IPL-Magazin 33 | Oktober 2015 | Autor: Stylianos Tsompalidis


Die Trends in der Supply Chain liegen in der zunehmenden Globalisierung.

Stylianos TsompalidisDie Trends in der Supply Chain liegen in der zunehmenden Globalisierung. Es wird zunehmend auf Lösungsstrategien wie Outsourcing und Kooperationen zurückgegriffen, ganz abgesehen von den Beschaffungsstrategien bis hin zum Single Sourcing.

Erinnern Sie sich noch an den Ausbruch des Vulkans auf Island, dessen Namen fast niemand korrekt aussprechen konnte: „Eyjafjallajoekull“?! Der Ausbruch hatte nicht nur dramatische Folgen für den Luftverkehr, sondern auch der Bahnverkehr, die Wirtschaft und weitere Bereiche waren betroffen.




Seit Ende September 2015 ist nun die DIN EN ISO 2001:2015 veröffentlicht. Unternehmen werden durch die neue DIN EN ISO 9001:2015 zum ersten Mal aufgefordert, sich ausdrücklich mit dem Thema Risiko zu beschäftigen. Die oberste Leitung soll Vorkehrungen und Alternativen berücksichtigen, damit die Organisation auf Probleme vorbereitet ist. Alle Prozesse rund um das Qualitätsmanagement werden durch die neue Normenforderung betroffen sein. Sie müssen zukünftig auf ihre Risiken hin untersucht werden. Insbesondere Produktionsbetriebe müssen ihre Prozesse hinsichtlich Risiken und deren Auswirkung bewerten. Im Sinne von TQM zählt hierzu insbesondere die gesamte Supply Chain, d.h. von der Beschaffung bis zum Kunden.

Das Risiko, lat. Riscare „etwas unternehmen“, betrifft jedes Unternehmen.

Für die Bewertung der Risiken können verschiedene Beurteilungsmethoden, wie beispielsweise das GAMAB-Prinzip, verwendet werden. Das GAMABPrinzip, oder das ALARP Verfahren, basieren meist auf einem Vergleich mit anderen/vergleichbaren Risiken. Um dementsprechend Risiken zu vergleichen, werden bei diesen Verfahren Risikomaße berechnet. Zu beachten ist, dass je nach Prozessschritt im Produktentstehungs- oder Dienstleistungsprozess spezifische Methoden anzuwenden sind. Der Einsatz hängt entscheidend vom Ziel der Beurteilung und den organisationsinternen Kommunikationsprozessen ab. Mögliche Risiken sind zu identifizieren, zu analysieren und zu bewerten. An dieser Stelle sei erwähnt, dass die DIN EN ISO 9001:2015 kein vollständiges Risikomanagement fordert! Jedoch kann bei der Einführung der Risikobetrachtung parallel ein Risikomanagementprozess eingeführt werden.

In diesem Bereich bietet die DIN EN ISO 31000, Risikomanagement, eine spezifi zierte Norm. Risikomanagement ist nach der Norm ISO 31000:2009 eine Führungsaufgabe, in der die Risiken einer Organisation identifi ziert, analysiert und bewertet werden. Hierzu sind übergeordnete Ziele, Strategien und die Politik der Organisation festzulegen. Im Einzelnen betrifft das die Festlegung von Kriterien, nach denen die Risiken eingestuft und bewertet werden, die Methoden der Risikoermittlung, die Verantwortlichkeiten bei Risikoentscheidungen, die Bereitstellung von Ressourcen zur Risikoabwehr, die interne und externe Kommunikation über die identifi zierten Risiken (Reporting), sowie die Qualifizierung des Personals für das Risikomanagement.
Die DIN EN ISO 9001:2015 fordert nun im Sinne der Prozessorientierung die Risikobeurteilung zu überprüfen. Hierzu müssen die Beteiligten und Mitarbeiter die notwendige Methodenkompetenz erhalten. Weiterhin müssen die neuen Prozesse in die Unternehmensprozesslandschaft eingebunden werden. Grundsätzlich könnte man auf dem Standpunkt stehen, dass die Beurteilung von Risiken aus Sicht des Qualitätsmanagements einen Mehraufwand bedeutet.

Wenn bei der Einführung pragmatisch vorgegangen wird und beispielsweise der Nutzen eines Risikoprozesses dem administrativen Aufwand gegen übergestellt wird, kann eine Plausibilisierung relativ kurzfristig erfolgen.

Grundsätzlich fordert die Norm den Umgang mit Produkt- und Prozessrisiken sowie dass:

  • das Qualitätsmanagementsystem ordnungsgemäß funktioniert
  • die Organisation ein konstantes Qualitätsniveau hält
  • die Prozesse kontinuierlich verbessert werden.

Werden Methoden wie die FMEA – Fehlermöglichkeits- und Einfl ussanalyse– eingesetzt, kann diese Methode in anderen Bereichen durch ergänzende Risikomanagementmethoden ergänzt werden. Nur auf einzelne Risikomanagementmethoden für die gesamte Unternehmung zu setzen wird nicht erfolgsversprechend sein. Es wird nur der ganzheitliche Ansatz Erfolg haben. Bei der Umsetzung der DIN EN ISO 9001:2015 ist für das Verstehen der Organisation und ihres Kontextes für das Risikofeld der externen Themen das Risiko zu bestimmen. Risiken zu bestimmen bedeutet jedoch immer, gleichzeitig Chancen zu ermitteln! Dies betrifft auch die internen Themen oder die interessierten Parteien.

Als grober Lösungsansatz zur Risikobearbeitung können nachfolgende Strategien verwendet werden:

 

  • Risikovermeidung
  • Risikoteilung
  • Risikominderung oder
  • Risikoakzeptanz.

Nachfolgend ein erweiterter Qualitätsmanagementregelkreis, ergänzt um das Thema Risiko:

 


Modell eines prozessorientierten QM-Systems 

Weiterführende Themen sind dann das Umgehen mit gesetzlichen Forderungen und Compliance. Eine wichtige Basis ist die Auseinandersetzung mit Chancen und Risiken, wenn weitere branchenspezifischer Zertifizierungen benötigt werden, wie beispielsweise die ISO/TS 16949.

Über den Autor:
Herr Stylianos Tsompalidis hat bereits seit den 90iger Jahren Erfahrung im Bereich Qualitätsmanagement in der Automotive-, Maschinenbaubranche und arbeitet für die: PeRoBa Unternehmensberatung GmbH
Alte Poststrasse 66, 85598 Baldham.

www.PeRoBa.de

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