Wolfgang Kloke

IPL-Magazin 40 | Juli 2017 | Autor: Wolfgang Kloke

 

Ohne dass wir es merken, begleitet uns die Ergonomie unentwegt auf all unseren Wegen und bei allen unseren Handlungen.

Kleidung, die wir tragen. Geräte, auf den Kinderspielplätzen. Oder auch Sitzmöbel, die wir täglich zu unterschiedlichen Gelegenheiten nutzen, sind ergonomisch gestylt. Naja, meistens jedenfalls… Ergonomisch nicht hinreichend durchentwickelte Produkte werden von uns beim Gebrauch sehr schnell erkannt und deklassiert.

Vorreiter in der Entwicklung ergonomisch durchdachter Produkte war wieder einmal die Fahrzeugindustrie. Sie versteht es als elementaren Wettbewerbsvorteil, den Insassen Fehlhaltungen, ungünstige Handhabungen u.v.m. durch ergonomische Anpassungen zu ersparen. Selbst Sensoren zur Erkennung von Müdigkeit sind eng mit der Ergonomie verwoben.

Auch im privaten und persönlichen Umfeld besteht Handlungsbedarf. Nicht ausschließlich in der Aufklärung, sondern auch im tatsächlichen Handeln. Wer von uns kennt nicht das Beispiel vom Anheben eines Getränketrägers. Aus dem gebeugten Rücken heraus - so bitte nicht! In die Knie gehen und senkrecht anheben, das ist der richtige Weg. Die Wenigsten handeln entsprechend, wider besserem Wissen. Aktive Schulung von uns allen ist notwendig.

Neben der uns allgegenwärtig begleitenden Produktergonomie fristet die Ergonomie in unseren Fabrikhallen bisher oft ein bescheidenes Schattendasein. Erst in jüngster Zeit zollen die Fabrikplaner und Arbeitswirtschaftler dem Menschen im Produktionsablauf mehr Aufmerksamkeit. Und das wird auch höchste Zeit. Menschen, die unter Einflüssen wie Lärm, Staub oder falsch designten Arbeitsplätzen leiden, arbeiten weniger produktiv, verursachen Fehlleistungen und sind häufiger krank.

Wir sollten alle miteinander dafür Sorge tragen, dass auch diesen Menschen die gleiche Aufmerksamkeit entgegengebracht wird, wie es die Produktentwickler der Fahrzeugindustrie für ihre eigenen Kunden vorsehen. Das ist ein Gebot der Menschlichkeit und der Würde gegenüber denjenigen, die körperlich hoch belastet ihre tägliche Arbeit verrichten.


Wir sollten diese Thematik sehr ernst nehmen. Die Auswirkungen treffen wiederum uns selbst, im Positiven wie im Negativen …