Stefanie Schmidt

IPL-Magazin 36 | Juni 2016 |

Gastautorin: Stefanie Schmidt

Projektmanagerin / IDIS u. Autopart-Koordination
Volkswagen Original Teile Logistik GmbH & Co. KG (OTLG)

Inhouse: Nichts von der Stange!
 

 
Die Entscheidung über den Kauf neuer Maschinen, neuer Anlagen und auch der Wechsel von Computersystemen erstreckt sich meist über Monate, wenn nicht Jahre. Die Gründe sind häufig der Wunsch nach effizienterer Produktion, Kostenersparnis und Qualitätssteigerung.    

Entscheidenden Anteil, diesen Wunsch der Effizienz- und Qualitätssteigerung erfolgreich in die Praxis umzusetzen, hat der Mensch. Den Mitarbeiter vor Ort im Unternehmen an eben jener neuen Maschine mitzunehmen, ihn zu motivieren und bestmöglich auszubilden, sind die eigentlichen Erfolgsgaranten. Die Aussage von Walter Masing, der maßgeblich an der Etablierung des Qualitätsmanagements in Deutschland und Europa beteiligt war, trifft nach wie vor vollumfänglich zu:
    
„Man muss den Menschen sagen, was sie tun sollen, wie sie es tun sollen und warum sie es tun sollen. Mit Menschen kann man Erstaunliches erreichen.“ 1
 
 
Abb.1 Verteilung der Arbeitsunfähigkeitstage nach Diagnosegruppen
 
 
Manchmal verlieren Unternehmen das aus den Augen. Und nicht nur die, leider auch häufig der Mitarbeiter selbst. Die aktuelle Statistik der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin zeigt, dass psychische Krankheiten nach wie einen sehr großen und wachsenden Anteil an der Arbeitsunfähigkeit der Arbeitnehmer haben.2  Neben Burn Out. Verlustängste um den Arbeitsplatz, Probleme mit den Kollegen oder mit den Führungskräften haben auch die Versagensängste eine sehr große Bedeutung.

Wodurch entstehen diese psychischen Krankheiten? Durch die ständige Wandlung des Arbeitsalltags!
 
Fragen Sie Frauen, die aus der Elternzeit oder noch besser aus dem Erziehungsurlaub nach einem bzw. drei Jahren wieder an ihren Arbeitsplatz zurückkehren. Häufig erkennt man bereits nach wenigen Monaten das alte Aufgabenfeld nicht wieder, weil die Einführung einer neuen Struktur, einer neuen Software vorgenommen wurde oder durch die Fluktuation von Mitarbeitern, die das Tätigkeitsfeld gewechselt haben. Neue Aufgaben, neue Software, neue Kollegen, neue Prozesse und Abläufe sowie der Druck von innen und außen, fehlerfrei zu arbeiten und dabei noch schnell und präzise sein zu müssen, erhöhen das Risiko, zu erkranken um ein Vielfaches.

Vernünftige Weiterbildung nach der Rückkehr in den Beruf ist häufig Fehlanzeige. Dafür sei ja kein Geld da, das sei völlig überflüssig, das bringt ja sowieso nichts und Zeit ist dafür schon gar nicht vorhanden, sind vielfach gehörte Aussagen zum Thema Weiterbildung im Unternehmen.     

Und selbst wenn der Mitarbeiter als auch das Unternehmen erkannt haben, dass Weiterbildung wichtig ist, wie findet man aus der Flut der Anbieter den „richtigen“ als den am besten passenden Anbieter heraus? Welche Vermittlungsform soll gewählt werden? Präsenzschulung? Onlineschulung? Oder nur eLearning? Wie kann der „Stoff“ am besten vermittelt werden? Und welche Inhalte, welche Fähigkeiten und welches Wissen sollen denn vermittelt, erweitert oder vertieft werden?

Fragen über Fragen…wie können sie beantwortet werden?

Standardmäßig holt sich das Unternehmen in der Regel 3 Angebote ein, nachdem feststeht, welche Inhalte in einem Training vermittelt werden soll. Schon diese Festlegung erfordert in der Regel viel Fingerspitzengefühl, gilt doch hier die Aussage: „So viel wie möglich, aber nur so viel wie nötig“. Dieser Balanceakt erfordert Geschick in der Auswahl relevanter Schulungsinhalte vor dem Hintergrund der möglichen Überforderung der Teilnehmer und in Anbetracht der meistens völlig unterschiedlichen Voraussetzungen innerhalb einer Zielgruppe. Grundsätzlich bestimmt immer der langsamste Teilnehmer der Gruppe das Gesamttempo der ganzen Gruppe. Und das ist nicht immer völlig konfliktfrei. Daher muss auch auf die Zusammenstellung der späteren Gruppe geachtet werden, weshalb eine Trainingsmaßnahme inhouse bei mehreren Teilnehmern vorzuziehen ist.     

Nachdem Lehrinhalte festgelegt wurden, schaut das Unternehmen in der Regel – und das ist ganz legitim – auf die Kosten. Wer generell das billigste Angebot wählt, ist meistens schlecht beraten. Aber auch ein hoher Preis ist keine Garantie für den Erfolg einer Schulungseinheit.
 
Aber was braucht es, um eine Schulung oder Weiterbildung erfolgreich werden zu lassen?

In dem unter der Rubrik IPL-Projekt geschilderten Fallbeispiel wurde eine Schulung in einem Logistikunternehmen für mehr als 100 Disponenten konzipiert. Die letzte wirkliche Schulung lag bereits einige Jahre zurück und der Wunsch der Mitarbeiter nach einer Trainingsmaßnahme entsprechend groß. Bisher gab es bei Releasewechseln nur Informationen zu Neuerungen, die Learning by doing – Methode und die Mundpropaganda. So gelangten teilweise Falschinformationen in die Runde und häufig ging auch das Fachwissen mit den älteren Kollegen in Rente.

Somit war das Ziel der Schulungsmaßnahme ein besseres Verständnis des Dispositionssystems, um damit einen besseren Umgang und effizientere Abläufe zu erreichen sowie eine klare Zeichensetzung, dass der Mitarbeiter wichtig ist und ernstgenommen wird. Darüber hinaus wurde festgelegt, dass die einzelnen Seminare bundesweit an den einzelnen Standorten durchgeführt werden und dass die Teilnehmer ortsfremd weitergebildet werden sollten, d.h. nur maximal 2 Disponenten des jeweiligen Hauses durften an dieser Maßnahme teilnehmen, alle weiteren 10 - 12 Teilnehmer sollten aus den anderen Standorten anreisen. Somit ergab sich eine Teilnehmerzahl von 8 bis 14 Teilnehmern.
Bei dieser überschaubaren „Schülerzahl“ ist Präsenztraining die richtige Methode. Die theoretische Stoffvermittlung wechselte sich mit praktischen Übungen ab. Hierbei zeigte sich, dass das Unternehmen mit dem Partner – das Institut für Produktionsmanagement und Logistik -  den richtigen Partner ausgewählt hatte. Die Dozenten Herr Carsten Hirschberg sowie Herr Prof. Dr. Klaus-Jürgen Meier haben ein hervorragendes Wissen und Empathie, so dass keine Fragen und keine Wünsche der Teilnehmer unbeantwortet bzw. unerfüllt blieben.

Die situationsbezogene Reaktion beider Dozenten, ihre Flexibilität und Offenheit gegenüber den Teilnehmern wurden in der Evaluation durch die Teilnehmer stets hervorgehoben und die gesamte Schulungsmaßnahme durchweg positiv beurteilt. Diese überaus hervorragenden Erfahrungen lassen jetzt die Planung und Durchführung einer weiteren Schulung - hier wird es um die Weiterbildung zum zertifizierten Disponenten gehen -  für diejenigen Disponenten zu, die sich in den einzelnen Seminaren und in ihrer täglichen Arbeit als besonders qualifiziert herausgestellt haben.
 
Es wird auch ein für das Unternehmen maßgeschneidertes Konzept erstellt werden, was sicherlich im Vergleich zu Standardschulungen teurer ist, aber trotzdem wie die Schulungsmaßnahme zuvor als „preiswert“, also seinen Preis wert sein, bezeichnet werden kann.

Die positiven Erfahrungen mit einem auf das Unternehmen abgestimmten Schulungskonzept sowie der inhouse Durchführung der Maßnahme haben uns vollkommen überzeugt. Wir danken unseren Dozenten, maßgeblich Herrn Hirschberg, und freuen uns auf die neue Maßnahme in Kooperation mit der Prof. Dr. Meier – Institut für Produktionsmanagement und Logistik GmbH.


 


 

Kontakt zur Autorin:


Stefanie Schmidt
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IDIS u. Autopart-Koordination    
Volkswagen Original Teile Logistik GmbH & Co. KG (OTLG)

 


Quellenangabe:    
1 Walter Masing Walter Masing,*1915 in Petrograd; † 2004 in Erbach, war ein deutscher Physiker und Unternehmer. Er war maßgeblich an der Etablierung des Qualitätsmanagements in Deutschland und Europa beteiligt. (Quelle:https://web.archive.org/web/20070206101916/ http://www.dgq.de/mit/mit-mile-film.htm).     
2 http://de.statista.com/statistik/daten/studie/77239/umfrage/krankheit---hauptursachen-fuer-arbeitsunfaehigkeit/