IPL-Magazin Ausgabe 09 | Oktober 2009 |

Gastautor: Dipl.Psych.Ralph-R. Küntscher

 

ICH im Veränderungsprozess - (Eine Beschreibung für Veränderer)

 

Die Geschichte unserer Welt ist geprägt und getrieben durch Veränderungen. Veränderungen sind von sich aus nicht gut oder schlecht, richtig oder falsch, willkommen oder bedrohlich. Aber genau das "bringt mich aus der Ruhe" - im wahrsten Sinne des Wortes:

 In jeder Veränderung können für mich persönlich Chancen, aber auch Bedrohungspotentiale stecken. Ihren Charakter erfahren Veränderungen erst mit der Zielbeschreibung der "Veränderer ". Jetzt fange ich an, mich damit auseinander zu setzen: Was kann das  für mich, meine Position, mein Umfeld, meine Beziehungen, meine Einstellungen, meine Fähigkeiten usw. bedeuten?

 

Natürlich bewege ich mich hier im Bereich des Spekulativen. Aber ohne hinreichend konkrete Informationen beginne ich - vielleicht unbewusst -  eine Art persönlicher Bilanzierung: Was kann bestenfalls oder auch schlechtesten Falls dabei für mich herauskommen? Je weniger konkrete Information ich habe, desto diffuser vielleicht auch extremer in den Antipoden wird diese Bilanzierung ausfallen.

 

Ein ganz ungemütliches Gefühl, dass ich eigentlich loswerden will. Also enge ich mein Blickfeld scheuklappenartig ein und komme zu einer "provisorischen" Beurteilung der Veränderungsauswirkungen  für mich ganz persönlich: Die geplante Veränderung ist zu begrüßen oder abzulehnen. Jetzt suche ich nach Gleichgesinnten: Ein Nebensatz, ein Lächeln als Kommentar zu einer Bemerkung oder das finstere Mienenspiel bei Erwähnung des (Veränderungs-) Themas zeigen mir "die Ablehner".

 

Mit Begeisterung beim Ausmalen der Zukunft, "Endlich packt das einer an"-Ausrufen oder gar Verbreitung positiver "vertraulicher" Information decouvrieren sich die Unterstützer. Jetzt habe ich noch einmal die Chance, meinen Standpunkt nach Sympathie oder Antipathie mit dem jeweiligen Lager und seinen Repräsentanten auszurichten. Dann aber schwimme ich mit dem Strom der Betroffenen und fühle mich nicht mehr so allein !

 

Ganz anders denke und verhalte ich mich doch, wenn die "Veränderer" mich frühzeitig in Ihre Gedanken mit einbeziehen. Ich erlebe das, wie ein Abholen von zu Hause und den Aufbruch zu einem gemeinsamen Abendteuer. Ich spüre und freue mich darüber, dass meine Fähigkeiten und meine Erfahrungen anerkannt werden und  erwünscht sind. Ich fühle, dass ich nicht eine Veränderung über mich ergehen lassen muss sondern dass ich die Chance habe, gestalterisch Einfluss zu nehmen. Ich fühle mich schon ein bisschen herausgehoben als Mitgestalter. Nicht alles mündet für mich in der so häufig strapazierten "Win-Win"-Situation. Aber ich kann besser damit umgehen, weil ich verstehe, warum nicht.

 

Ich verliere nicht automatisch alle meine Befürchtungen vor der Veränderung, nur weil ich mitmachen darf. Aber ich kann präziser darüber reden und damit vielleicht auch Einfluss nehmen. Und es macht Spaß mitzuwirken, auch wenn es immer mit zusätzlichem persönlichem Aufwand verbunden ist. Ich bin allerdings auch kritischer in Bezug auf die  Informationsqualität und hinterfrage mehr. Ich hinterfrage vor allem auch zunehmend die bisherige Position. Ich bin nicht mehr zufrieden damit und kann mir ein "Zurück" nicht mehr vorstellen.

 

Ich beobachte auch, dass ich gegenüber den "Ablehnern" als Verteidiger "unserer" Idee auftrete und mich bemühe, sie in "unser" Lager herüberzuziehen. Ich bemerke dabei allerdings auch zunehmend eine Ungeduld bei mir, es geht mir manchmal nicht schnell genug. Aber ich sehe auch Rückschläge, wenn es zu schnell geht. Mir fällt auf, dass ich fast immer von "Wir" rede, wenn weitere Schritte geplant werden. Ich bin wohl ein Teil der Veränderung geworden und ich setze meine Hoffnungen auf "unseren" Erfolg. Ich fühle mich wohl in meiner Rolle als Beteiligter !
 


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Dipl.Psych.Ralph-R. Küntscher


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