IPL-Magazin 22 | Januar 2013 | Autor: Dipl-Ing. Theo Muffert

Die Lösung?


Dipl-Ing. Theo MuffertDas Lager ist ein Teil der Logistik, der im betrieblichen Leistungsprozess eine Funktion erfüllt, die nicht wertschöpfend ist. Aufgrund dieser Tatsache hat man in der industriellen Entwicklung der letzten 20 Jahre versucht, die Materialwirtschaft eines Unternehmens so zu steuern, dass die Lagerhaltung minimiert wird. Diese Versuche wurden teilweise bis zum Exzess betrieben, indem man die Lagerwirtschaft komplett aufgegeben hat. Nachdem aber ohne Material keine Produktion, geschweige denn ein Handelsunternehmen auskommen kann, wurde die Lagerfunktion „outgesourct“ oder auf die Straße verlegt. Das Outsourcing hat sich relativ schnell als nicht wirtschaftlich erwiesen, wenn es sich dabei um eine reine Lagerdienstleistung handelt. Wird allerdings diese Dienstleistung um zusätzliche Umfänge wie z.B. Vormontagen, Verpacken, Konfektionieren etc. erweitert, können nennenswerte Einsparungen erzielt werden. Die andere Art der Materialvorhaltung und –versorgung, indem eine größere Anzahl von beladenen LKW´s nur so viele Artikel zu den Kunden transportieren wie diese für ihre Produktion benötigen, hat ebenfalls Grenzen aufgezeigt. Dieses Verfahren wird in erster Linie bei Massenartikeln z.B. in der Kfz-Industrie angewendet. Dabei müssen jedoch die Bauteile nicht nur in der richtigen Qualität und Stückzahl, sondern auch zum richtigen Zeitpunkt, d.h. exakt dann, wenn sie in der Montage verbaut werden sollen, ankommen.

Andernfalls müsste sich der Empfänger dieser Teile ein Lager einrichten, das zu zusätzlichen Kosten führen würde. Diese Belieferungsart wird „just in time“ oder „just in sequence“ genannt und ist heute fester Bestandteil in der Kfz-Zulieferindustrie. Nun weiß allerdings jeder Autofahrer, dass bei einem Straßentransport sehr schnell etwas passieren kann. Eine Verlagerung des Transportes auf die Schiene ist in den wenigsten Fällen sinnvoll möglich. Das heißt, dass die Materialversorgung der Kunden allein durch die Transportart sehr risikobehaftet ist.
Es kommt immer wieder vor, dass Produktionslinien aufgrund fehlender Bauteile gestoppt werden müssen. Die Kosten solcher Zwischenfälle können exorbitant hoch und von existenzieller Bedeutung sein. Um dieses Risiko einzugrenzen, legen Lieferanten für besonders kritische Teile Notfalllager ein, aus denen zeitnah eine Ersatzlieferung erfolgen kann. Es wurde, was die technische Entwicklung von Materialversorgungssystemen anbetrifft, viel erreicht. Gleiches gilt auch für die Organisation im Hinblick auf Handhabungs- und Steuerungssysteme. Wir sollten uns aber darüber im Klaren sein, dass wir immer nur einzelne Aufgaben, die uns die moderne Logistik stellt, lösen.