IPL-Magazin 19 | April 2012 | Autor: M. Sc. Thomas Theiler 


Als führender Spezialist für Antriebstechnik und solider, kompetenter Partner von Kunden in aller Welt steht Voith Turbo für Innovationskraft, Zuverlässigkeit und Fairness in unterschiedlichsten Einsatzbereichen. Voith Turbo entwickelt und baut modernste Antriebs- und Bremssysteme für Industrie, Schiene, Straße und Marine.


M. Sc. Thomas TheilerIm Rahmen eines Supply-Chain-Projektes erfolgt derzeit eine Neustrukturierung des standortinternen Informations- und Materialflusses in Garching. Im Zuge dieser Umgestaltung führte die IPL Beratung eine Analyse des Waren- und Informationsflusses im Bereich der Wellenfertigung durch. Ziel dieser Umstrukturierung ist eine bestandsarme Fließfertigung. Zusammen mit den Mitarbeitern von Voith Turbo wurde ein Soll- Konzept erstellt, welches den Ansatz einer prozessorientierten Struktur verfolgt.

Für die Herstellung der Getriebe gibt es, marktgeschuldet, nur sehr kurze Forecast-Zeiten. Um der Montage Versorgungssicherheit zu bieten, sind aufgrund langer Durchlaufzeiten Bestände aufgebaut worden. Zudem war nur mit sehr großem Planungsaufwand und der fast täglichen Änderung des Produktionsprogramms eine Sicherstellung der Lieferfähigkeit zur Montage hin gewährleistet. Nach einer Analyse-Phase, in der sämtliche Waren- und Informationsflüsse aufgenommen wurden, ist ein Konzept zur Verringerung der Durchlaufzeit entwickelt worden. Durch die Einbindung der beteiligten Mitarbeiter konnte das Konzept passgenau auf die bestehenden Fertigungseinrichtungen abgestimmt werden. In bewährter Vorgehensweise, das heißt, mittels Workshop- und Interviewtechnik, sind die innerbetrieblichen Abläufe schnell und transparent unter Zuhilfenahme der Wertstrommethode grafisch aufbereitet worden.

 

Zur besseren Veranschaulichung und zum besseren Verständnis sind die infrage gekommenen Wertströme übereinander gelegt worden. Dabei wurde der enorme Steuerungsaufwand zwischen den Abteilungen und über den gesamten Teilefluss erst richtig erkennbar. Die Komplexität erhöhte sich aufgrund der Varianten- und Mengenvielfalt. Es galt nun eine Lösung zu entwickeln, welche die Varianz und die Mengengerüste abbilden konnte, und das mit einem deutlich verringerten Steuerungsaufwand. Zudem sollten die Bestände reduziert werden.

Nach einigen Workshops konnte ein Konzept für eine, nach japanischem Vorbild, verschwendungsarme Fertigung erstellt werden. Ab einem bestimmten Punkt im Herstellungsprozess kann auftragsorientiert eingesteuert werden, da für ein gewisses Zeitfenster die Liefertermine fest stehen. Das bedeutet, dass ab diesem Punkt, die hergestellten Produkte einen definieren Abnehmer besitzen. Das bietet den Vorteil, dass die Produkte nicht auf Vorrat produziert werden.

Vor diesem sogenannten Kundenkopplungspunkt wurden die Losgrößen sinnhaft reduziert, was wiederum für einen geringeren Bestand und zu einer kürzeren Durchlaufzeit führt. Im Rahmen von Rüstworkshops, welche von Voith Turbo im Vorfeld schon durchgeführt wurden und durch geschickte Produktverlagerungen war die Losgrößenreduzierung auch aus kapazitiver Sicht möglich. Auch externe Arbeitsgänge fanden in diesem Konzept Ihre Berücksichtigung. Die Einbindung der Lieferanten, ganz im Sinne des Supply Chain Managements, hat zu einer Reduzierung der Durchlaufzeit geführt.
 

Als Ergebnis dieser Analyse steht eine Halbierung der Durchlaufzeit. Den Mitarbeitern der Fa. Voith Turbo ist aber bewusst, dass auch nach Einführung dieser Lösung weiter an Verbesserungen gearbeitet werden muss, bis hin zu dem Ziel „One Piece Flow“. Vor diesem Hintergrund wurde wieder in Workshops unter Einbeziehung der Beteiligten an einem Ideal-Konzept gearbeitet. Ausgehend von diesem Ideal-Konzept wurden Handlungsfelder abgeleitet um Stück für Stück in Richtung verschwendungsarme Produktion zu arbeiten, immer mit dem Hintergrund, sich am Markt erfolgreich zu positionieren.

 

Abb. 1: Soll-Wertstrom Voith Turbo