IPL-Magazin 10 | Januar 2010 | Autor: Elmiloudi Chbiki (IPL) 

Durch seine Eignung zum Einsatz innerhalb einer Lagerumgebung zeichnet sich das RFID-basierte Trackingsystem durch geringe Investitionskosten und eine miniaturisierte Hardware im Vergleich zu schon bestehenden Trackingsystemen aus.
 

   
Dipl. Inf.- (FH) Elmiloudi ChbikiDie Fakultät Wirtschaftsingenieurwesen  der Hochschule München arbeitet zusammen mit der Firma ORYX Technologies GmbH an dem Projekt  des  RFID Tracking Systems namens "RFID basiertes Tracking  System für die Kommissionierung". Das Ziel des Projekts ist die Entwicklung eines Systems, das den Kommissionierungsprozess* in einem Lager vereinfacht und beschleunigt.

 RFID steht für Radio Frequency Identification und ist ein Verfahren zur Identifikation von Objekten und Personen. Es ist ein drahtloses elektronisches Verfahren, das berührungslos arbeitet und die Objektdaten über eine gewisse Entfernung über Funkwellen  überträgt.

Ein RFID-System besteht aus dem Datenträger, die so genannten RFID-Tags, aus einer Antenne und aus einem  Lesegerät. Die RFID-Tags sind Transponder (Transmitter-Responder), die die RFID-Markierungen in Form von gespeicherten Daten enthalten. Sie werden zur Kennzeichnung an Regalen in einem Lager  befestigt.

 

Abb. 1:  Kommissionierungsprozess mit RFID Tags: Realisiertes Muster im Logistiklaber der HM

 

Das Lesegerät  (s. Abb. 2, 3 u. 4),  welches von der kommissioniernden Person* mitgeführt wird, sendet  durchlaufend ein Signal, welches von den im Lager angebrachten RFID-Tags gelesen wird. Die eingesetzten RFID-Tags sind passiv. Sie beziehen ihre Energie aus den Funkwellen des Lesegeräts und sind somit in der Lage, selbst ein Signal zu erzeugen. Die Position des Kommissionierers stimmt dann mit der Position der RFID Tags überein. Die Position, angegeben in kartesischen  Koordinaten,  wird dynamisch über WLAN  an das zentrale System übertragen.
 

Abb. 2:  Kommissionierungswagen von der Firma Wanzl Metallwarenfabrik GmbH  mit angebrachten Lesegerät (unten) und Antenne (seitlich an dem Wagen befestigt mit Oryx Logo) im Logistiklabor der HM


 

Im zentralen System läuft das Hauptprogramm, das die Position des Kommissionierers als Eingabe empfängt und ihn zum nächsten Ziel durch Ausgabe eines Richtungsvektors auf einem Display leitet, welches der Kommissionierer bei sich hat (s. Abb. 1).

 

Abb. 3:  Antenne als Teil des Lesegeräts

 

Durch die gezielte und flexible Führung des Kommissionieres wird der Suchaufwand deutlich minimiert. Die Effizienz steigt. Außerdem werden unerfahrene bzw. neue Mitarbeiter leicht und schnell ihre Suchartikel anhand der von dem System zur Verfügung gestellten Navigationsfunktionalität finden. Unternehmen sparen Schulungskosten für neue Mitarbeiter.

Mehrere Kommissionierer können gleichzeitig arbeiten. Das RFID basiertes Tracking System verfügt über eine Künstliche Intelligenz, die eine Kollision von Mitarbeiter vermeidet. So wird dynamisch einen optimierter Weg berechnet und den Kommissionierern zur Verfügung stellt. Ein weiterer Aspekt der Künstlichen Intelligenz ist die Berechnung optimierter Wege und Richtungsvektoren, um zu verhindern, dass zwei oder mehrere Kommissionierer gleichzeitig auf das gleiche Lagerfach zugreifen.
 

Abb. 4:  RFID-Tag Etikett angeklebt an dem Regal im Logistiklabor der HM, es beinhaltet den Transponder. Auf dem Etikett sind die Koordinaten X und Y ausgedruckt



Ausblick

Die Entwicklung eines RFID-basierten Trackingsystems bietet dem Unternehmen ORYX Technologies GmbH die große Chance sein Produktportfolio zu erweitern. Es ergeben sich neue Anwendungsmöglichkeiten für die entwickelten RFID-Transponder. Eine enge Zusammenarbeit mit der Hochschule München und dem IPL bringt die anwendungsorientierte Entwicklung des Produktes.

Die aktuelle Resonanz auf das laufende Projekt zeigt, dass der Bedarf und das Interesse am Einsatz eines Trackingsystems zur Erhöhung der Flexibilität und Produktivität sehr groß sind. Das technische Risiko für das RFID-basierte Trackingsystem wird im Bezug auf die Umsetzung der Funktionalität als gering eingestuft. Die Herausforderung liegt in der Entwicklung eines Systems, das am Markt angenommen wird (Kosten, Ergonomie).

Eine Marktstudie* *   der Unternehmensgruppe "The Supply Chain Group"  zeigt, dass die Marktgröße für den Vertrieb von Lagerverwaltungsystemen im Jahr 2007 im deutschsprachigen Raum bei 2623 Installationen lag. Dieses Volumen entspricht dem Zielmarkt des RFID-basierten Trackingsystems, da es ein Add-on für bestehende und zukünftige Lagerverwaltungssysteme darstellt. Bei der geplanten Marktdurchdringung von 3% im ersten Verkaufsjahr bedeutet dies den Verkauf von 78 Systemen.

Im darauffolgenden Jahr liegt bei einer voraussichtlichen Marktdurchdringung von 20% der Absatz bei 520 Einheiten. Die Rahmenbedingungen für Unternehmen werden sich aufgrund der Artikelvielfalt und einer steigenden Anzahl an Aufträgen für die Kommissionierung weiter ändern.

Die Unternehmen sind deswegen gezwungen, zum Erhalt Ihrer Wettbewerbsfähigkeit und letztendlich auch zur Sicherung von Arbeitsplätzen, ihre Prozesse hinsichtlich Flexibilität und Produktivität zu optimieren.

Die positiven Marktaussichten bieten der ORYX Technologies GmbH die Chance, durch die Erweiterung des Produktportfolios und die Bedienung neuer Märkte mittel- bis langfristig die eigene Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Gerade in Zeiten einer weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise sind es innovative Produkte, die den Unternehmen helfen ihre Zukunft zu sichern.

 


*  Kommissionieren ist das Zusammenstellen von bestimmten Teilmengen ( Artikeln ) aus einer bereitgestellten Gesamtmenge ( Sortiment )
     aufgrund von Bedarfsinformationen ( Auftrag ). Vgl. 
http://dictionary.babylon.com/Kommissionierung
* *  Vgl.
http://www.iwl.de/web/iwl.nsf/files/wms/$file/IWL%20LVS-Marktstudie2006-2007.pdf (09.01.2009)