IPL-Magazin 03 | April 2008 | Autor: Christian Reisinger von der SPHEROS GmbH








Christian Reisinger Das Prinzip der Konsignation lässt sich für die zwei Partner einer Lieferanten-Kunden-Beziehung gewinnbringend mit dem Konzept des Vendor Managed Inventory verknüpfen.

Doch welche Barrieren gilt es bei der Einführung dieser Kombination innerhalb des Europaweiten Warenverkehrs zu überwinden?

 




Ein Erfahrungsbericht am Beispiel Deutschland – Frankreich. 

 

Begrifflichkeiten

Vendor Managed Inventory (VMI)
Beim VMI übernimmt der Lieferant die Materialdisposition des Kunden. Ein Lieferimpuls durch den Kunden entfällt.
 

Konsignation
Bei der Konsignation unterhält der Lieferant einen eigenen Lagerbestand bei seinem Kunden zu dessen Verfügung. Wenn der Kunde die Ware entnimmt, wird sie abgerechnet.
 

Fallbetrachtung
Im aktuellen Fall wurde eine Konsignationsabwicklung mit VMI vereinbart und eingeführt. Die Materialdisposition in diesem Prozess erfolgt Programm-gesteuert d.h. aufgrund von Forecasts und Auftragsdaten der Endkunden.
 

Potenziale und Ängste
Eine anfängliche Skepsis des Lieferanten gegen das Modell ist aufgrund der alleinigen Verantwortung für die Materialverfügbarkeit und das Bestandsrisiko verständlich.
 

Gleichwohl sind die Ängste bei einer genaueren Betrachtung und durch geeignete Maßnahmen (z.B. Konsignationsvertrag) schnell auszuräumen oder können kompensiert werden. Bei Konsignation + VMI kann der Lieferant durch eine niedrigere Frequenz von Anlieferungen bei den Transporten sparen und ist insgesamt flexibler in seiner Produktionsplanung. Der Kunde hat Vorteile aufgrund einer minimalen Kapitalbindung und verringerten Prozesskosten.
 

Barrieren

ERP - Bestandsführung
Die meisten aktuellen integrierten ERP-Systeme können einen Konsignationsbestand führen und verwalten. Bei einer älteren Software, führt bereits diese Bestandsführung zu einem größeren Arbeitspaket. Im aktuellen Beispiel wurde die Einführung der Software SAP abgewartet, die dieses Feature bietet.

ERP – Informationsweitergabe
Um die Informationen über Bedarf und Bestand möglichst genau und zeitnah an den Lieferanten weitergeben zu können, wurde ein Online-Zugriff auf das Kunden-ERP-System vorgesehen. Für einen sicheren Zugriff allerdings stößt selbst ein ERP-System wie SAP im Standard (ohne die teure Einführung weiterer Module wie z.B. einem Lieferanten-Portal) an seine Grenzen. Als Lösung wurde eine eigene Transaktion programmiert, die in Kombination mit einer VPN-Verbindung durch den Lieferanten aufgerufen werden kann. Als Alternative wäre hier nur ein täglicher e-mail-Versand der Daten in Frage gekommen.

Datenqualität
Wegen dem direkten Zugriff eines Fremden auf das Kundeneigene ERP-System, rückt das Thema Datenqualität stark in den Vordergrund. Die Daten sollten jederzeit verlässlich, aktuell und eindeutig sein. Bei dieser Art der Informationsweitergabe kann keine nachträgliche Kosmetik z.B. von Lieferabrufen betrieben werden.

Abrechnung
Bei der Abrechnung der entnommenen Ware bietet sich im Normalfall das Gutschriftsverfahren an. In Frankreich konnte diese Form der Abrechnung nicht eingesetzt werden. Ein Rechnungsbeleg ist hier obligatorisch. Deswegen wurde eine wöchentliche Entnahmemeldung ins Leben gerufen aufgrund derer der Lieferant abrechnet.

Warenverkehr EU
Beim normalen Warenverkehr in der EU handelt es sich um eine sog. „Innergemeinschaftliche Lieferung (IL)“. Eine Warenlieferung in ein eigenes Lager in einem anderen EU-Staat ist eine „Innergemeinschaftliche Verbringung (IV)“. Im Fall eines Konsignationslagers müsste der Lieferant das Verbringen und die spätere Entnahme umsatzssteuerlich registrieren lassen. Dies würde eine eigene Umsatzsteueridentnummer für das ausländische Konsi-Lager des Lieferanten erfordern.
 

Zur Lösung dieses Problems gibt es in einigen EU-Mitgliedstaaten Vereinfachungsregeln, wodurch eine steuerliche Erfassung der IV vermieden werden kann und eine IG auf den Zeitpunkt der Entnahme fingiert wird. Der mögliche Wegfall der USt-Identnummer ist zusätzlich in einer Verfügung der Oberfinanzdirektion in Karlsruhe aus dem Jahr 1999 geklärt.

Feedback
In einem Feedback-Gespräch zusammen mit dem Lieferanten wurde der neu eingeführte Prozess beurteilt. Die Resonanz war auf beiden Seiten wie erwartet äußerst positiv. [*]



Kontakt zum Autor:

Christian Reisinger

Spheros GmbH
Friedrichshafener Str. 9-11
82205 Gilching

Tel +49 (0) 8105 7721 307

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