IPL-Magazin 31 | April 2015 | Autor: Prof. Klaus-Jürgen Meier

 

Prof. Dr. Klaus-Jürgen Meier

Kennzahlen…- zu welchem Zweck setzen Sie Kennzahlen im Unternehmen ein? Wer denkt bei dieser Frage nicht zuerst an Kontrolle. Kontrolle, ob technische Spezifikationen eingehalten werden. Kontrolle, ob die Gewinnziele des laufenden Geschäftsjahres erreicht werden. Nicht zuletzt auch Kontrolle, ob der Mitarbeiter die gesetzten Ziele erreicht. Doch welcher Mensch empfindet Kontrolle als angenehm und wünschenswert? Der spontane Reflex jedes kontrollierten Menschen wird sein, sich der Kontrolle zu entziehen oder diese in irgendeiner Art zu unterlaufen. Ob dabei Handlungsweisen resultieren, die im Sinne des Unternehmens sind? Und richtig, Kennzahlen verschaffen auch Transparenz. Klare Sicht auf Dinge, die man sehen möchte. Nur, sind es die richtigen Dinge, welche man betrachtet. Oder vernebeln die gewählten Kennzahlen den eigentlich angestrebten Blick auf das Wesentliche?

Schnell wird deutlich, Kennzahlen sind ausschließlich dann sinnvoll, wenn sie sinnvoll gewählt werden. Jene Kennzahlen leiten die Organisation zu einem Verhalten an, welches konform zu den Unternehmenszielen ist. Der bloße Einsatz von Kennzahlen ist wenig aussagekräftig, sondern verursacht im Extremfall lediglich Aufwand beim Erheben.
Ein Beispiel: Als Voraussetzung für niedrige Kosten in Produktionsunternehmen wird schon in Lehrbüchern eine hohe Auslastung gefordert. Was liegt also näher, als die Maschinenauslastung als Maßzahl für die Effizienz der Produktion zu werten? Die Organisation wird also belohnt, wenn sie produziert – oder bestraft, wenn die Maschine still steht. Die Konsequenz sind Maschinen, die Stückzahlen liefern – bestenfalls in großen Losen, um Rüsten zu vermeiden und Lernkurven voll auszuschöpfen. Der Blick auf andere Kennzahlen vermag den Kostenvorteil infrage zu stellen. Zumeist steigen die Bestände, da (noch) kein Kundenbedarf für die Fülle der produzierten Mengen vorliegt, die Lieferfähigkeit sinkt, da die Flexibilität aufgrund großer Lose nachlässt, und die Liefertreue kann aufgrund langer Durchlaufzeiten nur noch schwer eingehalten werden.
Das Resultat: hohe Kosten für das Unternehmen und das trotz hoher Effizienz.

Dabei wäre es so einfach, die Organisation dafür zu belohnen, wenn das Richtige zum richtigen Termin produziert wird – Termineinhaltung statt Effizienz.Sinn und Unsinn von Kennzahlen liegen also sehr nahe beieinander. Den Unterschied macht aus, wie Kennzahlensystem bestimmt und im Unternehmen verankert werden. Und der Unterschied ist entscheidend. Er kann Mitarbeiter motivieren oder demotivieren. Er kann Unternehmen wettbewerbsfähig machen oder zum Sanierungsfall. Professionalität lohnt sich also, damit das Spiegelbild eine unverzerrte Wahrheit wider gibt.