IPL-Magazin 26 | Januar 2014 | Autor: Prof. Dr. Klaus-Jürgen Meier

Achtung! Eine Revolution naht: Industrie 4.0



Prof. Dr. Klaus-Jürgen MeierExperten kündigen eine dramatische Veränderung in unserer Arbeitswelt an. Nach der Einführung mechanischer Hilfsmittel (angetrieben durch Wasser oder Dampf), der Arbeitsteiligkeit unter Nutzung elektrischer Energie und der Elektronik bzw. IT soll nun Industrie 4.0 die Abläufe in Unternehmen erneut vollkommen verwandeln. Wie? Ganz einfach: Durch Vernetzung mit Hilfe cyber-physikalischer Systeme und dem Einsatz von Virtual bzw. Augmented Reality.

Sollten Sie die Bedeutung und den Inhalt dieser Begriffe nicht verstehen, dann – trösten Sie sich - sind Sie nicht alleine. Zu abstrakt klingt die Erklärung und nicht vorstellbar, dass so etwas in beispielweise mittelständischen Unternehmen in Kürze Einzug halten sollte. Dort geht es doch täglich um Themen wie Kundenzufriedenheit, Termineinhaltung und Klärung technischer Probleme in der Auftragsabwicklung. Cyber-physikalische Systeme?

Fehlanzeige, zu weit erscheinen Realität und Vision auseinander zu liegen. Wie kann aber eine Revolution stattfinden, wenn die Fachwelt in den Unternehmen nicht weiß, was zu tun ist. Das erscheint wie eine Revolution in einem fernen Land auf dieser Erde, die uns natürlich nicht betrifft. Und dennoch greift die Vernetzung unserer Welt immer weiter um sich. Bei genauem Hinsehen erkennen wir das alle in unserem Umfeld. Wer könnte heute noch auf das Internet verzichten? Stets aktuell die Nachrichten, das Wetter oder auch die günstigsten Reiseangebote für den nächsten Urlaub abrufen – das ist bequem und spart Geld. Auch der Datenaustausch unter Unternehmen nimmt stetig zu.

So ist es eigentlich nur eine logische Konsequenz, wenn dieser Trend auch innerhalb der Unternehmen weiter um sich greift. Man beschreibt es auch mit dem Begriff ‚ das Internet der Dinge‘. Stets aktuell die Auftragslage, den Bearbeitungsstatus und die Termineinhaltung prüfen – das ist ebenfalls bequem und spart Aufwand (also Geld).

Sie machen das schon heute in Ihrem Unternehmen? Eben – Sie machen das, aber Ihre Aufträge überprüfen ihre Situation nicht selbst und entscheiden in Echtzeit nicht selbst über die Auswahl einer besseren Alternative. Die Geschichte hat uns gelehrt, dass umfangreiche zentrale Entscheidungen und Planwirtschaft nie zum Optimum geführt haben. Zu träge, zu unflexibel und zu weit entfernt von der Realität sind die Prozesse, um wirklich situationsgerecht die richtige Lösung zu finden.

Die Einführung vernetzter und dezentraler Systeme in die Unternehmen wird nicht schlagartig passieren. Es wird ein schleichender Prozess, genauso schleichend wie das Internet in unsere Privatsphäre eingedrungen ist. Aber insbesondere vor dem Hintergrund des steigenden Datenaustauschs und dem damit verbunden Datenmissbrauch sollten wir alle die Entwicklung aufmerksam verfolgen. Die resultierenden Vorteile der Systeme liegen zweifelsfrei auf der Hand.

Es ist also wahrscheinlich nur eine Frage, wann und in welchem Umfang die Industrie 4.0 uns alle erreicht. Die ersten Schritte sind bereits gemacht.