IPL-Magazin 16 | Juli 2011 | Autor:  Prof. Dr. Klaus-Jürgen Meier (IPL) 


"Ein softwaregestütztes Werkzeug des IPL bietet Unternehmen die Möglichkeit, durch Veränderung und Optimierung der unternehmensübergreifenden Logistikkette, die Potenziale in Bezug auf Kosten und Leistungsfähigkeit transparent werden zu lassen. Durch die Ausweisung von CO2-Äquivalenten der Logistikkette unterstützt das Tool Unternehmen zudem bei ihren Anstrengungen, die Umweltbelastung nachhaltig zu senken.“
 

Prof. Dr. Klaus-Jürgen Meier (IPL)Durch Gestaltung der Logistikkette, vom Lieferanten bis zum Kunden, die Kosten und Leistungsfähigkeit optimieren

Die Globalisierung verlangt von produzierenden Unternehmen und Handelsunternehmen in steigendem Maße, ihre Erzeugnisse über große Distanzen hinweg anzubieten.

Damit werden die Unternehmen gezwungen, die Beschaffung, Transporte, Lagerhaltungsstufen oder auch die Produktion in einem globalen Netzwerk, dem sogenannten Global Footprint, zu organisieren.

Aus der Kombination der genannten logistischen Prozesse ergeben sich zahlreiche alternative Lösungsansätze, welche in starkem Umfang die Leistungsfähigkeit aber auch die Kostensituation und Kapitalbindung der Unternehmen beeinflussen.

Zur Bestimmung der jeweils resultierenden Kenngrößen und damit zur Optimierung des Global Footprint hat das IPL ein softwaregestütztes Werkzeug entwickelt. Es ermöglicht die einfache Modellierung eines Netzwerkes und dessen Bewertung. Die nachstehende Abbildung 1) stellt beispielhaft zwei unterschiedliche Logistikketten in Europa gegenüber.

 

Abb. 1:  Szenarienhafte Gestaltung der Logistikkette vom Lieferanten bis zu den Kunden in zwei alternativen Ausführungen
 

Mit beiden Lösungen gelingt es dem betrachteten Unternehmen (rote Produktionsstandorte), die grün gekennzeichneten Kunden zu beliefern. Dazu erhält das Unternehmen Rohmaterial von Lieferanten (blaue Darstellung) und puffert die Fertigerzeugnisse vor der deren Auslieferung in Distributionszentren (gelbe Markierungen), um eine kurzfristige Lieferzeit gegenüber den Kunden zu gewährleisten.

Deutlich zu erkennen ist in der Abbildung, die unterschiedliche Anzahl an Lagerhaltungsstufen bis zur Auslieferung an den Kunden. Damit unterscheiden sich die beiden Alternativen bezüglich der Lagerbestände, der resultierenden Beschaffungs-, Lagerhaltungs-, Bestands- und Transportkosten, aber auch bezüglich der realisierbaren Lieferzeiten.

Wie sich dies auf die Zielgrößen des Unternehmens auswirkt, zeigt die Auswertung in Abbildung 2). Einer sehr kurzen Lieferzeit in Alternative A, bedingt durch zahlreiche Distributionslager in Kundennähe, stehen relative hohe Kosten gegenüber.

In Alternative B verschlechtern sich die Lieferzeiten geringfügig, ermöglichen jedoch eine Kostenersparnis um ca. 40%.
Die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Kostentreibern sind komplex. Aus diesem Grund hat das IPL ein Werkzeug entwickelt, welches die aus einer Veränderung einer Supply-Chain resultierenden Kosten- und Leistungsgrößen berechnet.


Abb. 2 :  Gegenüberstellung der Kosten und Leistungen für die Logistikketten aus Abbildung 1)

Durch ein einfaches ‚Pick and Place'-Prinzip ist es dem Anwender möglich, die modellierte Logistikkette des Unternehmens weiter zu verändern und die Effekte auf die dargestellten Größen transparent werden zu lassen.

Entscheidenden Einfluss auf die anfallenden Kosten und auf das Leistungsvermögen nimmt der z.B. Bestand je Lagerhaltungsstufe. So kann durch eine Reduktion der Zielbestände in einem Zentrallager die Kostensituation deutlich verbessert werden. Gleichzeitig wird mit dieser Maßnahme ggf. jedoch auch die Materialversorgung nachgeordneter Distributionslager gefährdet.

Um die Wechselwirkung zwischen Bestandshöhe und Lieferfähigkeit zu erfassen, reicht eine statische Modellbildung des Global Footprints nicht mehr aus. In einer numerischen Simulation werden deswegen unternehmensspezifisch die Einflussgrößen auf die Lieferfähigkeit aufgenommen und der Zielbestand je Lagerhaltungsstufe in Abhängigkeit der Bestandshöhe ermittelt. Bei den erfassten Einflussgrößen auf den Zielbestand handelt es sich um die charakteristischen Größen im Bereich Lagerauffüllung (z.B. Wiederbeschaffungszeit) und -entnahme (z.B. Entnahmehäufigkeit) sowie deren Streuung. Hierbei kann eine sachnummernfeine Auflösung der Auswertungen erreicht werden.

Mit Hilfe dieser Vorgehensweise wird es möglich, Logistikketten hinsichtlich einer bestimmten Leistungsfähigkeit auszulegen und nur solche Ketten zu vergleichen, welche auch über eine äquivalente Leistungsfähigkeit verfügen. Abbildung 3 zeigt die Veränderung der Lieferfähigkeit durch Variation des Zielbestands in einer konkreten Konstellation.
Neben der Bestandshöhe hat die Transportfrequenz einen weiteren entscheidenden Einfluss auf die anfallenden Kosten, die Leistungsfähigkeit gegenüber dem Kunden, aber auch auf die Belastung der Umwelt. Häufige Transporte führen ggf. zu einer geringen Auslastung der Transportkapazitäten oder zu Mindermengenzuschlägen im Falle der Einschaltung von unternehmensfremden Frachtführern.


Abb. 3:  Zusammenhang zwischen dem Zielbestand einer Lagerstufe und der resultierenden Lieferfähigkeit unter Berücksichtigung der  unternehmensspezifischen Randbedingungen

Aus der Ermittlung der Transporthäufigkeit, der Transportgewichte und -entfernungen lassen sich leicht die CO2-Äquivalente berechnen. Unternehmen wird es damit möglich, den Global Footprint, in Szenarien, frühzeitig hinsichtlich steigender Energiekosten zu optimieren und den geleisteten Beitrag zur Nachhaltigkeit auszuweisen.

Das vorgestellte IPL-Werkzeug bietet also eine Plattform, um die operativ anfallenden Kosten einer Logistikkette zu erfassen, zu optimieren und ihrer (maximalen) Leistungsfähigkeit gegenüberzustellen. Da die planerischen Veränderungen der Logistikkette durch eine einfache Bedienbarkeit der Software unterstützt wird, gelingt es auch, Unternehmen im Rahmen der strategischen Neuausrichtung eines Global Footprints zu unterstützen.

Je nach Komplexität der Aufgabenstellung kann die Beantwortung von Fragestellungen bereits innerhalb weniger Arbeitstage vorliegen.