIP über mehr als 2 Quartale, liegt Rezession vor [5]. Veröffentlicht wird es quartalsweise u.a. vom deutschen statistischen Bundesamt [6]. Die deutsche Wirtschaft scheint derzeit relativ unbeeindruckt von der Euro-Krise. Im Sommerquartal hat das BIP um 0,5% zugelegt. Für deutsche Verhältnisse ist dieses Wachstum sehr groß und sogar noch eine Steigerung im Vergleich zum Frühjahr.

Zum einen kann dies durch Exporte begründet werden zum anderen aber auch durch die gestiegene Inlandsnachfrage. Am BIP lässt sich derzeit die Krise nicht ablesen. Trotzdem sagt ein Quartal wenig über das nächste wie 2008 klar zu erkennen ist. Das BIP reflektiert die derzeitige Reale wirtschaftliche Situation.


Abb. 4:  BIP in mrd €  (www.destatis.de)



Zusammenfassung:

Der IFO-Index und der BDI sind "Frühwarnindikatoren". Der BDI hat sich in den letzten Monaten zunehmend stabilisiert. Auch im IFO-Geschäftsklimaindex zeigt sich nach 4 Monaten erstmals wieder ein Aufwärtstrend. Trotz dieser beiden positiven Anzeichen scheinen die Anleger nach wie vor verunsichert. Die starke Volatilität am Markt zeigt deutlich die Nervosität der Investoren. Jedoch stellt sich die Frage, wie aussagekräftig momentan der DAX im Licht der Euro-Krise wirklich ist. Das BIP für Q3 und Q4 2011 spricht jedenfalls eine andere Sprache.

Es bleibt abzuwarten, ob BDI und der IFO-Index recht behalten und sich ein weiteres Wachstum in 2012 abzeichnet oder ob die Anleger recht behalten und die wirtschaftliche Situation weiterhin ungewiss bleibt, was sich durch das Anlegerverhalten am DAX abzeichnet.

 


Quellen:
[1] http://www.balticexchange.com/

[2] http://www.faz.net/aktuell/finanzen/fonds-mehr/geschlossene-fonds-schiffsfonds-anbieter-versuchen-sich-mit-neuen-konzepten-1235086.html

[3] http://www.wirtschaftsblatt.at/archiv/fisch-macht-appetit-frachtschiffe-bloss-seekrank-490054/index.do

[4] http://www.cesifo-group.de (Dezember 2011)

[5] Wöhe G. (2011): Einführung in die Betriebswirtschaftslehre

[6] www.destatis.de