Wolfgang Kloke

IPL-Magazin 38 | Januar 2017 | Autor: Wolfgang Kloke

 

Bei der rasanten Entwicklung der Halbleitertechnik im Verbund mit der Datentechnik hat sich bereits gezeigt: Technische oder moralische Grenzen hat es nie gegeben.

 

Im Gegenteil: Immer neue Ideen und Bedürfnisse haben den Hunger auf neue Märkte angefacht. Das Modernste war gerade in Produkte umgesetzt, folgte eine nächste Entwicklungswelle. Ob in den Büros und Fertigungshallen der Unternehmen, im Kinderzimmer oder bei der Ausrüstung des Militärs mit Spitzentechnologie. Grenzen ließen sich nicht ziehen und sie wird es aller Voraussicht nach auch zukünftig nicht geben.
Wenn wir nun additive Fertigungstechnik im Lichte dieser Entwicklungen betrachten, wo werden wir dann in 10 Jahren stehen?


Die Drucktechnik wird, ebenso wie die Digitaltechnik, Innovationen Flügel verleihen. Sie wird, nach der industriellen Vereinnahmung auch Einzug in die privaten Bereiche halten. Denkbar sind etwa maßgedruckte Kleidungsstücke oder Ersatzteile für Haushaltsgeräte. Selbst unsere Kinder werden interessen- und bedarfsgerecht ihre Produkte selbst entwickeln und drucken können. Die digitalen Daten lassen sich selbst generieren oder werden einfach vom Internet bezogen.


Doch was passiert, wenn sogar Kinder ihre Spielzeuge selbst herstellen können? Werden sich nicht viele der uns heute bekannten Wertschöpfungsketten auflösen? Werden etablierte Geschäftsmodelle, die auf der Vermarktung von geringfügig individualisierten Massenprodukten basieren, nicht unattraktiv bzw. unprofitabel? Droht nicht Massenarbeitslosigkeit, wenn klassische Montagetätigkeiten von 3D-Druckern realisiert werden?


Hier muss sowohl die Industrie als auch der Gesetzgeber frühzeitig aktiv werden und Strategien entwickeln. Am besten jetzt. Gebotene Aktivitäten auf Seiten der Legislative liegen sicher in der Definition von Leitplanken, die etwa den Schutz geistigen Eigentums regeln und die Anfertigung bestimmter 3D-Drucke (etwa Waffen) unterbinden. Weiterhin gilt es, unser heutiges Schul- und Ausbildungssystem auf die Herausforderungen einer digitalisierten Welt auszurichten. Denn welche Fähigkeiten werden in der Zukunft noch gebraucht, wenn Computer und Automatisierungstechnik einen Großteil der Arbeitsleistung erbringen.


Für die Industrie heißt es jetzt, das Feld des 3D-Druckens experimentell zu erschließen und passende Anwendungsgebiete zu identifizieren. Noch handelt es sich um ein emergentes Technologiefeld - Chancen und Risiken gibt es viele. Eine offene Diskussion über Abteilungs- und Unternehmensgrenzen hinweg, kann sicher dazu beitragen, die Chancen zu heben und Risiken zu minimieren.