IPL-Magazin 02 | Januar 2008 |Autor: Nicola Bernard, Verkehrsfachwirtin (IHK) Servicebüro für Außenhandels-Logistik


Der Zugelassene Wirtschaftsbeteiligte (DZW) = Authorised Economic Operator (AEO) oder warum tangiert dieses Thema früher oder später primär jedes Unternehmen aus der Logistikbranche? 

 
Nicola Bernard Verkehrsfachwirtin (IHK)I.  Zu den Hintergründen:

Die zunehmende Globalisierung und die veränderte internationale Sicherheitslage haben die Weltzollorganisation (WZO) veranlasst mit einem „Framework of Standards to Secure and Facilitate global Trade“ (SAFE) weltweite Rahmenbedingungen für ein modernes und effektives Risikomanagement in den Zollverwaltungen zu schaffen. Die Europäische Union hat die Vorgaben des SAFE durch die Verordnung Nr. 648/2005 zur Änderung des Zollkodex der Gemeinschaft (Sicherheitspaket) und die Verordnung 1875/2006 zur Änderung des Zollkodex-Durchführungsverordnung umgesetzt.
 
 
Ein wesentliches Element dieser Sicherheitsinitiative ist, neben der Einführung eines  europaweiten Risikomanagements und der ab 01. Juli 2009 verpflichtenden Abgabe einer Vorabanmeldung bei der Warenein- und ausfuhr, die Einführung des Status des ZWB (AEO). Ab 1. Januar 2008 können Unternehmen, die in der europäischen Union ansässig sind und am Zollgeschehen beteiligt sind, diesen Status beantragen. Der Status berechtigt zu Vergünstigungen bei sicherheitsrelevanten Zollkontrollen und Vereinfachungen gemäß Zollvorschriften. Ziel ist die Absicherung der internationalen Lieferkette (Supply chain) vom Hersteller einer Ware bis hin zum Endverbraucher. Derzeit laufen Verhandlungen mit Drittländern (insb. USA, China, Schweiz), die mittelfristig zu einer weltweiten Anerkennung des Status führen sollen.
 

 


II.) Drei Arten des Status des Zugelassenen Wirtschaftsbeteiligten (ZWB)

Der Status des ZWB ist in allen Mitgliedsstaaten gültig, zeitlich nicht befristet, und unterscheidet sich in drei Arten:

1.) AEO C = Zertifikat “zollrechtlicher Vereinfachungen“ Authorised Economic Operator “
     Customs Simplifications”

2.) AEO S = Zertifikat “Sicherheit”Authorised Economic Operator “Safety and Security”

3.) AEO F = Zertifikat “zollrechtlicher Vereinfachungen/Sicherheit“ Authorised Economic Operator
     “Full”
 

III. Vorteile und Vergünstigungen für Inhaber des AEO-Zertifikates

Direkte Vorteile:

  • weniger häufige Prüfung von Waren oder Unterlagen (alle Arten des AEO)
  • Vorrangige Prüfung von zur Kontrolle ausgwählten Sendungen (alle arten von AEO)
  • Bei Beantragung einer Bewilligung für die Inanspruchnahme zollrechtlicher Vereinfachungen werden die Voraussetzungen, die bereits bei der Erteilung des AEO-Zertifikates geprüft wurden, nicht erneut geprüft. (für AEO C und AEO F)
  • Reduzierte Datensätze bei der Abgabe von summarischen Eingangs- und Ausgangsmeldungen, sog. Vorabanmeldung (ab 1. Juli 2009 für AEO S und AEO F)
  • Verbesserte Zusammenarbeit mit dem Zoll
  • Anerkennung des AEO-Status als Qualitätsmerkmal (vertrauenswürdige Geschäftspartner)


Indirekte Vorteile:
 

Senkung der Diebstählen, Verlusten, Verspätungen, verbesserte Planungsmöglichkeiten und Kundenbindung, größeres Engagement der Mitargeiter, weniger Sicherheitszwischenfälle,  Kostensenkung bei der Kontrolle von Lieferanten, weniger Kriminalität und Vandalismus,  weniger Probleme bei der Mitarbeitererkennung,  mehr Sicherheit und Kommunikation unter den Partnern der Lieferkette (SCM).
 

Geplante Vergünstigungen:
 

  • Gegenseitige Anerkennung des AEO im Rahmen von internationalen Abkommen mit Drittstaaten
  • Bewilligungskriterien des AEO sind gem. Entwurf des Modernisierten Zollkodex künftig auch für andere zollrechtliche (z.B. Zentralisierte Zollabwicklung „Single Window“, Reduzierung der Sicherheitsleistung auf 0)


 IV. Bewilligungsvoraussetzungen für die Erhaltung des AEO-Zertifikates
 

Der Status des AEO wird Antragsstellern, die in der Gemeinschaft  ansässig und im Rahmen ihrer Geschäftstätigkeit mit unter das Zollrecht fallenden Tätigkeiten befasst sind, bewilligt (Art.4 Nr. 1 ZK; Art. 1 Nr. 12 ZK-DVO). Dies bedeutet, dass der Status eines AEO z.B. für Personen die ausschließlich im Binnenmarkt tätig sind nicht in Betracht kommt.
 

Der  AEO muss je nach Status die folgenden Voraussetzungen erfüllen:

  • die bisher angemessene Einhaltung der Zollvorschriften (Art. 14h ZK-DVO)
  • ein zufrieden stellendes System für die Verwaltung der Geschäftsunterlagen, das geeignete Kontrollen ermöglicht (Art. 14i ZK-DVO)
  • nachgewiesene Zahlungsfähigkeit ( Art. 14J ZK-DVO)
  • Geeignete Sicherheitsstandards (Art. 14k ZK-DVO- nur von AEO S und AEO F zu erfüllen)


Die Einhaltung der Kriterien wird anhand der Angaben des Antragsstellers geprüft, eine Begehung der Liegenschaften des Antragsstellers durch Zollbeamte folgt. Eine Verpflichtung zur Einschaltung von Gutachtern besteht nicht.

Die Leitlinien „Zugelassener Wirtschaftsbeteiligte“ (Dokumente TAXUD/2006/1450 vom 29.Juni 2007) können auf der Homepage der Zollverwaltung herunter geladen und eingesehen werden. Sie sind zu finden unter: www.zoll.de
 

Ausblick: Und wer sich nun einmal die Mühe macht, diese Leitlinien zu sichten, dem wird bewusst, mit welcher Transparenz sich nun aus der Sicht der Zollbehörden die SCM darstellt und welche wichtige Rolle er in ihr zu tragen hat, auch ohne, dass er selbst den Status des AEO beantragen möchte, müsste oder gar könnte.

 


Kontakt zur Autorin:

Nicola Bernard
Verkehrsfachwirtin (IHK) Servicebüro für
Außenhandelslogistik
Metzstr.19  
86316 Friedberg
Tel. +49.821.661622
Fax +49.821.2639624
www.nicola-bernard.de

Der Ausblick gibt die eigene Meinung der Autorin wieder, die Erörterung selbst sind Zusammengetragene Informationen folgender

Quellen:
[1] Homepage: www.zoll.de
[2] Fachartikel aus der „AW-Prax“ verschiedener Ausgaben 2007, Dr. Hans-Michael Wolffgang, Verfasser und Schriftleiter

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