IPL-Magazin 04 | Juli 2008 | Autor: von Tobias Kaiser (IPL) & Co-Autor: Stephan Dichtl (Leiter Logistik; Fa. Meiller)

  
Tobias Kaiser (IPL)Jedem sind sie sicher schon einmal auf der Straße begegnet, die rollenden Kolosse mit dem Schriftzug Meiller Kipper. Die F.X. Meiller GmbH & Co. KG ist ein Münchner Familienunternehmen mit heute ca. 2.000 Mitarbeitern und europaweiten Produktionsstandorten. Neben den Kipperaufbauten werden noch Aufzugtüren gefertigt.

 
Seit Mitte 2006 existiert ein rechtskräftiger Bebauungsplan, der eine künftige Verkleinerung des Hauptsitzes der Firma Meiller in München vorsieht. Auf den neuen Flächen soll auf der einen Seite ein Mischgebiet und auf der anderen Seite ein Gewerbegebiet entstehen. Neben den Bürogebäuden befinden sich heute am Standort München noch die Fertigungs- und Montagehallen für den Fahrzeugbau, das Rohrbiege- und Hydraulikwerk und die Fertigung der Aufzugtüren.

 

Die Fertigung der großvolumigen Stahlbauteile erfolgt für fast alle Meiller Standorte im Tochterwerk in Tschechien. In Zahlen ausgedrückt bedeutet dies, dass die Gesamtfläche des Standorts München von heute 211.000 m2 auf 107.000 m2 und die Fläche der Fertigungs- und Montagehallen von heute 75.000 m2 auf 55.000 m2 bis zum Jahr 2010 verringert werden sollen.

Deshalb stellte sich bei der Firma Meiller die Frage, wie wird es möglich sein die heutige Produktion bei den veränderten Rahmenbedingungen aufrechtzuerhalten und zusätzlich noch ein jährliches Umsatzwachstum im zweistelligen Bereich mit zu berücksichtigen?
 

Um diese Fragestellung fundiert zu klären, entschloss man sich mit einem externen Beratungsunternehmen zusammen zu arbeiten. Während eines Vorprojektes zusammen mit IPL kristallisierte sich heraus, dass die Flächenreduzierung nur durch die Optimierung der logistischen Prozesse zu bewerkstelligen ist. Denn die Analyse ergab, dass die größten Flächenanteile durch Bestände an Rohmaterialien, Unfertigen- und Fertigerzeugnissen im Außenbereich belegt sind.
 

Bild 1 und 2 zeigt den IST-Bestand und den SOLL-Bestand an Freilagerflächen nach der Standortverkleinerung bis zum Jahr 2010.
 

 






Abb . 1:

IST-Bestand an Freilagerflächen
(blau markierter Bereich) | Bildquelle: Stephan Dichtl, Meiller Kipper GmbH & Co. KG

 
 















Abb . 2:
SOLL-Bestand an Freilagerflächen

(Blau markierter Bereich) | Bildquelle: Stephan Dichtl, Meiller Kipper GmbH & Co. KG
  






 

In enger Zusammenarbeit mit dem Unternehmen Meiller soll von IPL bis Ende 2008 ein logistisches Konzept erarbeitet werden, mit dem es langfristig möglich ist die Produktion unter Berücksichtigung der reduzierten Flächen sicher zu stellen. Eine Reduzierung der Freilagerflächen wird nur durch eine Verkürzung der Durchlaufzeit und einer damit verbundenen Reduzierung der Materialbestände möglich sein.
 

Die Abriss- und Umbauarbeiten der Büro- und Betriebsgebäude haben bereits begonnen. Zur Reduzierung des Aufwands erfolgte zuerst nur für einen Spartenbereich der Kippermontage die Analyse der IST-Situation und die Ableitung eines Sollkonzepts. Die gewonnen Erkenntnisse sollen dann auf die anderen Spartenbereiche übertragen werden.
 

Die Analyse der IST-Situation ergab, dass die hohen Materialbestände und die damit verbundene hohe Flächenauslastung vor allem durch Fehlteile und durch eine fehlende Umterminierung der Fertigungsaufträge hervorgerufen werden. Eine Umterminierung der Fertigungsaufträge ist vielfach notwendig, da die Voraussetzungen für eine unterbrechungsfreie Fertigung nicht gegeben sind, z. B. wenn die Materialien eines Unterlieferanten nicht wie vereinbart eintreffen. Hinzu kommt noch, dass die Materialien dezentral über den ganzen Standort verteilt gelagert werden und es keine geschlossenen Lager gibt. Dadurch werden viele Materialien nicht mehr gefunden und da die Fertigungsaufträge nicht vorkommissioniert werden ist eine Montagarbeiter einen Großteil seiner Arbeitszeit mit Suchen beschäftigt.
 

Bei der Optimierung der logistischen Prozesse ist es zwingend notwendig alle Unternehmensbereiche mit einzubinden. Deshalb wurden nach der Erarbeitung des Sollkonzepts unternehmensweite Handlungsfelder abgeleitet und ein Maßnahmenplan für die Umsetzung erstellt.
 

Durch den veränderten Produktionsprozess (Informations- und Materialfluss) aus dem Sollkonzept ist es möglich die Materialbestände in dem analysierten Spartenbereich bis zu 40 Prozent und die Durchlaufzeit bis zu 45 Prozent zu reduzieren. Im weiteren Projektverlauf soll ein neues Lagerkonzept erstellt und die bisher gewonnenen Kenntnisse auf alle Bereiche des Fahrzeugbaus übertragen werden.
 

Da bereits im Herbst 2008 ein Teil des Fahrzeugbaus in die neuen Gebäude umzieht, müssen die erstellten Konzepte möglichst zeitnah umgesetzt werden. Deshalb erfolgen wöchentliche Meetings, bei denen möglichen Terminverzögerungen entgegengesteuert werden kann.
 
 

[IPL-Projekt Übersicht]