IPL-Magazin 33 | Oktober 2015 | Autor: Prof. Dr. Klaus-Jürgen Meier

Risiken einfach zum Spaß eingehen?

 

Prof. Dr. Klaus-Jürgen Meier

No risk – no fun! Klingt dieser Spruch nicht draufgängerisch und verwegen?

Ein Image, welches jeder Firmenchef gerne verkörpert? Nur, wo steckt der Spaßfaktor verborgen, wenn Kunden unzufrieden sind, operatives Chaos die internen Prozesse dominiert und schlussendlich unüberschaubare Kosten drohen?

Während sich die meisten Menschen im Privatleben durch den Abschluss einschlägiger Versicherungen (Haftpflicht-, Unfall-, Rechtschutz, Lebensversicherung usw.) gegenüber Risiken absichern, scheinen sie im beruflichen Alltag vollkommen andere Maßstäbe anzulegen. Wie wäre es sonst zu erklären, dass es kaum Unternehmen gibt, die sich über die definitiv bestehenden Risiken Gedanken machen.



Was aber sind die Hintergründe?


• Die Beteiligten unterschätzen die Gefährdung
• Hat man einmal eine knifflige Situation gut überstanden, dann wird es beim nächsten Mal auch wieder gut gehen
• Ausreichend Bestand hilft jedes Risiko abzudecken
• Das aktuelle Tagesgeschäft fordert die volle Aufmerksamkeit, sodass für hypothetische Themen keine Zeit bleibt
• Die Komplexität der Aufgabe macht Angst und wird deswegen lieber ignoriert
• Kein einzelner Mensch im Unternehmen überblickt den Gesamtzusammenhang

Was es auch immer sein mag. Der Manager trägt die Verantwortung für die Absicherung seines Unternehmens. Ein Schaden für das Unternehmen kann somit auch schnell zu einem persönlichen Haftungsrisiko für den Manager werden.

Aus zahlreichen Medienberichten ist bekannt, dass immer wieder Unternehmen gravierende Schäden davontragen. Die Dunkelziffer dürfte noch weitaus höher sein. Die Schadensursachen sind vielfältig.

Einmal ist es die eigene Konstruktion, dann sind es u.a. Umweltkatastrophen, Lieferanten- oder Produktionsausfälle. Doch vollkommen unvorhersehbar sind die wenigsten Risikoquellen. Durch geeignete Aufstellung der Supply Chain, der Aufbauorganisation oder der Geschäftsprozesse lassen sich viele Risiken grundsätzlich vermeiden.

Für andere Risiken können schon frühzeitig präventive bzw. kurative Maßnahmen festgelegt werden. Damit lässt sich im Schadensfall schnell reagieren und die Auswirkungen können begrenzt werden. Eines sollte jedoch bedacht werden, die Risikosituation verändert sich stetig. Eine Risikoanalyse, welche älter als ein Jahr ist, ist häufig bereits veraltet und nicht mehr aktuell.

Und auch hier sei der Vergleich mit dem Privatleben erlaubt: In welchen Abständen gehen Sie zum Zahnarzt und lassen einen Gesundheitscheck machen?