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IPL-Magazin 17 | Oktober 2011 | 

Versorgungssicherheit in Zeiten der Hochkonjunktur ist die Voraussetzung zur Erfüllung für die zum Kunden kommunizierte Lieferfähigkeit. Dieser Aussage wird wohl kaum jemand widersprechen. Nur, ist es auch betriebswirtschaftlich vertretbar, wenn dies durch übervolle Lager teuer erkauft wird? Oder, welches Risiko gehen die Unternehmen ein, wenn sie sich auf die Aussagen der Lieferanten verlassen?


Thomas Theiler (IPL-Beratung)Den Kunden beliefern zu können, das heißt eine hohe Liefertreue zu garantieren, ist ein wichtiges Kriterium  für Kundenbindung geworden. In Zeiten guter Konjunktur mit den einhergehenden längeren Beschaffungszeiten behelfen sich viele Firmen, wie schon angesprochen, mit der Erhöhung des Lagerbestands, um die Lieferfähigkeit zum Kunde zu gewährleisten. Mag dies in der Hochkonjunktur betriebswirtschaftlich noch vertretbar sein, so kann es bei einer nachlassenden Konjunktur erhebliche Auswirkungen auf die Liquidität des Unternehmens haben. Bei einer Abschwächung der Konjunktur ist die Liquidität, die evtl. zum Bezahlen der Löhne und laufenden Verpflichtungen dringend benötigt wird, dann in den Beständen gebunden.

In den Medien wird von einer Abschwächung der Konjunktur gesprochen. Getrieben von der Euro-Krise reagieren die Börsen entsprechend nervös und verbreiten damit Verunsicherung in der Industrie. Die Unternehmen befinden sich jetzt der schwierigen Situation, in der sie sich entscheiden müssen, welche Beschaffungs- bzw. Lagerstrategie die Richtige ist. In der Supply Chain gibt es immer zwei Richtungen die betrachtet werden müssen.

Die eine Richtung ist die Lieferfähigkeit zum Kunden, die andere Richtung geht zum Lieferanten hin. Auch in Richtung Lieferant ist Vorsicht geboten.

Zur eigenen Absicherung werden oft die Rohstofflager gefüllt, da die Beschaffung aufgrund der unkalkulierbaren Wiederbeschaffungszeiten extrem schwierig ist. Je nach dem, wo sich das Unternehmen in der Supply Chain befindet, schlägt der Bullwhip-Effekt dann mit voller Härte zu. Produktionsbetriebe steuern ihre Produktion aus Kostengründen möglichst bestandsarm. Die Gültigkeit der Wiederbeschaffungszeiten ist eine zwingende Voraussetzung für optimalen Warenfluss im Herstellungsprozess. Moderne Produktionsplanungssysteme stoßen dann an ihre Grenzen, wenn zugesagte Liefertermine nicht eingehalten werden oder wenn die Ware nicht in der bestellten Menge eintrifft. Der Materialfluss kommt ins Stocken und das verursacht entsprechend hohe Kosten. Spätestens dann ist klar, wie wichtig selbst der kleinste Partner in der Supply Chain ist.

Zum Thema Versorgungssicherheit gehört sicherlich auch die Preisgestaltung der Rohstoffe. Deutlich sichtbar wird dies am Beispiel der sogenannten "seltenen Erden". Wird ein Gut knapp, steigt der Preis. Das ist das Gesetz der Marktwirtschaft. Der Endverbraucher ist in der Regel aber nicht bereit die extremen Preiserhöhungen zu bezahlen. Das bedeutet wiederum, dass die steigenden Preise zum Großteil in der Supply Chain aufgefangen werden müssen. Die Unternehmen stecken somit in einem Dilemma. Rohstoffe und Waren die zur Versorgungssicherheit zu hohen Einstandspreisen gekauft wurden, werden bei einer Abschwächung der Konjunktur zu einer betriebswirtschaftlichen Belastung. Zum einen ist der Bestand zu hoch und zum anderen könnten die Waren zu günstigeren Preisen beschafft werden.

Vor diesem Hintergrund erscheint es umso wichtiger, die Auf- und Abbewegungen der Wirtschaft beherrschbarer zu machen. Versucht wird das zum Beispiel mit Forecast-Methoden.

Mehr dazu können Sie in der nächsten Ausgabe unseres Magazins lesen.