IPL-Magazin 18 | Januar 2012 | 

Gerade hat ein neues Jahr begonnen. Traditionell ist es die Zeit, um auf das vorangegangene Jahr zurückzublicken. Es ist aber auch die Zeit, um den Blick nach vorne zu wenden und sich zu fragen, was wird das Neue Jahr bringen? Das gilt nicht nur für den Privatmenschen, sondern in gleichem Maße auch für Unternehmen – insbesondere in einer Phase konjunktureller Unsicherheit, wie es sie in dieser Gestalt noch nie vorher gegeben hat.


Prof. Dr. Klaus-Jürgen Meier  (IPL)Selbst Experten, wie beispielsweise jene vom IFO-Institut, werden von den aktuellen Entwicklungen überrascht und müssen ihre Prognosen in kurzen Abständen korrigieren. Zu groß ist zwischenzeitlich die globale Abhängigkeit, um die Entwicklung aller Einfluss nehmenden Faktoren vorhersehen zu können. Die Welt wird nie wieder so einfach sein, wie sie es vielleicht noch vor 20 Jahren war.

Wie sollen dann aber die Verantwortlichen in der Lage sein, ihr Unternehmen auf die Zukunft vorzubereiten? Sentimentalität und die Sehnsucht nach der guten alten Zeiten helfen wenig. Auch wenn sich die Märkte total verändert haben und sich weiter verändern werden, so gibt es dennoch einige Tugenden, die das Management von erfolgreichen Unternehmen auch zukünftig auszeichnen: Mut, Innovationskraft und Flexibilität.

Mut deswegen, um unternehmerische Entscheidungen zu treffen – um sich auch gegen Markttrends durchzusetzen – um nach einer Konjunkturkrise nicht aufgrund von Zukunftsangst den nächsten Aufschwung zu verpassen.

Innovationskraft, weil nur derjenige Erfolg haben wird, der es versteht, mit neuen Ideen, Produkten und Dienstleistungen die Kunden zu begeistern.

Flexibilität, das Unternehmen, also die Mitarbeiter und die Prozesse, immer wieder mit höchster Geschwindigkeit auf neue Herausforderungen einzustellen.

Doch wie steht es mit diesen Tugenden? Ist es doch viel einfacher und bequemer, ohne Veränderungen des Produktes, der Dienstleistungen und der betrieblichen Prozesse zu leben - solange der Umsatz einigermaßen stimmt. Es sind keine lästigen Diskussionen über notwendige Veränderungen mit Mitarbeitern zu führen, deren Arbeitsumfeld sich eventuell dramatisch verändern könnte.

Es muss keinem Vorgesetzten erläutert werden, wieso eine Abteilung aufgelöst werden muss. Die gelebte Planwirtschaft schafft eine Kulisse der Selbstzufriedenheit, in der Impulse von außen eher stören. Zerschlägt die Wirklichkeit dann irgendwann diese Scheinwelt, so sind doch die Anderen schuld an der Misere. Der Kunde will veränderte Stückzahlen, andere Produkte oder andere Dienstleistungen ohne dies mit Nachdruck schon Jahre im Vorhinein angekündigt zu haben. Der Lieferant kann nicht schnell genug reagieren und ist zu teuer. Kein Wunder also, wenn man aufgrund dieser Unzulänglichkeiten selbst nicht mehr lieferfähig ist oder Überbestände auf Lager hat.

Das war nicht vorhersehbar! Ist dies nicht eine beruhigende Ausrede, um sogar jetzt noch nicht an sich selbst zweifeln zu müssen? Wäre doch die Umwelt nur so heil und transparent wie das eigene Unternehmen!?

Spätestens bei der Wahrnehmung dieser Symptome ist es Zeit, aufzuwachen – oder man wird von der Wirklichkeit geweckt. Nicht selten ist es dann aber zu spät für Unternehmen. Oder nur noch durch harte Einschnitte kann ein Überleben sicher gestellt werden. Besser ist es aber zweifellos, gar nicht erst in den Tagtraum abzutauchen.

Keine qualitativ noch so hochwertige, gewissenhaft erstellte und auch aufwändige Prognose auf dieser Welt schafft ausreichend Sicherheit, um damit ein träges Dasein zu garantieren. Ist es dann nicht per se besser, weniger Aufwand in die Vorausschau zu investieren und stattdessen die Tugenden Mut, Innovationskraft und Flexibilität zu stärken?

Wenn das Management und damit ein Unternehmen über die drei Tugenden verfügen, braucht es die absolute Gewissheit, was die Zukunft bringt, nicht mehr!