Kim Häring

IPL-Magazin 42 | Januar 2018 | Autor: Kim Häring

 

Industrie 4.0. Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht irgendwer, irgendwas zu diesem Marketing-Hype-Begriff sagt. Doch was verbirgt sich substantiell hinter dieser Aufforderung zum Wandel?

 

So unpräzise formuliert wie aktuell, fällt es schwer, ruhigen Gewissens auf diesen Zug in die Zukunft aufzuspringen.

Habe ich das richtige Ticket, stehe ich am richtigen Bahnsteig, fährt der Zug in die richtige Richtung, habe ich einen Sitzplatz und gibt es den Zug überhaupt schon?

Ich kann Sie beruhigen. Die technischen Grundlagen sind geschaffen. Komponenten und Lösungen sind verfügbar. Cloud Computing, Big Data & Analytics, RFID, Embedded Systems, Internet der Dinge (IoT), Machine Learning und Machine-to-Machine-Kommunikation, etc. Forscher und Entwickler bauen ihre Fähigkeiten sukzessive aus, so dass CIOs sie wie Bausteine im Tetris zusammenwürfeln können. Der Wunsch zur Umsetzung ist ebenfalls vorhanden.

Zweifelsohne birgt die Industrie 4.0 viele Chancen, da die Kunden anspruchsvoller werden und die Globalisierung auch vor dem Bäcker an der Ecke nicht Halt macht. Und gerade die technologisch breit angelegte Industrie und der Mittelstand in Deutschland, welche zusammen die in Europa mit Abstand höchste industrielle Wertschöpfung erbringen, sind prädestiniert für die Verschmelzung von analoger und digitaler Produktion, um im globalen Wettbewerb zu punkten. Aber welche Risiken damit verbunden sind, erklärt der Marketing-Begriff leider nicht. Wir sollten uns verdeutlichen, dass Industrie 4.0 nur dann einen Vorteil bietet, wenn sie klar definiert, standardisiert, messbar gemacht und mit der Kernkompetenz im Unternehmen in Einklang gebracht wird. Denn egal, wie viel Individualisierung und Hybridisierung Sie in Ihre Produkte bringen, wenn der adressierte Konsument, aktuell und prognostiziert, darin keinen Vorteil sieht, wird er nicht ihr Kunde.

Definieren Sie also die Ausprägungsform und den Ausprägungsgrad von Industrie 4.0 unabhängig vom Hype für Ihr Unternehmen. Sollten Sie das alleine tun? Nein! Nutzen Sie Expertenwissen und setzen Sie einen Fahrplan zur Umsetzung auf. Wenn Sie dabei die Qualifizierung Ihrer Mitarbeiter für die Herausforderungen der neuen Produktionswelt nicht vergessen und sie mit einem durchdachten Change Management auf dem Weg zur digitalen Transformation mitnehmen, können Sie gewiss sein, dass Ihr Zug sein Ziel erreicht.